Ausrüstung: Diese Gegenstände nehmen wir auf fast jeden Törn mit

Meine Ausrüstung

Was nehmen wir eigentlich immer mit auf einen Törn? SegelReporter Kai Köckeritz hat zusammengetragen, was bei ihm nicht fehlen darf.

Was nehme ich eigentlich mit auf Törn? Diese Frage beschäftigte mich vor ein paar Wochen. Im Laufe der Jahre haben sich doch mit Sicherheit einige Ausrüstungsgegenstände herauskristallisiert, die immer im Gepäck sind? Also habe ich begonnen aufzuschreiben, was ich so einpacke, wenn es zum Segeln geht. Sei es beruflich oder privat. Da ich in den letzten 15 Jahren regelmäßig Packlisten geschrieben habe, ging ich außerdem noch meine Notizen aus der Vergangenheit durch.

Auf der Liste stünden natürlich auch alltägliche Dinge wie Zahnbürste, Duschgel, Rasierzeug, Sonnencreme und vieles mehr. Aber ich habe sie hier nicht aufgeführt, da sie obligatorisch sind. Auch beim Ölzeug zögerte ich. Für einen Sommertörn im Mittelmeer packe ich in der Regel nur eine leichte Jacke mit ein, bei einem Herbsttörn in Nordeuropa eher die komplette Montur, aber selbst da differenziere ich. Muss es das Offshore-Set sein oder reicht das leichtere Set aus? Seestiefel stopfe ich an Nord- und Ostsee in die Tasche, aber lasse sie daheim, wenn es in den Süden geht. Was am Ende auf diesen Seiten gelandet ist, sind wirklich die Gegenstände, die ich (fast) immer im Gepäck habe. Und sie sind weit weniger nautisch, als ich zu Beginn angenommen habe. Vielmehr verbindet mich eine persönliche Geschichte mit ihnen.

1 Notizbuch

Notizbücher begleiten mich seit vielen Jahren auf meinem Segeltörns. In den Büchern notiere ich alles Mögliche: Einkaufslisten, Rezepte, Entfernungen, Kurse, Tiden und manchmal auch so profane Dinge wie den Code für das Toilettenhaus. Hinzu kommen Anmerkungen zu den besuchten Häfen oder den Eigenheiten des Revieres. Die Notizen kann ich später auch für Revierbeschreibungen hier im Heft zu Rate ziehen. Unterwegs auf eigenem Kiel führe ich noch ein normales Logbuch, aber bei Törns auf anderen Schiffen, landen die nautischen Angaben ebenfalls in meinem Notizbuch. Ein persönliches Logbuch, um die Erinnerungen zu konservieren.

Früher füllte ich die kleinen schwarzen Notizbücher, allerdings überstanden sie den Bordalltag nicht so gut. Der Rücken löste sich und das Gummiband baumelte irgendwann nur noch lose hinab. Seit knapp vier Jahren begleitet mich jetzt dieses Notizbuch. In den Umschlag aus dickem Leder lassen sich gebundene Seiten einheften, die sich austauschen lassen, wenn sie vollgeschrieben sind. Die Gummibänder lassen sich ebenso wechseln. Mit der Zeit bekam das Leder eine schöne Patina, die geradezu nach Abenteuer schreit. So freue ich mich jedes Mal, wenn ich das kleine Büchlein aufschlagen darf.  Als Schreibwerkzeug dient übrigens in der Regel ein Füllfederhalter oder ein Druckbleistift, da ich das Schriftbild eines Kugelschreibers nicht ansehen kann.

Bei meinem Notizbuch handelt es sich um das Midori Traveler’s Notebook.

2 Taschenmesser

Wahrscheinlich habe ich keinen Gegenstand öfters an Bord eingesetzt, als dieses Taschenmesser. Seit bald 15 Jahren begleitet mich das französische Taschenmesser mit Buchenholzgriff und Kohlenstoffstahl auf meinen Reisen. Auf zahlreichen Törns in Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und über den Atlantik bis in die Karibik verrichtete es seinen Dienst. Sei es zum Kochen, für Takelarbeiten, zum Ausnehmen von Fischen oder einfach nur zum Brötchenschmieren. Zusammengeklappt lässt sich auch ein Bier zuverlässig öffnen. Bei Weinflaschen muss es passen, aber die Franzosen haben selbstverständlich auch eine Version mit Korkenzieher im Angebot. Immer mal wieder habe ich auch zu einem anderen Messer gegriffen, aber letztendlich läuft es immer auf diesen abgegriffenen Wegbegleiter hinaus. Kohlenstoffstahl als Klingenmaterial ist an Bord mit Sicherheit ungewöhnlich, denn es bedeutet, dass das Messer rosten kann. Das ist in den letzten 15 Jahren allerdings nicht vorgekommen. Viel mehr hat sich durch das Schneiden von säurehaltigen Lebensmitteln eine Art schützende Patina gebildet. Außerdem öle ich die Klinge regelmäßig. Der Vorteil des rostenden Stahls liegt in seiner einfachen Schärfbarkeit. Ich ziehe die Schneide kurz über einen Ledergürtel und schon ist sie wieder scharf. Zur Not kann ich das Messer auch auf der Unterseite eines Tellers schärfen. Richtig geschärft wird in der Regel daheim.

