Visionen unter Segeln: Wird die Superyacht der Zukunft übers Wasser fliegen?

Fliegende Yachten

Blick nach vorn: Der französische Designer Yelken Octuri lässt die Yachten der Zukunft (wirklich) fliegen. Oder sind es Flieger, die auch segeln können? Jetzt hat er offenbar einen Auftraggeber für eines seiner visionären Projekte des Segelns gefunden.

Was wäre die Menschheit ohne Visionen? Wo würden wir heute stehen, wenn es in der Vergangenheit nicht immer wieder vermeintlich Durchgeknallte, Spinner, Vor- und Querdenker gegeben hätte, die sich dann über das angeblich Unmögliche ziemlich konkrete Gedanken gemacht haben.

Yelken Octuri entwirft Visionen von fliegenden Segelyachten für die Zukunft

Flugzeug unter Segeln – sieht so die Zukunft aus? © Octuri

Was wären wir ohne die da Vincis, Vernes, Daimlers, Lilienthals? Wie sonst als mit Visionen hätten moderne AC-Kats oder die „Motten“ auf ihren Foilern “fliegen” lernen können?

Vielleicht müsste in gar nicht so ferner Zukunft ein weiterer Name in diese illustre Reihe der Visionäre aufgenommen werden: Yelken Octuri. Der 42jährige Franzose, dessen seltsam klingender Name ein gut gehütetes Pseudonym ist, arbeitet bei Airbus in Toulouse als Innenraum-Designer, schwebt aber ansonsten in anderen Sphären. Er entwirft Flugzeuge, die auf den Meeren und Seen der Welt segeln können. Und Segelyachten, die fliegen werden! Dafür wurde er in 2011 vom renommierten Time-Magazin zu den „weltweit innovativsten Menschen“ gewählt.

Flaute? Dann fliegen wir eben!

Vision, Segeln, fliegende Segelyacht, segelndes Flugzeug

Nimm’ die Plünnen runter, wir fliegen! © Octuri

Sein spektakulärstes Design ist mit Sicherheit die „fliegende Yacht“: Der bereits in 2010 vorgestellte Entwurf wurde weltweit prämiert und in mehreren Museen, Flugschauen und natürlich bei Airbus vorgestellt. Das 46 m lange und 27 m breite Objekt ist mit vier Masten ausgestattet, die jeweils 40,6 m gen Himmel ragen. An diesen extrem breiten Profilmasten sollen Segel gesetzt werden, die (zusammen mit den Mastprofilen) eine Segelfläche von 1302 qm ergeben.

So weit, so gut. Doch es geht eben nicht nur um ein futuristisches Segelschiff der Superlative, sondern um eines, bei dem der deutschsprachige Begriff „Segelflieger“ in seiner zweiten Bedeutung beim „Wort genommen“ wurde.

Mal eben schnell von den Bahamas zu einer Party rüber nach Florida? Oder von Monte Carlo nach Genua, von Sidney zu Gold Coast? Und morgen früh wieder zurück sein? Logisch, das geht nur mit einem Flugzeug. Und gerade weil die Flughäfen immer so lästig weit von den schönsten Ankerbuchten entfernt sind, wäre eine Mischung aus Flugzeug und Segelyacht doch ganz praktisch, oder nicht?

Vision, Zukunft des Segelns, segelndes Flugzeug, fliegende Segelyacht

Wie ein Insekt kurz vorm Abheben: Die Masten werden zu Flügeln und waagrecht positioniert © Octuri

Bei Octuri sieht alles so wunderbar (und) einfach aus: Wenn es genug ist der Segelei, dann werden die Segel eben verstaut, die extrem breiten Profilmasten respektive Flügel in die Horizontale bzw. Waagrechte gebracht, vier Propeller-Triebwerke angeworfen und schon erhebt sich das vordem segelnden Schiff in die Lüfte. Von der übers Wasser jagenden Yacht in Nullkommanix zum Luftschiff, das alle Widrigkeiten, die den Weg einer Yacht kreuzen können, einfach überfliegt. Ein Traum? Ganz bestimmt, aber einer, der bald wahr werden könnte!

