Um die Welt gegen den Wind: Guirec Soudée lag beim Ausflug zu den Osterinseln schon 1000 Meilen hinten

Auf Abwegen

In den vergangenen 72 Stunden an Bord des Ultim MACSF war Guirec Soudée nach überstandenem Kap-Hoorn-Sturm weit vom Kurs abgekommen und geriet sogar hinter die Zeit des konkurrierenden Uralt-Monohulls von Jean-Luc Van Den Heede. Aber das scheint ihm nicht so wichtig zu sein.

Guirec Soudée
Guirec Soudée erfüllt sich einen Traum mit dem Besuch der Marquesas. © Soudée

Der Februar begann mit einer Tracker-Spur, die Guirec Soudée auf Abwegen zeigte. Er drohte nach der Kap-Hoorn-Passage vom Weststurm auf die Küste von Chile gedrückt zu werden und steuerte schnellstmöglich exakt nach Norden. Sein Vorsprung auf den alten Rekord betrug mehr als 2000 Meilen, und er muss sich eigentlich keine Gedanken machen, wie er schneller sein könnte als sein Vorgänger im Jahr 2004. Sein Ultim-Trimaran sollte bei allen Bedingungen so gut wie doppelt so schnell sein wie der 85-Fußer Adrien.

Deshalb scheint es Soudée auch nicht besonders eilig zu haben. Anstatt wie damals Van Den Heede mühsam gegen den Wind anzuknüppeln, lässt er sich geradezu genüsslich im Pazifik auf eine deutlich längere Nordroute abtreiben. Das Schöne dabei: Man bekommt etwas zu sehen. So erfüllt er sich nach eigenen Worten einen Traum, indem er sich im Südpazifik die Inselwelt ansieht.

Es sei ihm gegönnt. Schließlich ist es eigentlich die größte Herausforderung, den Trimaran aufrecht wieder nach Hause zu bringen. Das hat mit einem Ultim auf dieser Route gegen den Wind noch niemand einhand geschafft. Da kann ihn auch der vermeintliche Touri-Abstecher vom Wochenende ganz nah an der unbewohnten Insel Eiao der Marquesas vorbei nicht aus der Bahn werfen. Er hat sichtlich Spaß dabei, die Drohne aufsteigen zu lassen.

Bei diesem Abstecher in den Norden hat er inzwischen insgesamt fast 18.000 Seemeilen über Grund absolviert – obwohl es auf der Idealroute nur 8600 gewesen wären. Dabei fiel er zwischenzeitlich sogar mehr als 1000 Meilen hinter die Referenzzeit zurück. Aber seit heute liegt er wieder knapp – mit 16 Meilen – vorne.

Die Position von Guirec Soudée am 5.2.26

Ganz so entspannt kann er es dann aber auch wieder nicht angehen lassen, was die Entscheidung erklärt, nun Australien doch südlich passieren zu wollen. Auch eine Passage im Norden wäre möglich gewesen, um die Regeln einer Weltumsegelung zu erfüllen. Aber dieser Weg wäre am Ende doch zu lang gewesen.

Guirec Soudée
Rigg-Check vor dem Sturm. © Soudée

Aktuell berichtet der Franzose allerdings von extrem instabilen und gefährlichen Bedingungen. Inmitten von schweren Regengüssen und schwarzen Wolkenwänden kämpft er mit Windgeschwindigkeiten, die innerhalb von Sekunden zwischen 0 und 30 Knoten schwanken.

„Das Boot und der Autopilot verstehen die Welt nicht mehr“, so Soudée. Um einen Riggschaden oder ein Kentern zu verhindern, musste er das Vorsegel bergen und navigiert momentan nur unter Großsegel. Besonders tückisch: Der Wind drehte phasenweise um 180 Grad. An den eigentlich geplanten Schlaf vor dem Erreichen eines heraufziehenden Tropensturms ist aktuell nicht zu denken.

Tracker Guirec Soudée

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