Ich nutze hier übrigens ein Opinel Carbon No9*. Das geläufigste ist wahrscheinlich das 8er, aber ich komme mit der etwas größeren Klinge des 9er besser zurecht. Ein Opinel-Messer ist nicht teuer. Teilweise bekommt man das No9 schon für unter zehn Euro.

3 Sonnenbrille

Damit ich nicht den ganzen Tag wie Clint Eastwood in den alten Leone-Western mit zusammengekniffenen Augen herumlaufen muss, trage ich auf See eigentlich immer eine Sonnenbrille. Und wenn ich sie nicht trage, pocht irgendwann der Schädel. Und wäre das noch nicht genug, reagieren meine Augen empfindlich auf Wind. Gerade wenn der Wind etwas kälter ist, beginnen meine Augen sofort an zu tränen. Ich trage die Sonnenbrille also auch, wenn die Sonne gar nicht scheint – zumindest oft. Da mein Kopf recht schmal geraten ist, ist die Auswahl an Sonnenbrillen recht eingeschränkt. Denn sie muss die Seiten auch abdecken und darf nicht überstehen. Nach langem Suchen deckte sich diese Sonnenbrille am besten mit meinem Anforderungsprofil. Sie umschließt mein Gesicht, ein kleines Schaumstoffprofil am oberen Rand lässt keinen Windzug hinein und mit den Bügeln kann ich die Neigung des Brillenglases einstellen. Falls ich die Brille verlieren sollte, wird die Suche erneut starten, denn sie wird nicht mehr hergestellt. Wenn ich die Brille trage, sehe ich übrigens aus wie der letzte Depp. Daher besitze ich noch eine sozialverträglichere Brille, die allerdings nicht so gut vor dem Wind schützt.
Beide Sonnenbrillen besitzen polarisierte Gläser. Eine Eigenschaft, die ich auf See nicht mehr missen möchte. Meine Augen sind nicht nur entspannter, weil die Lichtreflexionen des Wassers nicht mehr durchgelassen werden, die Gläser vereinfachen in flachem Wasser auch die Navigation. Gerade im Mittelmeer eine wichtige optische Hilfe bei der Ansteuerung des Ankerplatzes!

Diese Sonnenbrille von Adidas wird leider nicht mehr hergestellt.

4 Schirmmütze

Mit lichter werdendem Haupthaar gesegnet, muss ich auf See meinen Kopf vor Sonnenbrand schützen. Um eine Mütze komme ich während des Segelns also nicht wirklich herum. Diese Mütze begleitet mich jetzt schon seit sieben Jahren – deutlich länger als jede andere Kopfbedeckung. Es ist wahrscheinlich auch die einzige Schirmmütze, die ich in einem Shop gekauft und nicht als Werbegeschenk irgendwo aufgegabelt habe. Entsprechend fassungslos reagierte mein Umfeld, als die Mütze für harte Währung über den Ladentisch ging. Aber sie war und ist es wert. Bei dem Material handelt es sich um dickes Canvas, der Schirm ist schön gebogen, sodass er mein schmales Gesicht gut einfasst. Der Einstellriemen ist aus Leder und der Verschluss sitzt bombenfest. Bei anderen Mützen habe ich oft das Problem, dass sich der Verschluss öffnet, wenn ich auch nur kurz die Stirn runzele. Und dann reicht schon der leichteste Windstoß und die Mütze ward nicht mehr gesehen – und wer denkt schon an das kleine Bändsel zum Befestigen? Das ist bei dieser Mütze eingenäht, sodass ich es zwangsweise befestigen muss. Wahrscheinlich ein Grund, wieso sich die Mütze noch immer in meinem Besitz befindet. Und falls die Werbegeschenkmützen den Törn überstanden habe, entsorgt man sie am liebsten am ausgestreckten Arm, denn schön sehen sie dann nicht mehr aus. Meine Mütze kann ich waschen. Selbst der Schirm hält es aus. Wahrscheinlich der nachhaltigste Verschleißgegenstand, den ich mir jemals gekauft habe.

