Knarrblog: Gekentert mit Sohnemann beim Club Match Race

Vater-Sohn-Ding

Sohnemann beim Fock-Feintrimm. © Peter Kähl

Sohnemann beim Fock-Feintrimm. © Peter Kähl

Die Jungs sehen eigentlich ganz normal aus, gerade gewachsen, ziemlich sportlich, nur bedingt verhaltensauffällig („Papa, ich hab Pubertät“) und trotzdem ist etwas Gravierendes schief gelaufen. Sie mögen nicht segeln.

Nun, ganz so hart kann man es auch nicht sagen. Sie können es ja. Mit ihren 15 und 13 Jahren haben sie die meisten Sommerurlaube mit den Segel-Eltern auf schwankenden Planken verbracht und jede Menge Meilen gemacht. Sie kamen mit dem Opti zurecht und können sogar den Laser Radial bei ordentlich Wind segeln.

Nur verstehen sie immer noch nicht, was der bekloppte Vater ständig für einen Aufriss um diesen komischen Sport macht. Der Funken ist nicht übergesprungen. Die Faszination des auf-dem-Wasser-seins und des Um-die-Wette-Segelns hat sich nicht erschlossen.

Ist ja nicht wirklich schlimm. Der tolerante Vater ist ja auch stolz, wenn sie in der Fußball-Verbandsliga oder Basketball-Leistungsrunde außer Atem geraten. Drei bis viermal Aktion pro Woche, da bleibt nicht viel Platz. Aber es tut manchmal soooo weh… Besonders wenn wir als gute Eltern anfeuernd neben staubiger Asche oder in stickiger Halle stehen und draußen biegen sich die Bäume, scheint die Sonne… schönstes Segelwetter.

Sei’s drum. Muss ja nicht jeder so beknackt sein, wie Mutter und Vater. Ich will zwar immer noch nicht glauben, dass überhaupt jemand das Segeln blöd finden kann. Ich befürchte, irgendwo den richtigen Zugang verpasst zu haben, aber das soll einmal an anderer Stelle erörtert werden.

“Jo, Digger, Alder…”

Hier geht es jetzt um das NRV Club Match Race vom Wochenende. Es ist mir gelungen, einen der Jungs aufs Boot zu locken. „Männer, habt ihr ein Spiel am Wochenende?“ „Jo Digger, Alder. Fussie wie immer.“ – Der Große findet sich manchmal sehr witzig – „Jemand Lust auf so nen richtig schönen Vater-Sohn-Ausflug.“ Die Jungs zucken misstrauisch zusammen, werden vorsichtig. Irgendwas führt der Alde im Schilde.

„Ich hab drei Basketballspiele, und dann abends in die Eishalle“, sagt der Kleine. „Ooch bitte, einen von euch brauche ich – äh zum Segeln.“ Ich mache auf Tränendrüse. Es stellt sich heraus, dass wir nur Samstag segeln und das Basketballspiel erst um 17 Uhr anfängt. Der Kurze ist an der Angel.

Es gibt zwar noch eine kleine Krise als sich herausstellt, dass der Große erst Sonntag statt Samstag auf dem Fussie-Platz steht. „Dann brauche ich ja gar nicht“, entfährt es dem Vorschoter. Aber Papa müssen dabei so sehr die Gesichtszüge entgleist sein, dass Sohnemann seine versprochene Vater-Sohn-Verabredung auf dem Wasser dann doch nicht zurückzieht.

„Ach komm, wir machen es uns schön. Schaun mal, was wir reißen können, vielleicht noch ein Eis essen zwischendurch…“ „Nimmst du dein iPhone mit?“, fragt der Junge „Hä?“ Es ist wohl sein Rettungsanker, falls es langweilig wird. Wie früher das Schmusetier. Ätzend. „Da gibt’s so eine Fußball-App. Per Bluetooth können wir gegeneinander spielen.“ „Na super. Klar doch.“ Ich hab den Bogen raus. Ha. So ticken diese kleinen Typen…

Super Wetter, Totenflaute

Dabei geht mir schon im Kopf herum, wie wir konkurrenzfähig sein könnten. Laser Bahia bin ich noch nie gesegelt. Vorschoter hat der Junge noch nie gemacht. Wo setze ich ihn am besten hin? Können wir da irgendwie mitspielen?

Immerhin, Samstag ist super Wetter, aber Totenflaute. NRV Sportchef Klaus Lahme hat 12 Teams zusammengetrommelt. Darunter die 49er Cracks Erik Heil/Thomas Plößel, die aufstrebenden 49er FX Frauen Crew Leonie Meyer / Elena Stoffers, ex Starboot-As Michael Koch, Beneteau 25 Champ Niklas Ganssauge, der deutsche Vize Match Race Meister Mitja Meyer und Lahme selber, der wohl beste Laser Bahia Match Racer der Welt. Er gewann das einzige Laser Bahia Match Race der Welt siebenmal in Folge.

