America’s Cup: +39 Cupper von 2007 verschrottet – Deutsches Team hatte Mast zerlegt

Ende einer Ära

Der italienische America’s Cupper vom +39 Team von Luca Devoti fällt dem Schredder zum Opfer. 2007 hatte er den am meisten beachteten Auftritt als Jesper Bank ihm den Mast abriss.

+39 Schredder

Trauriger Moment. Das +39 Heck wird abgesägt. © Tognozzi

Es ist wahrlich ein trauriges Bild, wenn ein Schiff zersägt wird. Im Fall des +39 Cuppers symbolisiert das Schreddern auch noch das unrühmliche Ende einer Ära. Der 32. America’s Cup war einer der Höhepunkte der Cup Geschichte, mit zwölf Teams am Start. Aber der Streit der beiden Milliardäre Bertarelli und Ellison brachte die Entwicklung zum Stillstand.

Der damalige +39 Teamchef Luca Devoti, Olympia-Silber-Gewinner im Finn (2000) und Werftchef, verbindet im Video den Moment, als die Flex ansetzt, mit dieser unverhohlenen Anklage. Er gibt sich auch keine Mühe, die Begeisterung über den aktuellen Cup zu teilen.

Das ist das Ende

“Das ist das Ende von +39”, sagt Devoti. “Viele Menschen haben alles für sie gegeben. Es ist ein wunderschönes Boot, das seit der Pleite in anderen Händen ist. Wir haben alles getan, um es zu retten aber es war nicht möglich, es am Leben zu halten. Das ist das endgültige Ende eines glorreichen America’s Cups in Valencia. Dieser Moment sagt alles.”

Allerdings ist +39 nie richtig in Fahrt gekommen. Das Geld war von Anfang an knapp. Und dann gab es immer mehr Ungereimtheiten über nicht gezahlte Gehälter. Das Syndikat schlitterte in die Pleite.

+39 Mastbruch

Der Moment des Unglücks. Hinter Victory Challenge hat sich das deutsche Team mit dem Mast der Italiener verhakt. © Fabio Taccola/+39

Dabei schrieben die Italiener eine der sympathischten Geschichten des Cups 2007. Im Grunde war +39 eine Gruppe von Finn-Dinghy-Kumpels, die den Dickschiffseglern mal so richtig zeigen wollten, wo der Hammer hängt.

Steuermann war der aktuelle Artemis Teamchef und spätere Star Olympiasieger Iain Percy. Als Taktiker fungierte Ian Walker, der gerade auf Abu Dhabi das Volvo Ocean Race gewinnen will. Außerdem segelte Finn-Silber-Gewinner Rafael Trujillo (ESP) mit, der zurzeit auf Mapfre Dienst tut, und Andrew Simpson, der 2013 beim Artemis Unfall verstorbene Olympiasieger Freund von Percy.

+39 hatte einige der besten Olympiasegler an Bord, aber von Anfang an kämpfte das Team mit dem fehlenden Budget. Zwar hatten sie früh gemeldet, aber Teamchef Lorenzo Rizzardi vom Yacht Club Circolo Vela Gargnano am Gardasee, bekam die Finanzen nie in den Griff.

Kollision mit deutschem Boot

Wer weiß allerdings, was passiert wäre, wenn es nicht die Kollision mit dem deutschen Schiff bei der Vorregatta Act 13 in Valencia gegeben hätte. Jesper Bank will kurz vor der Luvtonne hinter den Italienern passieren. Aber sein Schiff richtet sich im Windschatten von Areva auf und dabei kollidieren die Riggs.

Der einzige konkurrenzfähige Mast von +39 erleidet einen Totalschaden, und es bringt wenig, dass die Deutschen von der Jury die volle Schuld zugesprochen bekamen. Das UITG Team hilft zwar mit einem Ersatzmast aus, aber die Italiener kommen schließlich nicht über Platz neun von elf Herausforderern beim Louis Vuitton hinaus.

Von Anfang an stand +39 unter keinem guten Stern. Nun hat auch diese Geschichte ein schon fast passendes Ende genommen.

+39 Mastbruch

Der unglückliche Mastbruch bei +39 in Valencia. © Borlenghi

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Carsten Kemmling

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4 Kommentare zu „America’s Cup: +39 Cupper von 2007 verschrottet – Deutsches Team hatte Mast zerlegt“

  1. avatar Bootsbesitzer sagt:

    Man Ihr könntent für das Video wenigstens eine Altersbeschränkung vorschreiben. Das ist ja schrecklich!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 1

  2. avatar Pörschie sagt:

    Weiß jemand evtl, was mit dem deutschen Cupper passiert ist?

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    • avatar Müller sagt:

      war das nicht das Teil, das auf Rügen vergammelt und vor kurzem bei Ebay verkauft werden sollte?

      Das Gemeckere über den neuen AC nervt etwas. Die Boote sind faszinierend, es ist ein unglaublicher Entwicklungsschub und wenn man aus heutiger Sicht die alten Cups ansieht, wirkt das alles schon sehr altbacken. Das muss sich alles noch ein wenig setzen und wenn dann alle die neue Technik verstanden haben, wird es auch wieder mehr Teams geben. Ich zumindest trauere diesen etwas eigenartigen alten Cupern nicht hinterher.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 9

  3. avatar RVK sagt:

    steht GER 72 nicht noch am Bodensee zusammen mit Nippon Challenge (JPN 52)? Der Cupper auf Rügen war die alte NZL 39, ESP5 das andere Supersailboot wurde schon vor mehreren Jahren am NOK bei Knierim abgewrackt. Da gibts lustige Bilder wie der Kiel abgefackelt wurde um an das Restblei zu kommen #dirtyjob!

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