Die Drachen-Kolumne

Neue Segel...segeln nicht von alleine

Maximale Konzentration beim Schlussspurt. © Matthias Reith

Jetzt geht es los! Neue Segel liegen am Steg. Schöne North Tücher sauber gerollt in blauen Säcken. Die zwölf Jahre alten Lappen müssen runter. Sie sträuben sich. Als wüssten sie, dass ihnen im besten Fall ein Taschen-Dasein blüht. Sie mögen auch noch auf ein Weiterleben als Segelbild von Heinke Böhnert hoffen. Das Dasein als Zelt in Haiti dürfte auch zu den besseren Schicksalen gehören. So könnte man als Segel seinem Leben noch einen echten Sinn geben. Alinghi hat gerade diverse Plastiktücher des Mega Kats für den Zeltbau der Erdbebenopfer in Haiti gespendet. Bis zu tausend Unterkünfte sollen daraus entstehen.

Aber unter den Labber-Lappen wird sich auch herumgesprochen haben, dass ein Ende in der Rycycling Tonne oder als Persenning Möwenschiss-Unterlage wesentlich wahrscheinlicher ist. Kein Wunder dass sie sich sträuben, das angestammte Rigg zu verlassen. Schäkel klemmen. Knoten lassen sich nicht öffnen und in die engen Säcke ihrer Nachfolger wollen sie schon gar nicht passen. Es hilft nichts. Kein Dankeschön für die getane Arbeit. Weg damit und nur noch Augen für die schneeweißen, knitterfreien Dakrontücher von North.

Schon das Geräusch beim Öffnen der Segelsäcke verursacht Wohlgefallen. Dieses “Rtschhh” ähnelt ein wenig dem “Krtschhh” beim vorsichtigen, genüsslichen Aufschrauben eines jungfräulichen Nutella-Glases. Es impliziert Vorfreude auf schöne Segelstunden, die häufig einher gehen mit dem Vorhandensein einer gewissen Grundgeschwindigkeit und dem Erreichen sportlicher Zielvorgaben.

Insofern ist die Erwartungshaltung groß, als wir mit den High-Tech-Profilen erstmals an der Mittwochs-Regatta-Startlinie erscheinen. Ich meine ein Raunen zu hören, dass durch die Flotte der 15 Drachen geht. Es kann aber auch das klemmende Backstag gewesen sein. Wir selber kommen kaum aus dem Staunen über den schönen Stand der effizienten Wind-Energie-Verwerter kaum heraus. Und so geht der erste Teil der Flotte vor uns über die Startlinie. Denn selbst neue North Segel finden ihren Weg nicht alleine zur Startlinie.

Aber egal. So weit hinten liegen wir nun auch nicht. Jeden Moment muss der Turbo Boost kommen, der uns am Feld vorbei beschleunigt. Der Wind dreht. Der Spi muss hoch. Damit konnte nun wirklich keiner rechnen. Das Fall klemmt. Dirk zieht und zieht und zieht… Nichts tut sich. Kein Wunder. Die Spi-Hochzieh-Leine ist noch am Mast statt am bunten Segel angeknotet. Letzter Platz an der ersten Tonne.

Auf diesem Niveau setzt sich das Rennen fort. Spibäume fallen ins Wasser, Genuaschoten verhaken sich, Leebackstagen drücken unbemerkt ins Tuch. Die schönen neuen Segel mögen ihr Schicksal verfluchen, an Bord dieser Grotten-Truppe gelandet zu sein. Immerhin macht ein kleiner Schlussspurt Hoffnung auf Besserung. Mal sehen…

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