Kajakmaran-Mann: Andreas Gabriel hat nun auch Alicante passiert

5.000 Seemeilen

Der “Ritt” des heutigen Morgens entwickelt sich mit jeder Meile zu einem der härtesten Belastungstests dieser ersten 5.000 Seemeilen. Dem vorderen Mast habe ich Gott sei Dank ein Achterstag verpasst. Er wäre mir gnadenlos weggebrochen. Ich bin alleine hier draußen, die vorherrschende Farbe ist grau an diesem Morgen. Alles wirkt sofort etwas bedrohlicher und ich weiß, dass ich in diesem Moment hier eigentlich nichts zu suchen habe. Ich bin Klamotten technisch wieder zu schlecht vorbereitet und in den ersten Minuten schon durchnässt.

Beim Verlassen der Bucht nimmt mit jedem Meter der Wind, mit giftigen Böen gespickt, zu © A.Gabriel

Wie ein ruhiger Indianer denke ich nach über das, was ich hier mache, während das Boot wie ein wildgewordener Hengst durch die Wellen ballert. “Du willst rund Spanien gehen, Andreas?… Du willst die Biscaya machen, Andreas?… Dann mach das hier heute und bleib ruhig. Das hier müssen wir drauf haben!!!” Ich schätze den Wind auf 9 Bft direkt von meinem Hintern 🙂

In den Böen steckt unwahrscheinlich viel Kraft und der vordere Mast halst nach Herzenslust, weil ich den Bug ständig aus den Wellen holen muß. Der Baum bleibt senkrecht im Achterstag hängen und dennoch geht meine Fahrt nicht unter 8 Knoten.

3 - 2 - 1 und der Wind ist aus und es geht ruhiger in der alten Welle weiter (Red. Das rote und grüne Tau ist das Achterstag des vorderen Opti-Riggs) © A.Gabriel

Mein Herz schlägt nicht schneller und ich habe keine Angst. Respekt ja, aber ich weiß, dass Angst einem Fehler und ungeahnte Folgen beschert. Im Vorbeirauschen sehe ich eine Flosse oder zumindest etwas, dass aussieht wie eine. Sie schlägt auf dem Wasser hin und her, scheint zu winken, ich kann nicht erkennen, was es ist – ich winke zurück.

12 Meilen weiter … Plopp!!! Innerhalb von 15 Minuten: 3-2-1 … Wind aus!!! Puuuhhh, ich stecke meine Hand ins Wasser und bedanke mich für einen Moment ganz still.

Vatertag

Mittwoch der 04.07.2012 – Perello/Spanien

Selbstbildnis mit meinem iPod: Oh mein Gottogott ... ich habe meine Karre nicht geschont, mich aber auch nicht!! © A.Gabriel

Mein Vater ist in der Nähe und wir werden uns heute sehen, mir kommen immer wieder Tränen. Ich freue mich unglaublich darauf.

 

Ich, Andreas Gabriel, stehe vor den Toren des Atlantiks. Ob er Angst hat? Nein! Der Eine weiß, was der Andere kann und gemeinsam werden wir das machen. Jedes Wasser hat seinen Moment und ich werde ihn sehen.
Bis bald …

 

 

 

 

Reiseroute von Andreas Gabriel in 2012 nach der Winterpause © Google Maps - 2012 Google

 

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Andreas Gabriel

... ist Frohnatur, Geschichtenerzähler, Abenteurer und Maurer zugleich. Er brach von Tönning in NORDfriesland Ende April 2011 auf, um mit seinem Kajakmaran Europa zu umrunden. Über Kanäle, Rhein, Main, Donau, ins Schwarze Meer und dann über das Mittelmeer zurück. Alles ohne Geld. Andreas Gabriel erzählt wahre Geschichten, die er unterwegs erlebt, und seine Zuhörer freuen sich, dass er eigentlich ihren Traum lebt. Ihre Unterstützung kommt postwendend. Dass dieses spannende und intensive Reisen funktioniert, hat er schon in den ersten 2 Etappen bewiesen. In der dritten Etappe geht es von Laredo / Nordspanien nach Hause nach Tönning. Seine Webseite lautet www.der-mit-dem-wind-faehrt.de

2 Kommentare zu „Kajakmaran-Mann: Andreas Gabriel hat nun auch Alicante passiert“

  1. avatar ? sagt:

    wie ich mich drauf freue dies zu lesen! ich heb es mir aber für später auf 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

  2. avatar Birdy sagt:

    Könnt ich stundenlang lesen. Mehr davon!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

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