Zweiter Tag der Olympischen Segelregatta mit Auf und Ab in den Laser-Klassen

Buhl klettert auf 6, Weger rutscht auf 8

Licht und Schatten im deutschen Olympiateam vor Enoshima: Laser-Weltmeister Philipp Buhl (2. und 10.) ging auf Tuchfühlung mit dem Podium. Außenseiterin Svenja Weger (21. und 29.) droht sie im Radial zu verlieren.

Philipp Buhl ließ sein Können vor allem in der ersten Tageswettfahrt mit einem zweiten Platz aufblitzen. © Sailing Energy / World Sailing

Luft anhalten, leicht verkrampft die Daumen drücken und erst nach einigen Minuten allmählich entspannen und sich freuen – so verlief der frühe Wochenstart der deutschen Olympiazuschauer beim Segeln. Sage und schreibe 13 Sekunden und 15 Meter zurück startete Philipp Buhl sein zweites Laserrennen, dass am Vortag abgebrochen worden war. Der Weltmeister schien unbedingt direkt am Startschiff auf die Strecke gehen zu wollen, wo er beinahe schon auf der vierten Reihe nach allen anderen das Rennen aufnahm.

Doch Buhli wusste offenbar, was er tat. Die erwartete schnelle Wende auf die rechte Seite erfolgte zwar nicht sofort. Aber der Vortagessieger Jean Baptiste Bernaz aus Frankreich musste nach seiner eigenen Wende schon haarscharf das Heck des Deutschen passieren. Der schien bei mittleren Winden um 15 Knoten aus Ostnordost jede noch so kleine Bö und Dreher zu riechen. Von Mitte rechts kommend lag er bald in Lee seines norwegischen Sparringspartners Hermann Tomasgaard, den er auf der Anliegelinie ausstach.

Philipp Buhl nach der Luvtonnenrundung. © Sailing Energy / World Sailing

Hinter dem Schweden und Chinesen als Dritter um die Luvtonne halste Deutschlands Segler des Jahres sofort und übernahm mit herausragender Bootsgeschwindigkeit die Führung. Vor dem Wind konnte offensichtlich niemand im Feld mit seinem Speed mithalten, oft mehr als einen Knoten schneller als die meisten. Zur Hälfte betrug der Vorsprung vor den Verfolgern schon 100 Meter, am Leegate 20 Sekunden. „Es war sehr böig und drehend, echt schwierig“, berichtete Buhl, der nach eigenem Bekunden nur einmal zu weit rechts gewesen sei.

So soll es möglichst häufig sein: Weltmeister Buhl führt das Laser-Feld souverän an. © Sailing Energy / World Sailing

Vor der letzten Runde entschied er sich nämlich für die rechte Seite am Wind und musste zusehen, wie sich das Feld splittete. Auf der linken profitierte vor allem Milivoj Dukic aus Montenegro von den besseren Bedingungen und nahm dem Sportsoldaten aus dem Allgäu fast eine Minute ab. So ging der Tagessieg in den Balkan. Aber ein starker zweiter Platz untermauerte den Anspruch aufs Podium. Buhl: „Natürlich hätte ich gerne gewonnen, aber fürs Punktekonto war das auch so top.“

Auch im zweiten Tagesrennen blieb der Mitfavorit seiner Maxime treu, am Start nicht allzu viel zu riskieren. Allerdings hatte er sich sicher mehr vorgenommen als der 19. Rang nach einer Runde. Doch Buhl kann auch von hinten raus kämpfen. Wie zum Auftakt reichte es am Ende erneut zu einem soliden zehnten Platz, beileibe nicht der schlechteste Streicher nach drei Wettfahrten. Vier der fünf Segler vor ihm haben bereits einen deftigeren Ausrutscher im Gepäck. Er liegt mit zwölf Zählern nur sieben hinter dem neuen Spitzenreiter Kaarle Tapper aus Finnland. Der Kroate Tonci Stipanovic (9) ist punktgleich vor Pavlos Kontides aus Zypern Zweiter.

