SR Interview: Hans Spitzauer präsentiert seinen fliegenden Jollie Lago 26

Mehr als eine Schnapsidee

Ein 20er Jollenkreuzer im Foiling-Modus. Wie kann so etwas funktionieren? Konstrukteur Hans Spitzauer zeigt und erklärt das ungewöhnliche Projekt. Taugt es für den Normalo-Betrieb?

Lago 26, Foiling

Die Lago26 aus der Drohnen-Ansicht mit dem ausladenden DSS-Foil auf dem Balaton. © Jóka Gémesi

Wie weit ist das Segeln auf Tragflächen noch entfernt vom normalen Segler? Die fliegenden Motten haben relativ wenig mit dem zu tun, was in der Standard-Segelschule gelehrt wird. Aber wenn sich jetzt schon ein Jollenkreuzer aus dem Wasser hebt, stellt auch der konservativste Segler fest, dass sich der Technik-Fortschritt immer näher der Basis annähert.

Die Lago 26 ist auch ohne Tragflächen schnell unterwegs. Die Rumpfform basiert auf einem etwas verlängerten 20er Jollenkreuzer-Design von Juliane Hempel. Bei leichtem Wind hilft allein schon das geringe Gewicht. Schließlich muss kein schwerer Kielballast spazieren gefahren werden. Das Schwert reicht für die Stabilität aus.

Lago 26, Foiling

Die geschwungene Tragfläche, die in Lee für Auftrieb und aufrichtendes Moment sorgt. © Jóka Gémesi

Die Foil-Version segelt dann mit hochgezogenen Flügeln. Damit fällt der Bremseffekt der Unterwasser-Profile weg, der anderen Foilern bei leichtem Wind zu schaffen macht. Sobald der Wind zunimmt wird die Lee-Tragfläche abgesenkt. Sie sorgt für Auftrieb im Wasser und ein erhöhtes aufrichtenes Moment, auch wenn das Schiff noch nicht abhebt. Besonders am Wind kann sich dadurch eine große Kraft entwickeln und für den Vortrieb genutzt werden. Der Druck im hohen und großflächigen Segelprofil muss nicht abgelassen werden, um weiterhin aufrecht segeln zu können.

Lago 26, Foiling

Hans Spitzerauer, Designer und Spitzensegler. © Jóka Gémesi

Aus dem Wasser hebt sich das Schiff dann ab acht Knoten Wind auf einem Raumschotskurs unter dem großen Code Zero. Durch den verringerten Widerstand beschleunigt das Schiff dann auf einen Speed von 16 Knoten.

Die Bedingungen bei den ersten Tests am Balaton waren noch nicht perfekt. Aber das Potenzial ist erkennbar. Und Spitzauer glaubt, dass seine Lago26 bei den großen Langstreckenregatten auf den südlichen Binnenseen gut abschneiden kann.

Am Anfang mag es eine Schnapsidee gewesen sein, die beim Swan World Cup in Porto Cervo zusammen mit Dieter Schneider entstand, der mit seiner Firma Candidate die österreichischen Youth America’s Cup Ambitionen untstützte und auch dem aktuellen Olympia-Kader hilft. Aber daraus ist nun deutlich mehr geworden.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „SR Interview: Hans Spitzauer präsentiert seinen fliegenden Jollie Lago 26“

  1. avatar Müller sagt:

    Hallo Segelreporter,
    morgen gewinnt voraussichtlich Van Den Heede das Golden Globe Race. Und hier gibts ferngesteuerte Rettungsringe, maritime Katzenvideos und einen foilenden Jollenkreuzer bei dem ich noch keinen einzigen shot unter dem Rumpf hindurch gesehen habe. Der Blick auf die Seite der Konkurrenz sagt mir, dass es sogar echte Foiler-Neuigkeiten auf der Boot gab. Was ist denn wieder, das war echt mal anders rum.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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