Bootsmessen: Leere Hallen unter der Woche. Sind 9 Tage zu lang?

Länge läuft nicht

Mit der Interboot ist die erste Messe der Saison vorbei. Unter den Ausstellern ist eine Diskussion über die Dauer der drei großen Bootsmessen entbrannt.

Mittwoch auf der großen Bühne der Interboot: Der Redner steht vor der riesigen Leinwand, das Mikro in der Hand, hinter ihm laufen sorgfältig ausgewählte Bilder. Ein ganz normaler Vortrag auf einer Bootsmesse. Normal daran auch: Angesichts des Publikums von etwa 3 desinteressierten Besuchern für den Vortragenden ein entwürdigender Auftritt. Etwas später, bei der Modenschau sind die Plätze zwar viel besser besetzt. Aber das sind überwiegend Besucher, die sich dort zum Essen niedergelassen haben und eine Pause brauchen.

Gähnend und leer.

Gähnend und leer. Vortrag auf der Interboot.

In den Gängen herrscht gähnende Leere. Aussteller sitzen gelangweilt an ihren Ständen, frotzeln über den Tag oder wischen auf ihren Smartphones. Ab und zu kommt mal eine Schulklasse vorbei, oder Menschen, die einfach die Zeit auf der Messe totschlagen wollen. Verkäufe oder Angebote sind rar. Jeder Aussteller in der Halle wartet sehnsüchtig aufs Wochenende. Von Montag bis Freitag geht das so.

Früher, als auf den Messen mehrere hunderttausend Besucher in die Hallen strömten, machten neun Tage sicher Sinn. Aber heutzutage, wo Besucherzahlen überall einbrechen, sind die Wochentage zäh. Und sinnlos. Man merkt diesen Tagen an, dass viele Freikartenbesucher kommen. Und die kommen nicht, weil sie Umsätze bringen, sondern weil sie nichts anderes vor haben.

Geht es bald zu Ende?

Schulklassen sind zwar potenzielle Wassersportler, aber gelangweilte Händler und Aussteller und leere Gänge sind keine Werbung für den Sport. So ein Mittwoch hinterlässt beim Besucher den Eindruck, dass es bald zu Ende geht.

Am ersten Wochenende waren laut Messerundschreiben etwa 34.000 Besucher hier. Geht man davon aus, dass am zweiten Wochenende ähnliche Zahlen erreicht werden, kommt man an diesen Tagen auf rund 60-70.000. Und geht man weiter davon aus, dass auch in diesem Jahr etwa 80.000 Besucher gesamt hierher kommen, weiß man, was das für den Rest der Zeit bedeutet. In Hamburg ist das nicht anders. Und sogar in Düsseldorf ziehen sich die Tage wie Kaugummi. Dort werden allerdings noch immer zufriedenstellende Umsätze erzielt.

Nach nahezu jeder Bootsmesse erscheinen Jahr für Jahr Erfolgsmeldungen. Mit Satzbausteinen wie “gute Entwicklung”, “durchweg zufriedene Aussteller”, gute Stimmung”. Auch dieses Jahr las man, dass sich (Zitat) “die Branche auf einem guten Kurs” befindet. Ganz sicher wird auch nach dieser Interboot wieder eine positive Bilanz gezogen. Solche Meldungen bringen nichts. Irgendwie stimmen die auch nicht. Und darauf sollte man reagieren.

Verlängertes Wochenende reicht

In der Ausstellerumfrage der Messe Friedrichshafen wurde auch dieser Punkt angesprochen. Und wie man hört, sehnt sich fast jeder Aussteller nach einer kürzeren Zeit vor Ort. Selbst die Eurobike, die größte Messe in Friedrichshafen, dauert nur ein verlängertes Wochenende. Und dabei ist nur ein Tag auch für Nicht-Fachbesucher vorgesehen. Die Besucherzahl liegt bei über 100.000.

Die Berliner Boat&Fun hat vorgemacht, wie es auch sein kann: Mittwochs ab 18:00 ein Gala Abend mit Bier und Musik. Danach 4 Tage Messe. Vorbei. Das reicht jedem. Mehr braucht niemand. Und die Gesichter werden auch nicht so lang.

Eine Verkürzung der Messedauer hätte schliesslich nur Vorteile: gefüllte Hallen, besser gelaunte Aussteller, niedrigere Kosten und eine wesentlich positivere Außendarstellung der Branche. Zahlen durch Freikarten hochpuschen hilft nicht, außer vielleicht beim Verfassen einer Pressemitteilung.

 

 

 

 

avatar

Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

16 Kommentare zu „Bootsmessen: Leere Hallen unter der Woche. Sind 9 Tage zu lang?“

  1. avatar Piet sagt:

    In Dänemark wird an zwei wochenenden ausgestellt.
    In der Woche dazwischen muss aber wieder abgebaut werden.

