Vendée Globe: 14 Monate Rückstand – Ire Enda O’Coineen nach Mastbruch endlich im Ziel

Zäher Ire

Enda O’Coineen startete am 6. November 2016 mit seinem Boot “Kilcullen Voyager” bei der Vendée Globe Les Sables-d’Olonne. Aber der 63-jährige Ire ist erst jetzt nach einem Jahr und 146 Tagen zurück in Frankreich.

Als Pirat verkleidet zurück nach Les Sables – Was der Mann alles so dabei hat… © Le Souffle Du Nord / Projet Imagine

O’Coineen hatte einen Tag nach Neujahr 2017 das Rigg verloren. 180 Meilen südlich von Neuseeland wurde der Ire von einer 35-Knoten-Böe erwischt, der Autopilot hatte eine Fehlfunktion und steuerte in eine Patenthalse. Als er zurück halste war das Backstag nicht genügend gespannt und der Mast brach direkt über dem Deck ab.

Mit dem Schiff von Thomas Ruyant zurück nach Les Sables. © Le Souffle Du Nord / Projet Imagine

Ein niederschmetterndes Erlebnis, denn gerade erst hatte er einen kräftezehrenden Reparaturstopp auf Stewart Island vor Neuseeland erfolgreich ohne Hilfe absolviert. Zwar war er von Platz 10 auf 15 zurückgefallen, aber seinem Schicksal dankbar, dass er weitersegeln durfte. Umso härter war das neuerliche Aus.

Eigentlich kein Wunder, denn dem Vorbesitzer Mike Golding war mit der “Gamesea” schon zweimal das gleiche Missgeschick widerfahren. O’Coineen war offenbar nicht abergläubisch. Aber nun hatte er einen IMOCA ohne Rigg irgendwo im Nirgendwo und noch die halbe Welt vor dem Bug. Schwächer Menschen hätten sich wohl damit abgefunden, dass es diesmal nicht sein soll. Aber so tickt der zähe Ire nicht.

Thomas Ruyant angespült

Dem erfolgreichen Geschäftsmann war es wichtig, das Abenteuer zu beenden und auch noch die andere Hälfte der Weltumsegelung schaffen. Schließlich kam ihm der Umstand entgegen, dass auch Thomas Ruyant nach einer schweren Kollision offenbar mit einem Container im Süden von Neuseeland angespült worden war.

Der Zickzack-Kurs von Enda O’Coineen nach seinem Reparatur-Stupp vor Stewart Island. Ruyant ist dort schon vorher angetrieben.

Das Schiff des Franzosen war nahezu ein Wrack und deutlich schlechter in Schuss, als “Kilcullen Voyager”. Sie ist sogar noch ein halbes Jahr älter. Aber O’Coineen einigte sich mit Ruyants Sponsor Le Souffle du Nord und beschloss eine Verschmelzung der beiden Projekte. Ruyants Schiff wurde repariert, und der Ire segelte es nun zurück nach Frankreich. Der Franzose hatte inzwischen schon wieder die nächste Atlantik-Überquerung absolviert – im Zweihand-Modus mit Boris Herrmann.

O’Coineen hat nun weiter an seiner Legende gebastelt. Er ist der etwas andere Vendée-Globe-Teilnehmer. Er rezitierte Gedichte auf hoher See und verkleidete sich schon beim Ablegen zum Start.

Auch diesmal aktivierte er bei seiner Ankunft in Les Sables d’Olonne tausende Fans. Und er enttäuschte sie nicht – als Pirat verkleidet präsentierte er die obligatorische Ziel-Fackel nachdem er die Strecke von Neuseeland aus seit dem 26. Januar in 66 Tagen absolviert hatte.

Die Franzosen lieben solche Typen. Sie kommen in Scharen. © Le Souffle Du Nord / Projet Imagine

“Es ist unglaublich”, sagt der vom Empfang überwältigte Skipper. “Es ist eine Ehre, nun hier sein zu dürfen und Le Souffle du Nord und Kilcullen Team Ireland zu repräsentieren. Unterstützung, Interesse und Zuspruch waren großartig.”

© Le Souffle Du Nord / Projet Imagine

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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