Volvo Ocean Race: Mann über Bord bei Scallywag – Schwierige Suche bei 35 Knoten Wind

"Ernste Sorgen"

Das Team Scallywag hat darüber informiert, dass auf der siebten Etappe beim Volvo Ocean Race ein Mann über Bord gegangen ist. Offenbar ist er noch nicht gerettet worden.

John Fisher (47) ist im Southern Ocean über Bord gegangen. © Scallywag

Die Rennleitung des Volvo Ocean Races hat darüber informiert, dass der Brite John Fisher (47) beim Scallywag Team über Bord gegangen ist. Nahe dem Punkt Nemo, dem am weitesten vom Land entfernteste Punkt der Erde, hat das Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) eine Suchaktion eingeleitet.

Die Position von Scallywag (grau) zum Zeitpunkt des Unglücks deutlich hinter den sechs Spitzenbooten.

Viele Schiffe sind in diesem Gebiet 1400 Meilen westlich von Kap Hoorn nicht unterwegs. Ein Frachter wurde zum Unglücksort umgeleitet. Er befindet sich allerdings 400 Meilen entfernt. Da sich Scallywag im Rennen mit einem Rückstand von mehr als 200 Meilen auf dem letzten Platz befand, können auch die Kollegen nicht helfen. Sie müssten gegen den 35-Knoten-Sturm zurückkreuzen.

Arbeit am Grinder auf Scallywag. © Konrad Frost/Volvo Ocean Race

Der Vorfall geschah um 13:42 Uhr (UTC) und vor Ort herrscht Tageslicht. Allerdings soll sich das Wetter und damit die Sicht in den folgenden Stunden schnell verschlechtern. Die Wassertemperatur beträgt immerhin neun Grad im Vergleich zu den vier Grad, als die Flotte in den vergangenen Tagen noch im vier Grad kalten Wasser näher an der Eisgrenze segelte.

Fisher soll mit einer Überlebensausrüstung ausgestattet sein, aber es ist nicht klar, ob er angepeilt werden kann. Das MRCC äußert in einer ersten Stellungnahme “ernste Sorgen”. Und auf der Team-Seite wird für Fishers Familie und die Scallywag Crew gebetet.

Normalerweise kann ein Mensch im 10 Grad kalten Wasser ohne Schutzkleidung gerade einmal 1,4 Stunden überleben. Mit einem Kälteschutz-Anzug der Leistungsklasse D soll diese Zeit auf 2,5 Stunden ausgedehnt werden können. Viel Zeit bleibt also nicht für eine Rettung.

Fisher während seiner Zeit im 18-Footer-Trapez.

John Fisher gehört zu den erfahrenen Crewmitgliedern von Scallywag. Er stammt zwar aus England und hat seine Segel-Karriere am Solent gestartet, lebt aber schon viele Jahre im australischen Adelaide. Der ehemalige 18-Footer-Segler gehört zur Stammbesatzung des Ragamuffin-Maxi-Teams, das den Kern der Scallywag-Crew bildet. Es ist sein erstes Volvo Ocean Race, aber er hat schon zahlreiche Sydney-Hobarts absolviert.

 

Das Scallywag-Team hatte schon auf der Etappe nach Hong Kong ein Mann-über-Bord-Manöver zu absolvieren, war aber noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Bei den extremen Bedingungen im Southern Ocean ist es ungleich schwieriger, einen Menschen im Wasser zu finden.

Bouwe Bekking beschrieb gestern schon fast etwas lapidar, was bei den brutalen Bedingungen im Southern Ocean jedem normalen Segler das Blut in den Adern gefrieren lässt: “…Die Crew ist im Manöver nicht angeleint, und nachts kann man nicht wirklich sehen, was die nächste Welle macht.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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5 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Mann über Bord bei Scallywag – Schwierige Suche bei 35 Knoten Wind“

  1. avatar bee sagt:

    Jetzt sollte die Rennleitung und die Crews menschliche Größe zeigen und das Rennen bzw. diese Etappe abbrechen bis dieser Mann gerettet ist.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 15

  2. avatar eku sagt:

    Nur auf die schnelle:
    13:42 UTC mob
    18:55 UTC news VO-Website
    8° Wassertemperatur
    30+ kn Wind
    5+ m Wave
    22.00 UTC jetzt – keine weitere Meldung

    Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist iA nahezu 0.
    nach 8h (und die meldung würde sofort rausgehen) ist das extrem unwahrscheinlich, den lebend zu finden.

    Wie gesagt: nur auf die schnelle – der ist weg (zumindest lebend)

    Mich erschüttert ehrlich gesagt die Informationspolitik des VOR und die damit verbundene Einstellung.
    Das ist ebenso dubios wie die Informationspolitik rund um die Kollision vor Honkong, wobei ich da noch davon ausging, dass es sich hauptsächlich um staatlich gelenkte Informationssperren handelte.
    Schon bei den in Aukland dann folgenden Statements der beteiligten Teams kam mir der Verdacht, dass die Informationssperre auch mit den ökonomischen Interessen des VOR zu tun haben könnte (Wie hier gepostet, halte ich das Vorkommnis keineswegs für explizit geklärt bzw mit weiterm Interpretationsspielraum dargestellt).

    Soll def nicht heißen, dass ich mit meiner Einschätzung zu Honkong “recht” habe – darum geht es nicht.

    Mich beschleicht einfach das Gefühl, dass da auf deubel komm raus ein Event gepflegt wird im Interesse der Außendarstellung und Werbewirksamkeit – mit zurückgefahrener “Seemanschaft”
    Weiß, schiied wort und deshalb fehlt auch das 2.n

    Mehr jetzt nicht – sind eh nur erste Gedanken!
    (zur weiteren Korrektur vorzulegen)

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 12

  3. avatar Captnahab sagt:

    Sehe ich wie eku.

    Beim Crash von Vestas auf das Riff gab´s damals Bilder vom Schiff. Beim Crash vor Hongkong nicht, obgleich die Boote vollgestopft mit Kameras sind. Da hätte sich jeder gleich selbst ein etwaiges Bild von der Situation machen können. Wollte man offenbar nicht.

    Warum die Crew im Manöver nicht angeleint ist (s.o.) verstehe ich nicht. Und warum bei einem Millionenbudget kein Geld für PLBs übrig zu sein scheint, verstehe ich noch weniger. Oder taugen die Dinger nix, sodass man den über Bord gegangenen trotz eines solchen Systems nicht wiederfindet. Dann wäre das ja wenigstens eine Erkenntnis, dass man in der Hinsicht sein Geld sparen kann.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 12 Daumen runter 9

  4. avatar Stefan sagt:

    Funktionieren PLBs/AIS bei MOB in 5m Wellen?

    Warum sind die bei den Bedingungen nicht angeleint?

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 6

  5. avatar C sagt:

    Update: die Crew soll angeblich mit PLBs ausgerüstet sein und John Fisher sein komplettes Sicherheitspaket dabei gehabt haben. Warum er dann nicht wiedergefunden wurde ist mir schleierhaft.

    @Stefan:
    Der Mast eines VO65 ist 30 Meter hoch, da sollte ein AIS-Signal über weite Strecke gut zu empfangen sein. Ganz besonders, wenn sich der MOB auch mal zeitigweise auf der Wellenspitze befindet.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 6

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