Segelflieger beim Wort genommen

Denn Octuri hat auch eine Abwandlung dieser Idee von der fliegenden Segelyacht entworfen und mit diesem „segelnden Flugzeug“ geht er noch einen Schritt weiter: Die Tragflächen des Flugzeuges müssen zum Segeln auf dem Wasser nicht mehr mit Segelfläche bestückt werden. Sie werden „einfach“ aufgerichtet und als Starrflügel-Segel eingesetzt, deren Funktionsprinzip mittlerweile bei allen Regattafans bekannt und mitunter akzeptiert ist.

Segeln, Zukunft, Vision, segelndes Flugzeug

Diese Flügel werden auf dem Wasser einfach hochgeklappt © Octuri

Sind wir also schon nahe dran, am (tatsächlich) fliegenden Segler oder dem (tatsächlich)segelnden Flieger? Seit Kurzem könnte Octuri auf die Frage heftig nicken, denn er hat offenbar einen Geldgeber für die Entwicklung und den Bau eines Prototypen des „segelnden Flugzeuges“ gefunden. Ein arabischer Scheich möchte ganz offensichtlich zu Wasser und in der Luft eine Vorreiter-Rolle einnehmen. Warten wir also gespannt auf den ersten Prototypen, der eine verkleinerte Version des  15,7 m langen (Spannweite: 37 m)  Original-Entwurfes werden soll.

 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://yachtservice-sb.com

14 Kommentare zu „Visionen unter Segeln: Wird die Superyacht der Zukunft übers Wasser fliegen?“

  1. avatar Franky sagt:

    Na dann schau doch hier mal rein – von 1996:

    http://www.goeldner.de/projekte/mocat/zukunftfrm.htm

    http://www.goeldner.de/projekte/mocat

    Gruß
    Franky

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

  2. avatar <°((( ~~< sagt:

    Kann sich noch jemand an die PKW mit Nuklearantrieb aus den sechziger Jahren erinnern? Das konnte man sich damals ebenfalls sehr gut vorstellen… Autos sollten auch fliegen können … irgendwie ist es aber nie dazu gekommen, obwohl das technisch alles als machbar galt.

    Tja.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  3. avatar martin m sagt:

    Zum neuen Fliewatüüt für Robbi + Tobbi fehlt nur noch die Straßentauglichkeit…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

  4. avatar °!° sagt:

    “…arbeitet bei Airbus…”
    Hoffenlich muß ich da bei meinem nächsten Flug nicht dauernd dran denken.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 1

    • avatar mika sagt:

      woran musste du dann denken? das er der kollege lieber aufs innendesign konzentrieren sollte oder das du lieber segeln als fliegen beziehungsweise sowas “dazwischen” möchtest…?

      🙂

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

  5. avatar mika sagt:

    also immer wenn ich mal schnell von den bahamas rüber auf ne party in florida will ruf ich meinen buddy john an der holt mich dann spontan mit der eigenen boeing ab. die is auf alle fälle schneller hat definitiv mehr platz zum beine ausstrecken oder cricket spielen oder so… ach und die yacht passt da auch rein. versteh nicht was an dem ding da so innovativ sein soll…?

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 2

  6. avatar Philip sagt:

    ach ja, diese designer,
    schon witzig was diese in ihren Fieberträumen so alles ausbrüten…
    schlimm nur, dass sie dafür offenbar bezahlt werden. oft sogar ziemlich gut.
    wenn jemand endlich diese siemens-lufthaken erfunden hat, dann könnte der zusammen mit den designern wahrscheinlich die weltherrschaft ergreifen …

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 3

  7. avatar Wilfried sagt:

    er sollte wirklich Innendesigner bleiben. Es hat schon einen (simplen physikalischen) Grund das man Ballons nicht mit Segeln ausstattet. Mit der Logik bräuchte auch ein Segelboot kein Segel sondern könnte mit einem anstellbaren Kiel überall hin fahren. Ganz davon abgesehen, dass es sich ohne Berührung mit dem Wasser eben nicht um ein Schiff sondern bestenfalls um ein Luftschiff handelt. Wie er seine Kiste unter Segeln ohne Anströmung durch die Luft in der Schwebe hält bleibt wohl auch ein Geheimnis.

    Wenn wir schon April hätten würd ich ja nichts sagen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

    • avatar Uwe sagt:

      Wilfried,

      in der Luft wird doch nicht gesegelt, sondern es werden die “vier Propeller-Triebwerke” angeworfen.