Einen Ausrutscher zu viel leistete sich Svenja Weger im Anschluss, die an Tag eins als Spitzenreiterin für eine kleine Sensation gesorgt hatte. Die Kielerin startete im Gelben Trikot („eine coole Erfahrung“) zweimal verhalten, musste in Abwinden wegwenden und wurde im hinteren Feld der 44 Radial-Frauen in zähe Positionskämpfe verstrickt. „Ich hätte mich klarer für eine Seite entscheiden müssen, war aber zu vorsichtig“, sagte die geborene Heidelbergerin. Aber auch die 28-Jährige bewies Kampfmoral, arbeitete sich aus der Schlussgruppe zumindest einmal noch in die oberen Tabellenhälfte zurück.

Svenja Weger passiert das olympische Leegate der Laser Radial. © Sailing Energy / World Sailing

Den 21. Platz muss Weger mit in die Wertung nehmen, denn Race 4 fehlte es komplett an Fortune. Nach wenig besserem Beginn wurde die Aktive vom Potsdamer Yachtclub auf der linken Seite der Startkreuz vom Tracker kurzzeitig unter den Top Ten positioniert. Das hätte am Ende wahrscheinlich im Zwischenklassement weiter fürs Podium gereicht. „Das Muster der Winddreher war für mich nicht erkennbar“, erklärte Svenja Weger zurück an Land, „aber mit dem Mittelwert aus den ersten beiden Tagen kann ich gut leben.“ Der 29. als Streicher bedeutet 27 Zähler insgesamt, 20 mehr als Line Flem Hoest aus Norwegen, die sich am Dienstag (27. Juli) für die Rennen 5 und 6 das Gelbe Trikot überstreifen darf. Vasileia Karachaliou aus Griechenland (9) ist Zweite vor der Dänin Anne-Maria Rindom (14).

Zu Beginn des dritten Wettfahrttags (5 Uhr deutsche Zeit) werden parallel zu den Laser-Klassen die Frauen im 49er FX an den Start gehen. Für Tina Lutz und Susann Beucke (Holzhause/Strande) werden es nach zwei verpassten Qualifikationen die ersten Spiele, bei denen sie sich viel vorgenommen haben. Der Wind soll weiter zunehmen und dürfte für spektakuläre Manöver sorgen. Drei Skiffrennen sind vorgesehen genau wie bei den 49er-Männern, die um 7.50 Uhr auf dem Plan stehen.

Vorschoter Thomas Plößel beim Bootscheck. 

„Unser letzter Bootscheck war erfolgreich“, sagten Erik Heil und Thomas Plößel in Enoshima, „wir sind guter Dinge, dass es morgen endlich losgeht.“ Die Wiederholung ihrer Bronzemedaille von Rio vor fünf Jahren ist das Minimalziel des Berliner Steuermann mit seinem Kieler Vorschoter. Das ZDF überträgt live im Internet auf https://www.zdf.de/sport/olympia/segeln mit den beiden segelnden Fachkommentatoren Anna Markfort und Tobias Schadewaldt.

Ein kurzes Video vom letzten Wassertraining der 49er-Männer vor dem ersten Start:

4 Kommentare zu „Zweiter Tag der Olympischen Segelregatta mit Auf und Ab in den Laser-Klassen“

  1. avatar Lyr sagt:

    Fährt der Chinese unter Chilenischer Flagge?

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  2. avatar klugscheisser sagt:

    😀 drei Chilesen mit dem Kontrabass

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  3. avatar besserwisser sagt:

    @Lyr: das ist ja die Luvtonne… wie geschrieben Ist er als Dritter gerundet, der Chilene im Hintergrund ist ja hinter ihm….

    • avatar Lyr sagt:

      ach, auf das Bild habe ich nicht geschaut. Es war nur so, bei der ZDF-Übertragung hat der Moderator die ganze Zeit den Chilenen einen Chinesen genannt. Das wurde hier anscheinend übernommen. China fährt bei den Lasern gar nicht mit. Kann ja mal passieren… nur ein Fun-Fact 😉

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