Centomiglia 2012: Libera besiegt “Stravaganza”; Asso99 Erlebnis am Gardasee

Mit Vollgas über den Gardasee

So funktioniert “Stravaganza”

Schmal und schnell. "Stravagnaza" von vorne mit abgesenktem Kiel. © Hans Genthe

Schmal und schnell. “Stravagnaza” von vorne mit abgesenktem Kiel. © Hans Genthe

Das Konzept vom um 180 Grad schwenkbaren Kiel ist so neu nicht. In Australien wurde ein ähnliches Konzept mit der Yacht “Q” des bekannten Hochseeseglers Ian Oatley ( Wild Oats) realisiert. Doch während das Boot aus “Down Unter” bislang nur durch eine spektakuläre Kenterung auffiel, versucht das Team der “Stravaganza” es besser zu machen.

Die Idee ist, durch das hohe aufrichtende Moment bei einem waagrechten Kiel sehr viel Gewicht einsparen zu können. So fährt die Yacht die 1 Tonnen schwere Bombe an einer 4,05 Meter langen Finne. Für reichlich Hebel ist also gesorgt. Weiter schleift der Kiel nicht durchs Wasser, was die Reibung verringert und dadurch eine höhere Geschwindigkeit erlaubt.

Während die “Q” eher einer gewöhnlichen Rennyacht mit Canting-Keel gleicht, ist das Konzept der “Stravaganza” noch extremer. Der Rumpf ist bei einer Länge von 12,70 Meter mit einer Breite von 2,50 Metern erstaunlich schmal. Dadurch wird die benetzte Fläche im Wasser und damit der Widerstand weiter verringert. Damit das Crew-Gewicht nicht auf den den schmalen Rumpf konzentriert bleibt, wurden zusätzlich noch Racks angebracht. Auf diesen kann die Crew ausreiten und das Gewicht noch weiter nach Luv bringen. Das Boot zeigt deutlich Binnen-Racer-Gene.

Bis auf den schwenkbaren Kiel verzichtet das Design auf weiteren Schnickschnack. Die Elektronik ist auf ein Minimum reduziert. Die Crew soll sich aufs Segeln konzentrieren. Wie der Kiel genau funktioniert verrät die Crew nicht. Auch der Designer und Olympia-Segler Jo Richards hält sich bedeckt.

Sicher ist, dass der Kiel über zwei Dyneema-Leinen angesteuert wird, die auf eine Hydraulik laufen. Auffällig ist der Ring vor dem Mast. Da der Kiel fast über die ganze Breite des Rumpfs geschwenkt wird, benötigt dieser einen großen Schacht. Dieser wird durch Platten abgedeckt, die jeweils seitlich an der Kielfinne angebracht sind und bündig mit dem Rumpf abschließen. Die jeweils luvseitige Platte steht bei voll geschwenktem Kiel natürlich nach oben raus und wird daher von dem Ring aufgenommen.

Bei Starkwind auf den Gennaker verzichtet

Nicht nur der Anblick ist gewöhnungsbedürftig. Bei Wende und Halse nimmt der Widerstand natürlich stark zu, sobald der Kiel ins Wasser taucht. Dies stellt den Steuermann wiederum vor die Herausforderung, das Boot dennoch unter Kontrolle zu behalten. Damit die Abstimmung von Kielschwenk und Steuern optimal funktioniert, kümmert sich ein Crewmitglied ausschließlich um das Schwenken des Kiels. Somit sprechen sich Steuermann und Kielschwenker beim Manöver ab.

Und funktioniert das Konzept? Bei der Gorla Anfang September konnte “Stravaganza” auf dem Gardasee bei überwiegend leichten Winden das Feld nach 50 Meilen hinter sich lassen und sogar Katamarane auf die Plätze verweisen.

Bei der Cento zeigt sich, dass die Crew nach wie vor großen Respekt vor Ihrem Spielzeug hat. Bei deutlich mehr Wind hat man dann auch kurzerhand auf den Gennaker verzichtet. Wenn man sich überlegt, was mit dem Boot bei ausgestellten Kiel passieren kann, wenn es aus dem Ruder läuft und in die Sonne schießt, wohl auch eine gute Idee.

7 Kommentare zu „Centomiglia 2012: Libera besiegt “Stravaganza”; Asso99 Erlebnis am Gardasee“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Fällt mir gerade auf: Bei diesem Konzept reduziert sich ja das aufrichtende Moment, je weiter das Boot krängt. Nicht so richtig cool… Außer sie würden den Kiel dynamisch fahren, so dass er immer seitlich ausgestelt bleibt und maximales Moment erzeugt.

    Was den Widerstand angeht, wird das in dem Artikel wohl etwas übertrieben. Im Verhältnis zum Rumpf ist der Anteil der Finne und Bombe klein.

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    • avatar Christian sagt:

      eine gute Mannschaft bekommt es mit etwas Übung hin, ein Boot wie die Stravanza ohne Krängung zu segeln und somit den Widerstand des Rumpfes zu minimieren. Außerdem kommt bei der Stragavanza durch die schmale Breite kaum Formstabilität zum Tragen, da lohnt sich Krängung ohnehin nicht. Aufrecht segeln kann bspw. jedes halbwegs gescheite 49er-Team – mittels Schotarbeit und Segeltrimm. Es ist also nicht nötig, den Kiel permanent der Krängung anzupassen.

      Wenn der Widerstand nur um 2 Prozent verringert wird, wenn der Kiel nicht im Wasser ist, wäre das schon ein Riesenvorteil in hochkompetitiven Feldern. Stellt sich nur die Frage, wieviel das schwierigere Handling von diesem Vorteil wieder auffrisst…

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

  2. avatar tiefenrausch sagt:

    Entschuldigung- jetzt mal ne dumme Frage: wenn der Kiel seitlich aus dem Wasser raus ist, wie kontrolliere ich die Abdrift? Gibt´s da noch ein Schwert/Finne?

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  3. avatar tuppesw sagt:

    “Die Crew der Libera “Clan Grok” konnte ihre Yacht mehr am Limit bewegen als es der “Stravaganze” Crew gelang. Diese segelten Windbedingungen mit bis zu 5 Beaufort vorsichtiger als dies die Woche zuvor bei der schwachwindigen Gorla gescheh. Im Ziel machte sich das mit einem 40 minütigen Rückstand auf die siegreiche “Clan Grog” bemerkbar.”

    Ist aber keine Schande! Auch die M2-Cats haben zwischen Navene und Malcesine großteils den Gennacker wieder geborgen.

    Ihren Vorsprung auf die CLAN DES TEAM, äh CLAN GROK hat die STRAVAGANZA regelmäßig auf der Stark-Wind-Kreuz nach Torbole aufgebaut und nach Süden hin gehalten (30 Min bei der Gorla und 7 Min bei der Cento). Erst im südlichen schwachwindigeren Teil ist die CLAN GROK an der STRAVAGANZA vorbei gezogen.

    Akkus leer oder Bombe mangels Wind nicht ausreichend gelüftet?

    Oder sonst was kaputt gegangen? Zumindest war wieder ein Service im Topp notwendig:
    http://www.gardahd.it/components/com_picsell/gallery/DSC_1305_2.jpg

    Die Wild Lady hätte beste Chancen gehabt!

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