Abschied: Robert Scheidt beendet seine Olympia-Karriere – 49er-Umstieg nicht erfolgreich

"Ich fühle mich nicht mehr wettbewerbsfähig"

Die brasilianische Segel-Legende Robert Scheidt gibt das olympische Segeln auf. Mit 44 Jahren bekommt er den 49er nicht mehr ausreichend unter Kontrolle.

Robert Scheidt

Robert Scheidt und Gabriel Borges bei der WM 2017. © 49er Worlds

Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Laser-Legende Robert Scheidt überraschend seinen Umstieg in den 49er angekündigt. Im Alter von 43 Jahren wollte er ein weiteres Mal die biologischen Gesetze außer Kraft setzen und das schnelle Skiff beherrschen lernen.

Vier Jahre zuvor hatte sich der fünffache Olympiamedaillen-Gewinner nach acht Jahren im Starboot (dreimal Weltmeister) noch einmal zurück in den Laser gequält und sensationell auf Anhieb 2013 den neunten WM-Titel in der Klasse gewonnen. Dann verpasste er in Rio etwas unglücklich durch eine Plastiktüte am Schwert als Vierter die nächste Medaille, wollte aber die Olympia-Familie noch nicht verlassen.

Verrückter Umstieg

Der Umstieg in den 49er schien eine Verrücktheit, da der Über-Segler bisher nie etwas mit Skiffs, Gennakern und Trapezen zu tun hatte. Er stellte sich der größten Herausforderung seiner Segel-Karriere. Aber nun hat sich der Brasilianer eingestanden, dass sie selbst für ihn nicht zu bewältigen ist.

Robert Scheidt

Scheidt beim Heim-Training am Gardasee. © Scheidt

Im Alter von 44 Jahren hat er nun angekündigt, seine Olympische Segellaufbahn zu beenden. Dem brasilianischen Fernsehsender TV Globo sagte er: “Das ist die schwierigste Entscheidung, die ich je treffen musste. Ich habe seit 25 Jahren auf höchstem Niveau Wettkämpfe betrieben. Aber ich müsste in den nächsten zwei Jahren zu viel Zeit für das Training aufbringen. Zwei Dinge waren mir immer wichtig: Spaß haben und wettbewerbsfähig sein. Im Moment bin ich das allerdings nicht.”

Robert Scheidt und seine Frau Gintare segelten beide in Rio. Sie wohnen am Gardasee.

Scheidt hatte sich im Dezember 2016 mit dem 49er-Olympia-Elften Gabriel Borges (25) zusammengetan, um das Skiff-Handwerk bei intensiven Trainingsstunden in seiner Wahl-Heimat am Gardasee zu erlernen. Bei der Europameisterschaft in Kiel verpasste das Duo die Gold Fleet und wurde 31. Bei der WM wurde es der 40. Platz. Nun sieht Scheidt offenbar nicht die erhofften Fortschritte in der neuen Klasse.

Scheidt und der America’s Cup

Über seine weiteren Segel-Pläne hat der Brasilianer noch nichts verlautbart. Er konnte bisher als einer der besten brasilianischen Olympia-Sportler sehr erfolgreich Sponsoren für seine Segel-Karriere akquirieren. Und anders als sein langjähriger Widersacher Ben Ainslie betätigte er sich kaum in der lukrativen Bigboat- und America’s Cup-Welt.

Robert scheidt

Robert Scheidt versucht bei Luna Rossa am großen Rad zu drehen, aber das Timing war ungünstig. © Luna Rossa

Ersten Gehversuchen im America’s Cup waren nicht der erwartete Erfolg beschieden. Der Einzelkämpfer fand keinen Gefallen daran, im großen Team unterzugehen und das Kielboot-Segeln mit umfangreicher Crew von der Pike auf zu erlernen.

Für den America’s Cup 2007 hatte ihn noch Jochen Schümann zu Alinghi holen wollen, aber der Brasilianer konzentrierte sich dann doch lieber auf seine Starboot-Kampagne.

2009 war Scheidt schließlich zusammen mit Torben Grael bei Luna Rossa angestellt, auch um das Match Race-Segeln zu erlernen. Aber durch den Ärger um den Cup war der Ausflug in diese Profi-Szene nur kurz. Für ein neues Cup-Engagement käme er vielleicht in Frage, da er jetzt auch die Anforderungen eines Schnellbootes wie den 49er kennt. Allerdings fehlt im die Erfahrung im klassischen Segel-Duell, das wieder eine größere Rolle spielen dürfte als bisher.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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