Hafenkino: Kemmlings oranger Familieneimer in Schleswig

Immer diese Nachbarn

Kollege Kemmling ist ein Schreiber. Mir war bisher gänzlich unbekannt, dass er auch fürs Kino taugt. Hafenkino.

VA jung und alt

VA jung und alt

„Da ist ja der Transitstreckenkreuzer!“ Dieser Gedanke kommt mir in den Sinn, nachdem ich den Bericht über LeLiLa gelesen habe und sie danach neben mir in voller Pracht am Steg sehe. Ganz schön lang, die olle Kiste. Und lustig, die beiden Dehlers nebeneinander zu sehen. Mein Plastikeimerchen hat mit Varianta wirklich nicht viel zu tun, wenn man sie mit dem Original so im Vergleich sieht.

Einen Tag später kommen die Kemmlings in gesamter Mannschaftsstärke zum Hafen: „Wir wollen mit den Jungs anlegen üben. Mal sehen, ob sie es hinbekommen und auch mal alleine unterwegs sein könne“, sagt Carsten.

Familienvorbereitung

Familienvorbereitung. Wie die Fock gesetzt wird.

Fein! Ich nähe mir gerade beim Segelmacher Sven ein Kissen, um meine Liegefläche unter Deck zu vergrößern. Da ich nicht nähen kann (was das Endergebnis auch beweist) dauert das Ganze länger und ich habe oben von der Werkstatt aus einen schönen Blick auf den Steg. Und auf die neuen Nachbarn.

Vielleicht kann ich noch was lernen. Denn tags zuvor bin ich vorm Wind ungewollt und ungestoppt mit rund 3 Knoten gegen meinen Steg gesemmelt.

Mastlegen statt anlegen

Zunächst war mir gar nicht bewusst, dass die Varianta 65 gar keine Salinge hat, so wie “LeLiLa”. Auch  Sven findet dieses salinglose Rigg bemerkenswert. Die Sache klärt sich auf, als Carsten schließlich unter Deck zwei ihm bisher völlig unbekannte Metallstangen findet: Eine Varianta 65 hat sehr wohl Salinge.

Mastlegen statt anlegen

Mastlegen statt anlegen

Also wird zunächst der Mast gelegt statt angelegt. Muss man ja auch können. Auch die Jungs. Dummerweise bricht beim Anbringen jedoch eine Saling ab. Aber der erste Familientörn soll nicht ausfallen. “LeLiLa” muss an diesem Tag auch mal ohne Querstreben auskommen.

Mit zwei Bändseln bindet Skipper Carsten die Wanten aneinander und erzeugt so die gewünschte Spannung im Rigg. In diesem Falle bedeutet Masttrimm: „Fall bloss nicht um, egal wie Du stehst.“

Feinstes Hafenkino

Feinstes Hafenkino. Zugucken aus der Segelmacher-Werkstatt.

Diesen Kinoauftakt beobachten wir gemütlich aus der Segelmacherei bei einem halben Hähnchen mit Fritten. Hach, Kino ist was Schönes.

30 Minuten später ist auch mein erbärmliches “Kissen” fertig. Ich probiere es im Boot. Immerhin passt es.

Am Horizont erscheinen die Segel mit dem „VA“ Zeichen drauf. Schnell laufe ich hoch und hole die Kamera. Das Bergen vom Groß  kriege ich noch drauf. Murphy segelt auch mit, denn im Moment des Aufschießers nähert sich das große Ausflugsboot, das eigentlich nicht so oft ablegt.

Murphys Law in Form eines Ausflugsschiffes

Murphys Law. Das Ausflugsschiff kommt in die Quere.

Also drehen die Kemmlings noch eine Runde. Typisch. Scheint an Varianta zu liegen, habe ich auch oft. Zum Glück schnurrt der alte “Honda 100” wie ein Kätzchen. Über die folgenden Anlegemanöver in Wind und Schwell lege ich den Mantel des Schweigens, der Kollegialität und des Familienfriedens.

Erwähnt werden sollte an dieser Stelle aber noch einmal der Motor. Zum einen war mir nicht bewusst, dass Japaner vor so langer Zeit bereits Motoren bauten, zum anderen ist seine Arretierung wohl flöten gegangen. Er klappt beim Aufstoppen immer sehr drollig hoch, was zu allgemeinen Hektik führt, weil man plötzlich drei Hände für den Jockel braucht.

Wischmuster auf Handybildschirmen

Jungs. Typisch.

Die Eltern beim Anlegen, die Jungs am Smartphone.

30 Minuten später: Die Eheleute Kemmling fahren zusammen den Übungsanleger Nummer 4. Und die Jungs? Die lungern bereits unten auf der Holzbank rum, versehen ihre Smartphones mit lustigen Wischmustern und verbreiten ihr Segelabenteuer per Snapchat. Weil sie nun anlegen können? Nein, weil sie „die Jungs“ sind.

Ich freue mich schon aufs Winterlager!

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Digger Hamburg

Kleiner segeln - größer leben. Filmemacher und Autor Stephan Boden verbringt jeden Sommer auf dem Wasser. Früher auf seiner VA18 "Digger" jetzt auf der Bente24, die er selbst initiiert hat. "Auf See habe ich Zeit, das schärft den Blick für Details." Zu seinem Blog geht es hier
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2 Kommentare zu „Hafenkino: Kemmlings oranger Familieneimer in Schleswig“

  1. avatar Ulrich Jäger sagt:

    tolle Story , netter Film , – auch ohne Schnitt – . Du machst den Eindruck, als wärest Du schon im Urlaubsmodus !

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 5

  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Hach ich freue mich auf den Segelsommer, wenn denn jetzt regelmäßig Carsten über Digger schreibt und Digger über die Kemmlings.
    Vielleicht gibts ja auch noch einen Vergleichstest und Regatta VA 18 gegen VA 65.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 33 Daumen runter 2

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