Knarrblog: Der erste Schlag – Dieses Geräusch… herrlich!

Lebenselixier

Diese Corona-Zeit kann ganz schön nerven. Durchhalten ist angesagt. Geduld haben. Wer kann das besser als Segler? Warten – auf Wind oder auf das Abnehmen desselbigen – gehört dazu. Aber Vorfreude alleine reicht auf Dauer nicht aus.

Auf dem Weg zur Leetonne. Herrlich, dieses Plätschern… (Bild klicken für Video) © SegelReporter

Das Schiff steht auf der Straße. Es hätte schon auf der Alster, in Kiel und am Wochenende in Flensburg um die Wette segeln sollen. Stattdessen belegt die J/70 einen Parkplatz, und der lokale Polizist fragt schon mal freundlich nach, was denn damit sei. Die Hecke davor wird immer dichter und höher. Bald kann ich aus der Wohnung wohl nicht mehr erkennen, wie der Wind vereinzelte Blätter durch das verwaiste Cockpit schubst. Die Sonne bleicht die Edding-Trimm-Markierungen auf dem Deck aus. Am Heckkorb haben sich Spinnennetze gebildet.

Die J auf dem Hänger verschwindet immer hinter der Hecke und aus den Gedanken. Die Salinge sind noch zu sehen. © SegelReporter

Es ist eine Sünde, das Schiffchen auf dem Trockenen stehen zu sehen. Eigentlich hätte die Frau jetzt damit für den ursprünglich auf nächste Woche terminierten Helga Cup üben wollen. Und dann wäre auch schon die Titelverteidigung bei der Kieler Woche dran gewesen gefolgt vom Saisonhöhepunkt J/70 Europameisterschaft in Kopenhagen. Schon einen Tag nach dem Öffnen des Meldeverfahrens waren die 160 Plätze vergeben.

Nun also ausharren zuhause. Vielleicht auf die in den September verschobene Kieler Woche hoffen, auf den Start der Segel-Bundesliga-Saison, der noch in den Sternen steht, oder vielleicht die Drachen-Meisterschaft am Wannsee schon Anfang August?

Immerhin planen wir den Charter-Urlaub im Juli. Aber welches Revier lässt die Situation zu? Wir schwanken zwischen Holland und Ostsee. Klappt es überhaupt mit der Charterei? Sind die Beschränkungen dann zu nervig?

Laser Revival?

Da scheint eine Laser-Regatta realistischer. Die Master-Meisterschaft in Greifswald Ende September wäre eine Möglichkeit. Schließlich wurde die parallel stattfindende J/70 IDM in Starnberg schon abgesagt. Wettrennen alleine auf einem Boot sollten Corona-technisch unproblematisch sein.

Das persönliche Laser-Master-Revival liegt zwar schon ein paar Tage zurück, aber eine gewisse Back-to-the-roots-Stimmung passt gerade ziemlich in die Zeit. Umso schöner, als die Mail von Kumpel Michi ins Postfach flattert. Betreff: “Lasertraining”. Er hat sich am Behler See bei Plön eine hübsche private Laser-Flotte zusammengestellt und lädt regelmäßig Trainingspartner ein.

Endlich wieder auf dem Wasser. Per Laser auf dem Behler See bei Plön mit Kumpel Michi (beim Tonnenlegen). © SegelReporter

Schon am Vatertag habe ich mich geärgert, auf die entsprechende Offerte nicht reagiert zu haben. Die Strafe folgte prompt: Bei der Rennradtour nach Kiel jede Menge tollster (Segel-)Gegenwind aus Ost: Kaiserwetter.

Grinsen im Gesicht

Nun aber. Die alte Hängehose aus dem Keller gesucht, Regattaweste, ein Paar Neoprentreter, fertig ist das Laser-Outfit. Shorty-Wetter! Zeitweilig acht Laser kreuzen auf dem kleinen See. Je zwei-Minuten-Start, zweimal Up-and-down und fertig ist das Grinsen im Gesicht. Winddreher spüren, die Querkraft, den Vortrieb – dem Geräusch des Plätschern lauschen, der Bewegung Segeltuchs – echtes Lebenselixier gegen die Corona-Depression. Gut vier Stunden spielen wir auf dem Wasser.

Die kleine Laserflotte beim “Spielen”. © SegelReporter

Die Reflexe sind noch ein wenig eingerostet. Bei der Luvtonnenrundung lasse ich Kumpel Ralf etwas wenig Platz, der hakt mit der Bugspitze bei mir am Travellerblock ein, das Teil macht die Grätsche. Ärgerlich und peinlich. Trotzdem darf ich noch am Stegbier nippen, mit in die Sauna, abkühlen im See. Was für ein perfekter Tag!
Vielleicht ist das ja schon der viel beschworene mögliche Corona-Nebeneffekt: Man freut sich mehr über die einfachen Dinge im Leben. Das Segeln mit einer kleinen Jolle gehört definitiv dazu.

Flatternder Segel. Perfekter Stimmungsaufheller. © SegelReporter

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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