      Auf dem Wasser werden dann die Tragflächen hochgeklappt und als Profilsegel verwendet.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

    • avatar °!° sagt:

      Wilfried, alter Chefingenieur, gibs schon zu:

      Auch weils scheiße aussieht (siehe die Debatte von neulich) glaubst Du nicht daran, daß es funktioniert.

      Was mich aber am Heftigsten zusammenzucken läßt, ist die statisch unsinnige Anordnung dieser dünnen Strippchen vom Abspannmast auf die Tragflächen/Segel runter. Da zöge nix, da würde es nur drücken. Die kleinen Knöchelchen zwischen den Wurzelansätzen reißen das auch nicht mehr raus.

      Und das libellenartige Gefährt: viel Spaß bei der Einleitung des höchsten Moments im System in seine dünnste Stelle. Aber das bringt uns jetzt schon wieder gefährlich nah an das Thema “gelenkige Prothesen”, also lassen wir das lieber.

      Kaum Mitgefühl habe ich jedenfalls für den Sponsorenscheich. Schade um den Schotter, aber das hat er jetzt vom vom Nasenbohren im Physikunterricht.

      Grüße,

      °!°

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 1

      • avatar Wilfried sagt:

        ! habe tatsächlich nicht alle Bilder angeguckt, Schande über mich. Ist tatsächlich nur ein Flugboot das auch segeln kann (Könne soll).
        Auf jeden Fall hat der Sponsor ja einige schöne Bilder bekommen. Wir sollten auch nicht alles neu finden. Erinnert ihr euch noch an die Zukunftsvisionen von Robert Das in der Yacht? Die sollte man auch mal gesammelt nachdrucken.

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  8. avatar Oh, nass is sagt:

    “Was wäre die Menschheit ohne Visionen? Wo würden wir heute stehen, wenn es in der Vergangenheit nicht immer wieder vermeintlich Durchgeknallte, Spinner, Vor- und Querdenker gegeben hätte, die sich dann über das angeblich Unmögliche ziemlich konkrete Gedanken gemacht haben.”

    ___________________________________________________________________________

    Wahrscheinlich eine recht einfache, glückliche und normale Gesellschaft, die sich mit wesentlichen Dingen beschäftigt und nicht die Ressourcen dieser Welt ausbeutet, um so in einem System leben zu können, daß von Spinnern und Illusionisten geprägt und inspiriert ist, die ständig höher, schneller und weiter müssen, damit sich die Welt immer weiter und schneller in diesem System drehen kann, dadurch allerdings ständig vom Kollaps bedroht ist und schlußendlich an seine Grenzen stoßen und im Chaos und unfassbarem Leid enden wird.

    Also praktisch so ähnlich wie Segeln ohne Olympia und Profisport.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 5

  9. avatar Franky sagt:

    Hallo,
    mit meinem Einstandsposting wollte ich nur darauf hinweisen, das es fliegende Segelboote durchaus geben könnte. Das in dem Artikel vorgestellte Designerteil ist aber eher ungeeignet dazu, wie schon einige Anmerkungen festgestellt haben. Wie sieht z.B. mit der Welle bei Wind aus?

    Prinzipiell könnte aber ein Boot genauso wie die Motten auf Hydrofoils auch auf Airfoils fliegen und dabei wirklich segeln. Der (Schwert-) kontakt zum Wasser darf dabei natürlich nicht längere Zeit aussetzen. Also ist die Steuerung nur mit einem Autopiloten möglich, aber das kennen wir schon von dem sog. Want bei den Motten.
    Es müsste halt nur mal gebaut werden…

    Gruß Franky

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  10. avatar Oskar sagt:

    Die Frage stellt sich, wie bei all diesen FliWaTüts. WOZU soll es gut sein? Viel zu viel Geld zu bezahlen um langsam zu fliegen aber dafür lieber beengt zu segeln.

    Alles was Multiuse ist muss Einschränkungen in Kauf nehmen zugunsten der anderen Nutzung. Deshalb werden sich für solche Projekte nie genügend Menschen finden die als Käufer eine praxistaugliche Entwicklung finanzieren. Ob dsa jetz Strasse und fliegen, segeln und fliegen oder segeln und fahren ist.

    Aber schön gemalt hat der das Teil. Gut dass das Wasser immer so schön platt ist. Und für eine nette Story immer gut. Als Kunstform wirklich reizvoll.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *