Revier: Der Plöner See – Naturidyll mitten in Schleswig-Holstein

Den Alltag hinter sich lassen

Der größte See Schleswig-Holsteins liegt rund 80 Kilometer nordöstlich von Hamburg und ist allein schon wegen seiner wunderschönen Hügellandschaft eine Reise wert. Doch auch auf dem Wasser ist einiges los, während in der Luft der Seeadler seine Bahnen zieht.

© Silke Springer

Der Große Plöner See hat die Form von Afrika. Segelt man in Kapstadt alias Stadtbek los, landet man nach gut einer Stunde in Plön, oder, um beim Vergleich mit Afrika zu bleiben, in Tripolis. Acht Kilometer sind es bis dorthin. Acht Kilometer, in denen man immer stur nach Norden segelt, mit Blick aufs leuchtend weiße Schloss. In aller Regel kommt man flott voran, denn im nördlichsten Bundesland weht der Wind meist aus Westen und sinkt selten unter die Drei-Windstärken-Marke. Um den See einmal der Länge nach abzusegeln, ist man daher raumschots unterwegs, hin und zurück. In den Sommermonaten allerdings, wenn das Azorenhoch tatsächlich einmal bis in den äußersten Norden Deutschlands vordringt und landesweite Flaute herrscht, muss man kreuzen. Dann macht sich der See seinen eigenen Wind.

Dieses Phänomen geht auf die Ursprungsgeschichte des Sees zurück. Er entstand in der letzten Eiszeit und liegt eingebettet in Endmoränen, die nach dem Abschmelzen der Gletscherzunge übriggeblieben sind. Die Hügel, die sich nach Süden hin etwas höher auftürmen, werden zum Thermikmotor, vor allem, wenn der Raps blüht oder der Weizen kurz vor der Ernte steht. Im Laufe des Tages entwickelt sich dann ein sehr konstanter, manchmal sogar kräftiger Nordwind.

Doch dieses Wetterphänomen ist als willkommene Ausnahme und nicht als Regel zu verstehen. Liebhaber von Kreuzkursen oder Vorm-Wind-Gängen suchen normalerweise Ziele rechts und links des Runways. Begriffe wie rechts und links statt steuerbord und backbord sind keineswegs verpönt, hier wird auch in Kilometern gedacht und gesegelt und nicht in Seemeilen. Der Einfachheit halber verzichtet man sogar auf den Namenszusatz Großer, denn der Kleine Plöner See, der nördlich vom Großen liegt, ist keine ernstzunehmende Alternative für Speed liebende Segler.

Segeln gehört zum Bild des Plöner Sees dazu © Silke Springer

Die Längsachse

Unser Kurs führt zunächst vorbei an der Freizeitstätte des Deutschen Jugendverbands DJO, wo gerade eine Gruppe Jugendlicher zu Manöver-Übungen ausschwärmt. Hier heißt es: Obacht geben, um möglichst schnell reagieren zu können, falls eines der Jugend-Boote außer Kontrolle gerät. Linkerhand passieren wir den Campingplatz Pehmer-Hörn, der inzwischen in dritter Generation von der Familie Brüne geführt wird und versteckt hinter knorrigen Erlen liegt.

Nach etwa einem Kilometer erreichen wir die langgezogene Bucht von Bosau. Deren Strand wird nicht nur zum Baden genutzt, sondern auch zum Auftakeln von Hobies, Lasern und vergleichbaren Gleitjollen. In der Regel wissen ihre Kapitäne sehr genau, was sie tun und weichen, wenn nötig, vorschriftsmäßig aus. Zeit, zu entspannen und die Landschaft auf sich wirken zu lassen. Sie ist lieblich und gleichzeitig abwechslungsreich, bietet mal Wald, mal Villengrundstücke, die bis ans Wasser reichen, mal Felder und Pferdewiesen, dann wieder dichte Schilflandschaften.

Die Stadt Plön gab dem See seinen Namen © Silke Springer

Am rechten Seeufer, also auf der Bosauer Seite, tut sich nach wenigen Minuten ein erstes attraktives Ausflugsziel auf: Der Bischofssee, den man über eine lange, gut ausgetonnte Einfahrt erreicht und an dessen Ende ein Anleger zum kurzzeitigen Festmachen einlädt. Gemütliche Cafés und Restaurants finden sich im Ort, der den Binnensee umschließt.

An die Fahrrinne sollte man sich tunlichst halten, andernfalls läuft man gnadenlos auf. Wie alle Seen Schleswig-Holsteins ist auch der Plöner See an seinen Uferzonen flach – und mancherorts mit dicken Steinbrocken durchsetzt. Die dicksten von ihnen und die, die nicht in unmittelbarer Ufernähe liegen, sind mit Stöcken markiert oder mit Untiefen-Tonnen. Manche Stolperstellen muss man aber einfach kennen oder aus der Seekarte ablesen. Die Interessengemeinschaft Wassersport Großer-Plöner-See hat eine Karte erstellt, in der die relevanten Flachwasserzonen und Steinansammlungen eingezeichnet sind. Man erhält sie bei der Tourist Info Plön gegen eine Schutzgebühr von einem Euro.

Sogar kleine Sandstrände für Strandkats bietet der Plöner See © Silke Springer

Die vielen flachen Uferbereiche sind der Grund dafür, dass fast ausschließlich mit Schwertbooten gesegelt wird. Zwar sieht man auch Kielschiffe, doch sie sind deutlich in der Minderheit, denn mit ihnen lassen sich weder die seichten Ufer erkunden noch die meisten Häfen beziehungsweise Campingplätze nutzen. An der tiefsten Stelle ist der Plöner See allerdings 60 Meter tief, was für schleswig-holsteinische Verhältnisse enorm ist und dafür sorgt, dass das Wasser auch im Hochsommer Badequalität behält – trotz der vielen gut gedüngten Äcker.

Ein weiterer Grund für das klare Wasser ist der Naturpark auf der linken Seite des Sees. Im Schutze des Nehmtener Forsts findet sogar der seltene Seeadler Ruhe genug, um seine Jungen aufziehen. Der Wald reicht bis nach Godau. Am gleichnamigen Campingplatz lockt ein kleiner Kiosk zu einem weiteren Zwischenstopp. Liegeplätze gibt es genug. Wer Zeit hat, sollte das Eis mit einem Spaziergang auf der Steilküste von Sepel verbinden.

Wenn die Bäume wieder Laub tragen, ergibt sich ein traumhafter Blick © Silke Springer

Die Querachse

Hier, wo der breite Kopf von Afrika beginnt, dehnt sich das Naturschutzgebiet fast bis zur Prinzeninsel aus. Gut sichtbar weisen gelbe Tonnen auf die No-Go-Area hin. Zwischen den kleinen, vorgelagerten Inseln, die zum Naturpark gehören und typisch Norddeutsch Warder genannt werden, gibt es eine sehr schmale, sehr flache Passage in den Ascheberger Teil hinein. Sicherer, weil tiefer und nicht ganz so schmal, ist die Einfahrt von der Bosauer Seite aus. Aus gutem Grund heißt sie Hellok, denn auch sie hat ihre Tücken. Bedingt durch die Landabdeckung des Langen Warders und der Prinzeninsel, dreht der Wind hier stark und ständig. Besonders „höllisch“ wird es, wenn an der engsten Stelle ein Fahrgastschiff entgegenkommt. Dann sind Geduld und Manöver in schneller Abfolge gefragt.

Motornutzung ist auf dem Plöner See nicht gestattet, mit Ausnahme von E-Antrieben, für die man aber eine Saisongenehmigung braucht. Motorengebrumm kommt nur von Schiffen der weißen Flotte, die zwischen den größeren Ortschaften pendeln, den Rettungsbooten, die an mehreren Stellen stationiert sind, und dem Fischer.

Prominente Lage: Blick vom Plöner Schloss auf den See © Silke Springer

Die Fischerei & Räucherei Lasner ist unser nächstes Ziel. Sie liegt ein wenig außerhalb des Ortes Ascheberg und ist weithin sichtbar. Grund dafür sind die großen Körbe, die an den Stegen hängen und in denen Maränen, Forellen und sonstige Süßwasserfische schwimmen. Die Steganlage kann aber auch zum Anlegen genutzt werden, denn zur Fischerei gehört neben einem Laden auch eine Außengastronomie, und so viel darf verraten werden: Die Fischbrötchen sind ausgesprochen lecker!

Unsere Weiterfahrt führt am Nordufer des Sees entlang, vorbei an Spitzenort, wo die Sirius-Werft beheimatet ist und die Plöner Segelschule ihren Unterricht abhält. Kurz bevor man erneut ins Hellok eintaucht, animiert ein kurzer Strandabschnitt zum erneuten Verweilen. Diesmal auf der Prinzeninsel. Eine Einladung, die man nicht ausschlagen oder bei nächster Gelegenheit nachholen sollte, denn das gleichnamige Restaurant ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt für delikate Fleischgerichte, bei denen Heidschnucken und Gänse aus eigener Zucht verarbeitet werden. Nebenbei lässt sich Wissenswertes über die Inselgeschichte erfahren, unter anderem dass Kaiser Wilhelm II. sie kaufte, damit seine Söhne auf dem damals schon vorhandenen Bauernhof landwirtschaftliche Grundkenntnisse erwerben konnten.

Das weiße Schloß von Plön © Silke Springer

Sehr viel weiter zurück reicht die Geschichte des Plöner Schlosses. Es steht auf den Grundmauern einer Burg, die während des Dreißigjährigen Krieges errichtet wurde. 2002 übernahm Optiker Fielmann das durch viele Besitzerwechsel und Vernachlässigung marode gewordene Gebäude und ließ es aufwendig renovieren. Heute dient es größtenteils als Weiterbildungsstätte für Optiker, doch einige Prunkräume können besichtigt werden. Um an einer Führung teilzunehmen, ist eine telefonische Anmeldung erforderlich. Das mag umständlich klingen, lohnt den Aufwand aber allemal.

Wer keinen Termin mehr bekommt, kann sich mit einem Spaziergang durch die Außenanlage trösten. Der steile Kopfsteinpflasterweg führt hoch zum Schloss-Vorplatz, vorbei an einer Großen in der Sonne sitzenden Bronzeschönheit von Fritz During, hin zur Ufer-Balustrade und einem unverstellten Blick bis ganz nach Kapstadt.

Magische Momente am frühen Morgen © Silke Springer

Informationen

Segelclubs

Die meisten Clubs am Plöner See bieten Gastliegeplätze zu fairen Preisen

  1. Segel Sport Club Bosau, www.sscb.de
  2. Segler-Gemeinschaft Fährhaus Bosau, www.sgfb.de
  3. Seglergemeinschaft Stadtbek Ufer, www.sgsu.de, Saisonliegeplätze für Kurzurlauber sind vorhanden
  4. Plöner Segler-Verein von 1908, www.psv1908.de, Slipmöglichkeiten für Jollen/Jollenkreuzer bis max. 3 Tonnen (Gebühren)
  5. SCvP-Segelclub Plön, www.scvp-ploen.de
  6. Ascheberger Seglergemeinschaft, schriftw@ascheberger-seglergem.de, Plätze für Gastlieger, Kranmöglichkeit bis 2,3t, Jollenslipbahn

Segelschule

Wassersportzentrum Segelschule Plön, www.segelschuleploen.de

Camping

Auch bei den Campingplätzen kann man Gastliegeplätze anfragen. Viele haben Slipanlagen

  1. Naturcamping Spitzenort, www.spitzenort.de, auch Wohnmobil-Stellplätze
  2. Campingplatz Seeblick Dersau, E-Mail: info@camping-dersau.de
  3. Campingpark Gut Ruhleben, www.camp-ruhleben.de, auch Wohnmobil-Stellplätze
  4. Campingplatz Pehmer-Hörn, campingplatz-bruene.de
  5. Camping-Godau, E-Mail: info@camping-ploener-see.com

Wohnmobil-Stellplätze

Womo-Stop Plön, E-Mail: info@spitzenort.de

Sonstige Unterkünfte

Jugendherberge Plön, E-Mail: ploen@jugendherberge.de

Ferienwohnungen und Hotels über: www.holsteinischeschweiz.de

Karten

  1. Großer-Plöner-Seekarte mit Gefahrenstellen, 1 Euro
  2. Rad- und Wanderkarte Plön, 1 Euro, beide erhältlich über die Tourist Info Plön, Bahnhofstr. 5, 24306 Plön, Tel.: 04522 / 50950, www.holsteinischeschweiz.de
  3. Wander- und Freizeitkarte Holsteinische Schweiz, 5,90 Euro, ISBN 978-3-89130-295-8, ebenfalls über die Tourist Info zu beziehen oder über den Buchhandel

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