Die Mütze schützt mich nicht nur vor der Sonne, sondern auch vor Regen. Bei einem leichten Regenschauer reicht die Mütze aus, um trocken zu bleiben. Wird dann doch die Kapuze des Ölzeugs aufgesetzt, bringt die Schirmmütze die nette Eigenschaft mit, dass sie die Kapuze daran hindert, zu tief in die Stirn zu rutschen.

Hier handelt es sich um eine Schirmmütze von Musto, die ähnlich noch erhältlich ist.

5 Kopfhörer

Seit meiner Kindheit befanden sich in irgendeiner Form Kopfhörer in meinem Gepäck, wenn es zum Segeln ging. Ich hörte Hörspielkassetten mit meinem Walkman, irgendwann Tapes mit aus dem Radio aufgenommen Songs – oh weh, wie alt ich mich beim Tippen dieser Zeilen fühle! Irgendwann ersetzte die CD die Kassette, und die MP3-Datei die CD. Heute habe ich über Audiostreamingdienste beinahe unbegrenzten Zugriff auf Musik – und natürlich auf unseren Podcast. Die Kopfhörer erlauben es mir dann, mich zurückzuziehen, vom Bordalltag abzuschalten oder die Stimmung zu heben. Musikgeschmack ist individuell. Und damit die Crew an Bord nicht genervt ist, ist es immer besser, zu den Kopfhörern zu greifen. Es sei denn, es ist anders gewünscht.
Außerdem habe ich mir angewöhnt, eintönige Nachtwachen mit fesselnden Hörbüchern zu bewältigen. Lesen scheidet auf Wache aus, also gibt es was auf die Ohren. Und es muss spannend und nicht ermüdend sein. Der Hörbuchmarkt hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Gekürzte Lesefassungen werden immer seltener, die Sprecher immer besser. Da fiebert man selbst der langweiligsten Hundewache entgegen!
An Kopfhörern habe ich selber schon einiges ausprobiert. Früher immer kabelgebunden, dann kamen irgendwann günstige, kabellose Over-Ear-Kopfhörer. Das war schon etwas benutzerfreundlicher, da das elendige Kabelentwirren entfiel – zudem besaßen die Smartphones irgendwann keine Klinkeneingänge mehr. Dann griff ich irgendwann tief ins Portemonnaie und erwarb etwas, das ich zuvor eigentlich kategorisch ausgeschlossen habe: kabellose In-Ear-Kopfhörer in einem schicken weißen Ladecase (Apple Airpods). Klein, handlich, hervorragende Audioqualität und stets zur Hand.

6 Rettungsweste

Wohl einer der rationellsten Gegenstände, die ich mit an Bord nehme: meine eigene Rettungsweste. Ich verbinde keine persönliche Geschichte mit ihr, keine sentimentalen Erinnerungen. Sie soll nur einen Zweck erfüllen: mich am Leben halten, wenn es richtig blöd läuft. Allerdings führte der Weg zu der Entscheidung, wenn möglich immer die eigene Weste mitzunehmen, durch so manches Tal. Nach der obligatorischen Feststoffweste, die ich als kleiner Bub tragen musste, ging es mit Automatikwesten weiter. Der Tragekomfort tendierte hingegen zu Null. Eigentlich konnte ich sie nur mit Ölzeug tragen, da der Kragen der Weste sonst im Nacken scheuerte, bis es wehtat. Westen mit Fleecekragen brachten da schon Erleichterung. Aber richtig komfortabel wurde es erst mit den modernen Westen, die das Gewicht wie eine Art Trageschirr bei einem Rucksack besser verteilen. Da spüre ich selbst das Gewicht einer 275-Newton-Weste kaum. Da mir auf anderen Schiffen schon Westen mit leeren oder fehlenden CO2-Patronen in die Hand gedrückt wurden, nehme ich seit einiger Zeit immer eine Weste mit an Bord. Die Weste ist auf mich eingestellt, ich kann mich auf sie verlassen und ich bringe Schiffseigner nicht in Verlegenheit, wenn sie aus einer Backskiste eine Weste aus den 1970ern kramen müssen.

Ich trage seit einiger Zeit eine Secumar Survival 275 Newton. In den Jahren zuvor eine Weste von Kadematic.

7 Mini-Werkzeugsatz

Ursprünglich nahm ich früher immer noch ein Multitool mit auf den Törn. Gerade auf Charterschiffen bestand das Bordwerkzeug oft nur aus einigen wenigen verrosteten Schraubendrehern. Auch auf fremden Eignerschiffen konnte ich mir nie sicher sein, was sich an Bord befindet. Also kam das Multitool als gelungener Kompromiss aus Handlichkeit und Vielseitigkeit stets mit. An die Grenzen kam das Multitool erst bei Schraubenmuttern. Mit der Zange konnte man noch irgendwie frickeln, aber optimal war es nicht. Bei Inbus und Torx war es dann schlussendlich vorbei. Durch Zufall stieß ich dann auf diesen kleinen Werkzeugsatz, als ich eigentlich nach handlichem Werkzeug für Reparaturen auf Radtouren suchte. An Bord befinden sich ein großes Sortiment an Bits, ein Steckschlüsselsatz mit einer kleinen Ratsche und einem Schraubendrehergriff. Das Arbeiten mit diesem Satz ist nicht nur präziser, sondern auch ergonomischer als mit dem Multitool – und dabei ist der Satz gar nicht wesentlich größer. Die einzelnen Werkzeuge sind sogar kleiner als das Multitool, sodass ich jetzt an jede noch so versteckte Schraube an Bord komme.

Bei diesem Werkzeugsatz handelt es sich um den Tool Check Plus von Wera.

8 Taschenlampe

Früher hatten wir an Bord eine riesige Taschenlampe, befeuert mit einer Phalanx aus D-Batterien (die ganz dicken Brummer). Damit wir während des Segelns von dem Trumm nicht erschlagen wurden, lag die Lampe verstaut in einer Backskiste. Sie hatte für zehn Minuten auch eine recht beeindruckende Leuchtkraft, strahlte dann aber ein eher funzeliges Licht aus. Das Problem: Wenn irgendein Bereich (Motorraum, Backskisten…) unter Deck ausgeleuchtet werden musste, kramten wir den Totschläger hervor. Ich hegte eine große Antipathie gegenüber dieser Lampe, denn der Aufwand war für das bisschen Licht zu groß. Glücklicherweise traten LED-Taschenlampen ihren Siegeszug an. Vor zehn Jahren erwarb ich diese kleine Stabtaschenlampe. Nur etwas größer als meine Handfläche stellte sie so ziemlich alles in den Schatten, was ich an Leuchtkraft jemals an Bord hatte. In den letzten Jahren hat sie sich als fleißiges Arbeitstier erwiesen, das sich nie beschwert. Das Gehäuse aus Aluminium ist nicht nur robust, sondern auch wasserdicht. Ich kann die Lampe draußen im Cockpit liegen lassen, ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass sie Schaden nimmt. Wenn sie nach einer kabbeligen Nacht auf See mit einer Salzkruste überzogen ist, wasch ich sie kurz unter dem Wasserhahn ab. Der austauschbare Lithium-Ionen-Akku hält locker eine Saison. Das liegt auch daran, dass ich selten die gesamte Power der LED gebraucht habe. Stattdessen nutze ich sie fast ausschließlich in den beiden untersten Leuchtstufen (3 Lumen und 80 Lumen). Maximal brennt sie mit 360 Lumen einen Lichtkegel in die Dunkelheit. Die volle Leuchtkraft nutze ich aber nur, um Tonnen bei einer Hafeneinfahrt anzustrahlen, oder um das Großsegel kurz anzustrahlen, um nachts auf mich aufmerksam zu machen. Für das Anstrahlen des Verklickers oder der Windfäden reichen die 80 Lumen der zweiten Stufe hingegen vollkommen aus. Auf dem eigenen Boot befindet sich mittlerweile eine etwas stärkere Lampe, die kleine kommt dennoch mit ins Gepäck.

Ich nutze hier die Fenix PD31, die es in der dieser Ausstattung nicht mehr gibt. 

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Kai Köckeritz

Leidenschaftlicher Fahrtensegler und war lange Jahre Chefredakteur des Magazins segeln. Er ist viel in Holland unterwegs, aber auch in den Revieren des Südens. Lange Schläge sind eher seins als kurze Up&Downs auf der Regattabahn.

2 Kommentare zu „Ausrüstung: Diese Gegenstände nehmen wir auf fast jeden Törn mit“

  1. avatar PL_joern.henrichs sagt:

    Die Mütze hab ich auch – die ist top! Und mit der Sonnenbrille geht es mir genauso. Diesen Sommer bin ich vom Boot extra nochmal für einen Tag nach Hause gefahren, weil ich sie vergessen habe. Ohne ging nicht. Bei der Toolbox fehlen mir noch ein paar Maulschlüssel. Aber Wera ist gut!

  2. avatar Dirk sagt:

    Das allerwichtigste fehlt: Klopapier

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