Feuer an Bord: Ein Paar entkommt knapp in die Rettungsinsel – Skipper mit Verbrennungen

Flammendes Inferno

Es ist der Alptraum, wenn beim Segeln auf Hoher See plötzlich Flammen aus dem Niedergang schlagen. Einem Duo gelang es nur in letzter Sekunde, die brennende Yacht zu verlassen.

Die Fock steht noch back. Flammen schlagen aus dem Niedergang. (Klicken für Video) © mycrewtravel

Es passierte auf dem Weg von Southport bei Brisbane nach Cairns im Norden Australiens. Simone Hill und Larry Jamieson wollten ihre Reichel Pugh 52 „Miss Scarlet“ dem neuen Eigner bringen. Zuvor hatten sie bereits in sieben Tagen die gut 1200 Meilen zur australischen Küste zurückgelegt, nun stand die letzte Etappe an.

Der IRC-Cruiser-Racer, der viele Jahre lang auf den neuseeländischen Regattabahnen im Crew- und Doublehanded-Modus erfolgreich gesegelt wurde, war gut zwei Tage auf See und bewegte sich unter Motor als ein Alarm ertönte, der auf niedrige Batteriespannung hinwies.

„Miss Scarlet“ im Doublehanded-Modus. © RP

Als Jamieson den Grund dafür suchte, schlug ihm weißer Rauch aus dem Navigationsbereich entgegen  Er schaltete schnell den Gashebel in den Leerlauf, sprühte mit einem Feuerlöscher und stellte den Motor ab.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Flammen bereits von oben an Deck zu sehen und Jamieson aktivierte die Rettungsinsel. Simone Hill setzte per UKW einen Mayday-Ruf ab und gab die GPS-Koordinaten durch.

Larry Jamieson und Simone Hill überführten die Yacht. © mycrewtravel

Der Skipper konnte sich nur knapp vor den Flammen retten und erlitt an den Beinen Verbrennungen zweiten Grades. Das Duo stieg in die Rettungsinsel und kappte schnell die Verbindung zum Schiff. Innerhalb von 5 Minuten brannte die ganze Yacht. Kurz darauf versank sie.

Hill aktivierte ihren Personal Locator Beacon (PLB) und setzte weitere Mayday-Rufe ab. Schließlich schickte die Australian Maritime Safety Authority (AMSA) ein Flugzeug aus Cairns und einen Hubschrauber aus Rockhampton. Nach 2,5 Stunden meldete der Hubschrauber über UKW, dass ein Boot unterwegs sei – voraussichtliche Ankunft in einer Stunde.

Als sich die Retter in der Nähe befanden, wurde die Crew in der Rettungsinsel gebeten, eine Fallschirmfackel und dann eine rote Rauchfackel abzuschießen, um in der Dünung besser gefunden zu werden.

Die RP52 wurde in Neuseeland intensiv als Regattayacht genutzt. © Eye Fly

Die Rettung glückte. Hill und Jamieson wurden an Land nach Brisbane gebracht und in einem Krankenhaus behandelt. Später konnten sie nach Sydney fliegen. Außer ihrer Kleidung haben sie kaum etwas von Bord gerettet – Computer, Schlüssel oder Brieftaschen wurden Opfer der Flammen.

Die Gründe für den Ausbruch des Feuers sind bis jetzt nicht geklärt. Der Vorfall erinnert an den dramatischen Unfall von Vendée Globe Skipper Fabrice Amedeo bei der Route du Rhum 2022, als er seinen IMOCA verlor. Dem Franzosen gelang es, im letzten Moment von Bord in die Rettungsinsel zu springen. Von dort aus musste er zusehen, wie seine “Nexans, Art & Fenêtres” in kürzester Zeit abbrennt und untergeht.

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert