Volvo Ocean Race: Dramatische Bilder aus der Wasserwüste – Gefährliche Situation für Mapfre

"Manchmal etwas stressig"

Die Volvo Ocean Race Flotte sendet Bilder von den wildesten Bedingungen aus dem brutalsten Seegebiet der Welt. Dabei glänzt besonders ein Team, das schon abgeschrieben war.

Drohnen-Bilder aus dem Southern Ocean von AkzoNobel

AkzoNobel ballert mit zwei Reffs durch den Souther Ocean. © James Blake/Volvo Ocean Race

Das Erfolgsgeheimnis für Mapfre beim Sieg auf Etappe drei, dem ersten Southern Ocean Abschnitt, war ein Halsen-Feuerwerk entlang der virtuellen Eisgrenze. Aber diesmal hat diese Taktik überhaupt nicht hingehauen. Die sechs Halsen in zehn Stunden im Vergleich zur einem Manöver der führenden Konkurrenz haben die Spanier auf den vorletzten Platz zurückgefallen lassen. Sie könnten damit sogar die Gesamtführung verlieren.

Schaden bei Mapfre

Das liegt aber auch daran, dass eine der Halsen bei bis zu 40 Knoten Wind etwas daneben gegangen ist. Jedenfalls hat das Mapfre Team vermeldet, dass es einen Schaden an der Mastspur gegeben hat. Ein solches Problem hat schon für AkzoNobel zu einem letzten Platz bei Etappe drei geführt. Und auch berichtet, dass bei einer Halse einige Latten zu Bruch gingen. Sie mussten getauscht werden. Der Schaden bei Fernandez und Co ist größer, sie äußerten sich aber zuversichtlich, eine erfolgreiche Reparatur bewerkstelligen zu können, und sie haben den Speed der Konkurrenz auch wieder aufgenommen.

Mapfre (weiß) ackert sich durch sechs Halsen, während Brunel (gelb) und das Gros der Kollegen mit einer Halse auskommt.

Brunel hat eine Führung von 31 Meilen herausgesegelt. Dahinter geht es eng zu um Rang zwei.

Bis dahin mussten sie allerdings eine Zeitlang mit dem zweiten Reff segeln, als die Konkurrenz noch mehr Segelfläche setzen konnte. Und auch das hat zum Rückstand geführt. Inzwischen scheint das Problem behoben, aber die Situation in Bezug auf die Gesamtwertung ist gefährlich.

Denn der wichtigste Gegner Dongfeng liegt nahezu gleichauf mit der zweitplazierten Vestas und könnte nach der doppelt zählenden Etappe an Mapfre vorbei ziehen. Aber der Rückstand der Spanier von Rang sechs auf zwei beträgt nur knapp neun Meilen. Da ist das letzte Wort längst noch nicht gesprochen.

An der Spitze behauptet sich Bouwe Bekking auf Brunel, der die nördliche Routenvariante mit einer perfekt getimten Halse veredelte, indem er sich mit einer Linksdrehung des Windes vor das Feld setzte. Der Vorsprung auf Vestas beträgt nun schon 31 Meilen und Brunel hat beste Chancen, sich in etwa drei Tagen den Bonus-Punkt für die Kap-Hoorn-Rundung in führender Position zu holen.

Crew nicht angeleint

“Das ist herrliches Segeln, aber auch manchmal etwas stressig, besonders wenn man halsen muss”, sagt Bekking. “Es bereitet immer Sorgen, dass man ein Segel verlieren könnte oder sich ein Segler verletzt. Die Crew ist im Manöver nicht angeleint, und nachts kann man nicht wirklich sehen, was die nächste Welle macht. Steckt man bei 30 Knoten Speed die Nase rein, oder rutscht man einfach drüber?”

Wild entschlossen. Bouwe Bekking will es diesmal wisseh. © Yann Riou/Volvo Ocean Race

Aber der alte Haudegen ist endlich mal wieder obenauf, nachdem er bei diesem Volvo Ocean Race schon so viele Tiefschläge hat einstecken müssen. In der Gesamtwertung liegt er abgeschlagen auf dem vorletzten Platz, und er muss sich vorwerfen lassen, keine seriöse Vorbereitung für diese Regatta geplant zu haben.

Schon bei der vergangenen Etappe hat sich gezeigt, dass der Speed zurück ist. Das gelbe Boot segelte schnell, aber dann doch in die falsche Richtung. Nun scheint der alte Hase bei Überlebensbedingungen seine ganze Routine auszupielen und auch die jungen America’s Cup-Profis Peter Burling und Kyle Langford mitreißen zu können.

Dongfeng gibt Gas. Die Teams erreichen fast die 40 Knoten Speed-Marke. © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

“Wir hatten schon 40-45 Knoten Wind, was nicht so witzig ist. Dabei befindet man sich im puren Überlebensmodus macht aber trotzdem 22 Knoten im Schnitt und 39 in der Spitze.  Es ist verrückt, aber man weiß, dass die anderen sich auch nicht zurückhalten.  Man wird also langsam müde aber es sind immer noch drei Tage bis zu Kap Hoorn. Dort wird es dann eine Art Neustart geben. Trotzdem wird niemand bremsen. So segeln wir eben.” 

Segeln am Point Nemo

Neben dem Spitzenplatz von Brunel ist die starke Leistung von Turn The Tide bemerkenswert. Das junge Team von Dee Caffari mit fünf Frauen und drei Youngstern an Bord kann bei drei Grad Luft- und vier Grad Wassertemperatur im Bereich vom Point Nemo, dem am weitesten von Land entfernten Punkt der Erde, den Vorteil des zusätzlichen zehnten Crewmitgliedes ausspielen. Auch der Speed ist deutlich mehr auf Augenhöhe mit der Konkurrenz bei Bedingungen, die sie bisher immer an das Ende des Feldes rutschen ließen.

Segel auf die neue Luv-Seite schleppen nach der Halse. © Konrad Frost/Volvo Ocean Race

Arbeit am Grinder auf Scallywag. © Konrad Frost/Volvo Ocean Race

Dort segelt Scallywag mit einem Rückstand von über 200 Meilen, der sich nach einem Schaden am Backstag-Block noch vergrößert hat. Und es sieht nicht so aus, als wenn David Witt mit einem Sahne-Schlag ein drittes Wunder erzwingen könnte.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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