Youth Worlds: Drei Medaillen in Griffweite – GER übernimmt Nacra15-Führung

Die Stars von morgen

Bei den Youth Sailing Worlds, der wichtigsten Jugend-Regatta der Welt, sind die deutschen Segler zur Halbzeit so gut platziert, wie lange nicht mehr. Edelmetall ist gleich dreimal möglich.

Die Weltmeisterschaften im Jugendsegeln sind aufgezogen wie Olympische Spiele. Die neun Klassen sollen das sportliche Segeln der Elite-Klassen abbilden. Es gibt pro Nation und Disziplin  jeweils nur einen Startplatz. Nationale Qualifikationen entscheiden über die Vergabe der Tickets. Allerdings gibt es eben eine Obergrenze für das Alter (16 bis 19 Jahre), und die Regatta findet jedes Jahr statt – nun schon seit 1971. Diesmal sind 400 Segler aus 66 Nationen am Start.

Anders als bei den Jüngsten, die im Alter bis 15 Jahre noch überwiegend durch private Initiativen von Eltern und Vereinen auf die höchste Leistungsebene gebracht werden, übernehmen eine Altersklasse höher mehr und mehr die nationalen Verbände die Verantwortung für die Entwicklung des Nachwuchses. Insofern sind die Youth Worlds ein guter Gradmesser für die Arbeit und den Stand der sportlichen Qualität in den jeweiligen Ländern.

Sailing Youth Worlds

Der zweite Renntag brachte Wind und Wellen in die Bucht von Danzig. © Szymon Sikora / World Sailing

In Deutschland funktioniert dieser Übergang traditionell nicht besonders gut. Einzelerfolge auf Optimisten-Ebene münden selten in ruhmreiche Olympia-Karrieren. Und bei den Youth Worlds können sich die deutschen Boote selten in Szene setzen.

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Seglerin von den Antillen im Laser Radial. 66 Nationen sind in neun Klassen am Start. © Szymon Sikora / World Sailing

Dominierende Segel-Nationen wie England oder Frankreich schaffen es dagegen bei der jüngsten Opti-WM kaum unter die Top 100, belegen aber bei den Youth Worlds traditionell die ersten Plätze.

Dass diese Ergebnisse ein Fingerzeig für die späteren Leistungen auf olympischer Ebene sein können, zeigen die großen Namen, die schon Jugendweltmeister und später auch Olympiasieger geworden sind.

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420er Action am zweiten Tag. © Szymon Sikora / World Sailing

Die spanischen Doreste-Brüder gelten als erste Vorbilder. Jose Luis Doreste Blanco gewann 1973 Jugend-Laser-Bronze bevor er 15 Jahre später Finn-Dinghy Olympia-Gold in Pusan holte. Louis Doreste siegte 1979 bei den Youth Worlds in der Europe und ließ gleich zweimal Olympia-Gold im 470er (1984) und Flying Dutchman (1992) folgen.

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Julian Hoffmann muss im Laser Radial schon einen Frühstart im ersten Rennen verkraften und liegt zur Halbzeit auf Rang 13. © Szymon Sikora / World Sailing

Russell Coutts gewann gleich zweimal (1981, 1984) die Jugend-Einhand-Disziplin, bevor er bei Olympia und im America’s Cup siegte. Aber auch Dean Barker (NZL), Robert Scheidt (BRA), Alessandra Sensini (ITA), Mateusz Kusznierewicz (POL), Gal Fridman (ISR), Iain Percy (GBR) oder Sarah Ayton (GBR) standen sowohl bei den Jugend-Segelspielen ganz oben auf dem Treppchen wie auch später bei Olympia.

Das Prinzip funktioniert noch immer. Und die starken Segelnationen platzieren sich auch in diesem Jahr wieder bei den Hempel Youth Sailing World Championships im polnischen Danzig ganz vorne. In der Gesamtwertung zur Halbzeit liegt Frankreich vor Spanien und England.

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Dunkle Wolken ziehen über Danzig auf. © Szymon Sikora / World Sailing

Die Vertreter des Deutschen Segler-Verbandes können bei dieser Wertung für die Nations Trophy nicht mithalten, schon allein weil sie nicht alle neun Klassen besetzen. Wie auf Olympia-Ebene ist bei den beiden Surf-Disziplinen kein Nachwuchs in Sicht.

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Das 29er-Feld an der Startlinie. © Szymon Sikora / World Sailing

Aber zur Halbzeit ist Deutschland so gut platziert wie selten bei dieser Regatta. Das liegt insbesondere an dem Nacra15-Duo Silas Mühle und Levke Möller. Der Sohn von Thomas Friese hat mit seiner neuen Vorschoterin nach dem vierten Tagessieg in neun Rennen die Führung in der Katamaran-Mixed-Disziplin übernommen.

Mühle erlebt seinen zweiten Youth-Worlds-Auftritt und segelt auch schon bei den großen World Cups im Nacra 17 auf internationaler Ebene mit. Bei der Junioren WM im norwegischen Risør hat er bei der Junioren-WM gerade Bronze gewonnen. Die Erfahrung kann ihm nun bei dem ganz großen Wurf helfen. Sicher gehört er mit Levke Möller zu den Favoriten, musste aber mit den Plätzen 12 und 15 auch schon Dämpfer hinnehmen.

Ganz stark liegen bei den 420er Mädchen auch Theresa Steinlein und Lina Plettner im Rennen auf Rang zwei. Die Amerikanerinnen an der Spitze scheinen überlegen, aber Edelmetall ist möglich im Feld der 24 Boote.

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Elena Krupp und Clara Borlinghaus schieben sie mit einem Laufsieg auf einen aussichtsreichen fünften Platz im 29er. © Szymon Sikora / World Sailing

Auch Elena Krupp und Clara Borlinghaus werden im 29er immer stärker. Nach einem mühsamen Auftakt haben sie sich bei zuletzt stärkerem Wind bis auf Rang fünf nach vorne geschoben und waren in den letzten drei Rennen die besten Performer im Feld mit einem Tagessieg zum Schluss.

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57 Nationen segeln bei den Laser Radial Jungs. © Szymon Sikora / World Sailing

Interessant: Zu ihren härtesten Konkurrentinnen gehören die Antonia und
Victoria Schultheis aus Malta. Die deutschstämmigen Schwestern, die ihre Segelausbildung am Wannsee begannen, liegen auf Rang drei. Ihr Bruder segelte am Sonntag zu WM-Silber bei den Optimisten.

Ob es diesmal zu einer Medaille für Deutschland reicht? Laserseglerin Hannah Andersohn war mit ihrer Silbermedaille 2015 die letzte große Ausnahme.

Ergebnisse Youth Worlds 2019

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Carsten Kemmling

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