    Auch nicht so optimal.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar steehl sagt:

    Aber in Hamburg wird dieses Jahr ja alles anders. Millionen werden kommen, um die Weltpremiere der Bente24 zu sehen. Viel Erfolg!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 28 Daumen runter 9

  3. avatar pjotr sagt:

    und am b/ente stand war der bär auch nicht los? oder doch? oder nur ein bisschen? downgesized? upgeraded? logobraingestormed so mit 7-8 bft? spannend, spannend.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 9 Daumen runter 12

  4. avatar Felix sagt:

    War am Samstagmittag in Friedrichshafen und selbst da war der Messeauflauf noch als angenehm einzustufen. Lag aber wahrscheinlich auch am bombigen Wetter – da geht man lieber raus, anstatt in Messehallen.

    Vmtl. langt ein langes, konzentriertkompaktes Messewochende

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  5. avatar Ballbreaker sagt:

    Auszug Messesaison 2014/15 ohne qualitative Wertung nur Deutschland:

    PaddleExpo – Nürnberg
    Hanseboot – Hamburg
    Boot und Fun – Berlin
    Boot – Düsseldorf
    Beach & Boat – Leipzig
    Boatfit – Bremen
    Magdeboot – Magdeburg
    Boot + Angeln, Wassersport – Rostock
    Berliner Wassersportfest – Berlin
    Hanseboot ancora boat show – Neustadt in Holstein
    Interboot – Friedrichshafen
    Müritzboot – Röbel/Müritz

    Hmm, mal scharf nachdenken, warum könnten die Hallen unter der Woche leer sein?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 0

  6. avatar Alex sagt:

    Wenn man nicht berücksichtigt, dass man sich teilweise fühlte,mehr auf der IBO als auf ner Bootsausstellung zu sein, ich fand´s klasse, weil meine Tochter dir Gänge hoch und runter sausen konnte, glücklich war und ich hatte sie immer im Blick.
    Um mich zu informieren gehe ich schon länger nicht mehr auf die Interboot. Dieses Jahr hat mich eigentlich nur die Aussicht auf ein Freibier bei Digger gelockt. Den habe ich dann nur nicht gefunden.

    Bevor die Interboot völlig unter geht, sollten die Macher tatsächlich mal über eine Verkürzung nachdenken. Möglicherweise wird das dann auch für mehr Aussteller wirtschaftlich interessanter. Aber solange die Ausstellerzahlen, die mit Booten zu tun haben, immer weiter sinken, wird auch die Attraktivität der Ausstellung sinken. Ausstellerzahlen mit Klebe-, Reinigungs- und anderen Wundermittel zu puschen, die eigentlich auf die IBO gehören, wir den Erfolg sicher nicht sichern.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

    • avatar Digger sagt:

      Wo bist Du denn reingegangen? Ich war direkt am Eingang. Und somit auch am Ausgang. Mit Kundenstopper auf dem Gang.

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 2

      • avatar Alex sagt:

        Am Do. gegen 14:00 Haupteingang, Halle 1 (die mit der Sapir, Seascape und den vielen Reiseveranstalter).
        Der Kundenstopper muss da wohl gerade auf der Toilette gewesen sein ;-(

        Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 3

        • avatar Digger sagt:

          Genau gegenüber der Saphire war ich…. Und der Kundenstopper immer ohne Pause im Gang.

          Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 2

          • avatar Alex sagt:

            Sch…, da bin ich quasi über das Freibier und eine, sicher spannende Diskussion gestolpert und hab´s nicht gemerkt.

            Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 1

  7. avatar Sven -P. sagt:

    Wenn ich meinen ausländischen Kollegen erzähle, dass wir zwei oder drei Bootsmessen mit jeweils neun (9!) Tagen Dauer pro Jahr absolvieren, zeigen die mir ohnehin einen Vogel. In Friedrichshafen sind die Wochentage aus meiner Sicht und Erfahrung immer schon komplett sinnlos gewesen. Leider war die Messeleitung nicht bereit, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Es wurde immer wieder kommuniziert, dass die “großen” Aussteller, sprich die Werften, gern neun Tage Messedauer haben möchten. Wir haben vor ein paar Jahren die Konsequenz gezogen und sind aus Friedrichshafen weggeblieben. Unser Umsatz am Bodensee ist dennoch nicht geschrumpft…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  8. avatar Winkelmann sagt:

    Ich war lange Jahre für die TOPCAT Klassenvereinigung und für die Werft auf der Hanseboot. Abgesehen, davon dass die Messeleitung alles falsch macht, was man falsch machen kann, würde ein langes Wochenende ( Do. bis Mo. ) vollkommen ausreichen. In der Woche stehen sich die Standbesetzungen, die Füße in den Bauch. Seit es das Internet gibt, nimmt die Bedeutung der Messen deutlich ab. Es reicht eine große Bootsmesse in Düsseldorf und selbst da ist in einigen Hallen unterhalb der Woche sehr wenig Publikum unterwegs.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  9. avatar Boot Kauf sagt:

    ..ich finde auch das sollte aml diskutiert werden. ansonsten war es eine sehr gelungene veranstaltung.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *