Anlegen von morgen: Leine per Drohne übergeben – Palstek durch die Luft schleppen

Was die Schlepper können...

Das wäre doch mal was: Anlegen mit der Drohne. Was in Zukunft den Schlepper-Crews der Hamburger Reederei KOTUG beim Leinen Handling helfen soll kann ja auch im Fahrtenskipper-Alltag Schule machen.

Die Schleppreederei Kotug hat ein Patent für den Einsatz von Drohen bei Schleppeinsätzen beantragt. Dadurch sollen die Arbeitsbedingungen sicherer und einfacher werden.

Die Drohne soll die Schleppleine mit dem zu schleppenden Schiff verbinden, um die Sicherheit drastisch zu verbessern. “Dadurch wird das Manövrieren in der Gefahrenzone vermieden”, heißt es bei Kotug.  Dies ermögliche dem Schlepper, sicher neben dem geschleppten Schiff zu operieren, anstatt vor ihm. Die Hamburger wollen als erste Schlepper-Firma die neue Technik nutzen. Vor dem Einsatz stehen aber noch umfangreiche Tests.

Drohne zum Containerschiff

Die Leine des Schleppers wird per Drohne zum Containerschiff übergeben.

Das wäre doch auch eine nette Option für Fahrtensegler. In Zukunft werden immer mehr Skipper die fliegenden Hawk-Eyes an Bord haben. Die Volvo Ocean Racer machen es vor. Selbst im Southern-Ocean-Sturm lassen sie die Flieger ausschwärmen, um sich permanent selbst zu filmen. Warum dann nicht mit dem kleinen Helfer im Hafen die Leinen-Übergabe organisieren?

Einige Anleger dürften besser ablaufen, wenn die Drohne den Palstek über die Steg-Klampe oder den Boxen-Pfahl wirft. Eine abwegige Idee? Vermutlich. Vorher bleiben die Flieger an Stagen und Masten im Hafen hängen. Aber was die Schlepper-Crews können…

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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3 Kommentare zu „Anlegen von morgen: Leine per Drohne übergeben – Palstek durch die Luft schleppen“

  1. avatar oh nass is sagt:

    Drohnen beim Fahrtensegeln…? Ja, ne, klar.

    Szenario fürs Hafenkino: Beliebiger Hafen in der dänischen Südsee, ein – zum Glück – lauer Nachmittag ohne Wind. Yacht läuft ein, sagen wir mal so um die 40 Fuß, typisches Fahrtenmodell mit Windschutzscheibe. Am Ruder der beleibte Endfünfziger, auf dem Vorschiff die (in Erwartung der gebrüllten Kommandos leicht panische) Frau. Er traut ihr das Steuern nicht zu, daher muss sie wie üblich die eigentlich schwerere Arbeit des Festmachens erledigen, obwohl sie nicht einmal die Hälfte auf die Waage bringt. Man trägt Handschuhe, soviel muss sein.

    Die Drohne mit der angepickten, steuerbordseitigen Achterleine steht startbereit im Cockpit, um das Überlegen der Leine (klar, man fährt vorwärts rein, anders geht das ja nicht) leicht zu machen. Sie steht mit einer Vorleine auf dem Vorschiff, bereit, sich jederzeit für das Unternehmen zu opfern.
    Er bekommt den Dampfer halbwegs in die Box, und während er noch mit Rad und Gashebel hantiert, findet er Zeit, die Drohne zu starten. Das Ding dröhnt los (daher ja: “Drohne”) und hebt schräg ab, knapp am Baum vorbei, etwas aus dem Gleichgewicht gebracht wegen der Leine.

    Na, nun aber fix. Mit der Fernsteuerung per iPhone die Drohne einfangen, dazu braucht man schon beide Hände. Die Leine schlingt sich erstmal um den Poller. Das Boot zieht quer, die Vorschiffsbesatzung guckt irritiert nach hinten. Er erinnert sich an den Frontquirl und gibt ordentlich Stoff. Das Boot drückt auf die andere Seite, die Drohne zerrt an der Leine.
    Auf dem Steg läuft Publikum auf und es kommen die ersten Ratschläge. Die geworfene Vorderleine verfehlt leider den Steg, weil der Skipper rückwärts gibt, um die Drohne zu erreichen, die den Poller das dritte mal umrundet und dabei tiefer geht – oha! “Helga!” brüllt er “Nun mach mal da vorn!!” Nochmal Vorwärts, der wagemutige Versuch, die Drohne im Flug zu greifen, scheitert am Propellereinschlag in die ausgestreckte Hand. Schmerzenschrei vom Skipper, dafür hat sich die Drohne endlich von der Achterleine befreit, die ins Wasser schlägt und sofort unterm Boot verschwindet.

    Die glückliche Drohne saust ungesteuert mit heulendem Geräusch quer über die Nachbarlieger (man geht schnell in Deckung), während sich die abgesoffene Heckleine mit dem Propeller vereinigt und so die Maschine mit einem blubbernden Geräusch abwürgt. Während der Skipper – die schmerzende Hand haltend – auf die Knie geht und dabei den Bugstrahler mit dem Ellenbogen zur anderen Seite rammt, wird dem hilfreichen Landpublikum die zweite geworfene Leine durch dieses Manöver leider wieder entrissen.

    Die glückliche Drohne hat sich mit einigen lustigen Geräuschen (*pling* – *plong* – *rrrrrr*) durch den Wanten- und Stagen-Parcour gekämpft und schmiert erst an einem gold-eloxierten Mast ab (könnte eine Leisure oder sowas sein), um dem verblüfften Hafenmeister (der rein zufällig vorbei kam) gegen die Brust zu knallen, auf den Steg zu scheppern und dann mit leisem “Plups” im Hafenbecken abzutauchen.

    “Ich hab das genau gesehen!” brüllt der Skipper vom durch das hilfsbereite Publikum (nun ja, die Hälfte kann sich vor Lachen nicht halten und ist gar nicht mehr einsatzbereit) halbwegs fest gemachte Boot den immer noch fassungslosen Hafenmeister an. “Sie haben meine Drohne ins Wasser fallen lassen! Hoffentlich sind Sie gut versichert!”

    Schöne neue Welt. Ich freu mich.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 25 Daumen runter 2

    • avatar Walter Röhrl sagt:

      hast du keine Hobbies?

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 8

    • avatar Sven 14Footer sagt:

      Sehr geil geschrieben! Selten wurde ich durch einen Kommentar so gut unterhalten.
      Ich habe das Gefühl mit Carsten einerseits und Oh nass is andereseits ist die Phantasie durchgegangen.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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