Soso, und mir wollte er weismachen, dass alles nur ein großer Spaß ist. „Kannst ruhig den Sohnemann mitbringen“. Er hat sich mit Opti-Champ Tim Stilkenbäumer verstärkt.

Aber es soll nicht ums Siegen gehen. Vater-Sohn-Erlebnis eben. Da ist es wichtig, keinen Stress zu machen, schön cool bleiben, nicht auf den Gedanken eingehen, dass der große Bruder noch im Bett liegen darf. Und bloß nicht auf hoch schließendes Ölzeug drängen. Das schreckt ab und senkt die Stimmung. Deshalb stehen wir ohne Ölzeug vor dem Boot. Der Junge mit lässiger maximal saugender Jogginghose. Die Tanks der Jolle sind pitsche nass vom Frühtau. Das gibt nen nassen Hintern. Wir müssen direkt im ersten Rennen ran. Keine Zeit für ausgefeiltes Klamotten-Upgrade.

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Carsten Kemmling

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6 Kommentare zu „Knarrblog: Gekentert mit Sohnemann beim Club Match Race“

  1. avatar Andreas Ju sagt:

    Herrlich!

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  2. avatar Markus O sagt:

    Schöner Artikel. Danke.
    Wenn es Rezepte/Ideen gibt “den Segel-Funken” weiter zu leiten, bin ich ganz Gehör. Bei mir hat es Eine von Dreien zum Segeln geschafft. Fur die Andere ist 15 Stunden/Woche Turn-training in der Halle, und für den Anderen Bücher und die Couch ansprechender.

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  3. avatar Kala sagt:

    Rezeptideen:
    jede Menge Freiheit: am Freitag mit den Eltern oder mit dem Zug zum See, aufs Fahrrad, um Seine Kumpels zu treffen: Wochenendplanung betreiben…..

    Jede Menge Unabhängigkeit: die Strecken rund um den See, von der Bar zum angesagten Clubhaus oder zur Fischbude auf dem Fahrradlenker des Kumpels, dem Boot und manchmal auch ärgerlicherweise per pedes zu machen, ohne dass Eltern Taxi spielen nachts im Dunkeln….

    Eine Prise seglerische Vielfalt: vom Trapezen im Cat hoch über dem Wasser stehend, chillend mit der clubjolle, englischer Baukunst mit Illumination, die Damen über den See schippern, regattierend von der clubregatta bis zu den worlds, mobofahren, aktive Mitarbeit als SR/WL und als Trainer, manchmal auf einem Dickschiff die große Weite Hollands oder der Ostsee entdecken, ……

    Mehr fällt mir im Moment nicht ein, aber wir können ja versuchen zu sammeln…..

    Ps:Bei uns (drei Generationen: 17 Segler) und vielen anderen Familien am See scheint diese Mischung zu passen, bei uns haben sie in der Woche alle Zeit der Welt, um Fußball, Basketball zu spielen………der See wartet ja nur am Wochenende mit den vielen Abenteuern……

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  4. avatar mika sagt:

    sehr schön…

    mein junge & ich entwickeln gerade parallel-leidenschaften. ich die see, er die berge. also hab ich ihm im sommer in den alpen auf 3000m (der zarte ist acht) die zusage für einen gemeinsamen nachttörn auf der ostsee abgequatscht. vater & sohn auf augenhöhe…

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  5. avatar Heini sagt:

    Es gibt kein Rezept und nichts zu sammeln, auch “Deals” (komm ich da mit / kommst Du hier mit) bringen nichts, entweder der Funke springt über oder nicht.
    Wir (mein Bruder und ich) wurden als Kinder zunächst mit zum Segeln geschleift (man kann die Kleinen ja auch schlecht allein Zuhause lassen ;)), mir hat es von Anfang an gefallen, meinen Bruder hat es nie gepackt. Als mein Bruder älter wurde kam er irgendwann nicht mehr mit, ging anderen Hobbys nach. Ich dagegen habe die ganze Woche sehnsüchtig auf Freitag Abend gewartet, wo es endlich zum Boot ging.
    Warum das so war? Keine Ahnung. Wir hatten die gleichen Bedingungen/Voraussetzungen.
    Die Menschen sind nunmal verschieden.

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  6. avatar Vorschoter,der sagt:

    Hey Carsten,

    Wider mal netter Bericht. Wenn Du die andere Seite der Medaille des Vater – Kind Segeln sehen willst , komme doch mal am Wochenende zu den letzten Helden , wo eine junge aufstrebende 49erFX Seglerin den alternden Daddy in der Vorschot in der Five herumschippern muss .

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