Jules Verne Trophy: 80 Prozent im Flugmodus möglich – Gitana vor Rekordzeit und Sodebo

Tiefflug um den Globus

Unvorstellbar, wie man so schnell über das Meer segeln kann. Erstmals wollen die schnellsten Offshore-Rennmaschinen um die Welt foilen. Die ersten Bilder von Bord zeigen eine haarsträubende Geschwindigkeit.

Sodebo jagt der Jules Verne Trophy hinterher © stichelbault/sodebo

Seit gestern sind die schnellsten Segelyachten der Welt unterwegs, um den Rekord für eine Weltumsegelung unter die 40 Tage und 23,5 Stunden-Bestzeit von Francis Joyon zu drücken. 2017 hatte sie der Franzose mit dem Trimaran “Idec Sport” bei perfekten Wetterbedingungen aufgestellt.

Nun startete zuerst der jüngste aktuelle Ultim-Trimaran “Sodebo” mit seinem revolutionären Mittelcockpit, die schon als schnellste Yacht der Welt gesehen wurde. Aber das muss Skipper Thomas Coville erst noch beweisen. Die Gelegenheit hat er nun. Denn knapp eine halbe Stunde später startete der andere schnelle 100 Fuß Trimaran Maxi Edmond de Rothschild/Gitana 17. Der hat zwar zwei Jahre mehr auf dem Buckel, ist aber der aktuell am besten optimierte Ultim-Hochseefoiler.

An ihm ist die Entwicklung der Technik am besten abzulesen. Er erreicht jetzt 46 Knoten, fünf Knoten mehr als zu Beginn. Co Skipper Charles Caudrelier hat erklärt, dass man die Grenze noch oben verschieben konnte, bei der es zu Kavitation kommt – also wenn sich um die Foils herum Dampfblasen im Wasser entwickeln und Strömungsabrisse erfolgen.

Sodebo liegt 45 Meilen vor dem Rekord.

Gut 71 Meilen liegt Gitana vor dem Rekord

Auch Sodebo-Skipper spricht von 45 Knoten Speed. Er habe sich das vor einem Jahr nicht vorstellen können. Er sagt dem Magazin Yachting World, damals hätte er noch geglaubt, dass die rund 26.000 Meilen langen Strecke bei der Jules-Verne-Trophy etwa zu 20 Prozent auf Tragflächen absolviert werden könnte. Nun glaubt er sogar an 80 Prozent bei optimalen Bedingungen “aber ziemlich sicher 50 Prozent”.

Wie sich Distanz von Gitana zum Rekord entwickelt.

Auch Caudrelier sagt, bei Starkwind bei zu großen Wellen sei nur ein Skimming-Modus möglich, bei dem man mit den Rümpfen das Wasser noch touchiert. Aber bis zu 60 Prozent werde man wirklich fliegen.

Der Gitana Speed.

Damit sind diese Boote jetzt so schnell, dass sie den Southern Ocean mit nur einem Wettersystem durchqueren können. Das galt aber auch schon für “Idec Sport” die mit einem einzigen System von Madagaskar fast bis nach Neuseeland gerast ist. Der große Unterschied der neuen Foiler im Vergleich ist die deutlich höhere Geschwindigkeit bei spitzeren Windwinkeln. Da kommt man von etwa 20 Knoten auf bis zu 30 Knoten. Besonders im Atlantik könne das zu direkteren und damit schnelleren Kursen führen.

Die Match Race Situation ist dabei kein Zufall. Einerseits arbeiten die Wetterrouter an Land mit den gleichen Daten, andererseits sorgt es auch für mehr Aufmerksamkeit und Spannung, wenn sich die beiden Teams duellieren – also mehr Nutzen für die Sponsoren. Caudrelier.

Dieser Modus sorgt aber auch für eine Gefahr. Die Teams mögen im Rennmodus ihre Maschinen mehr puschen, als es diesen vielleicht lieb ist. Außerdem kommen strategische Überlegungen dazu. Man wird vielleicht eher mal gegen den Gegner absichern, als das optimale Rekordwetter zu suchen. Bei diesem Spiel sind sicher die beiden Volvo-Ocean-Race-Sieger-Skipper Cammas und Caudrelier besonders gut. Aber es muss sich eben noch zeigen, welches Schiff schneller ist. Beide Teams wissen kaum etwas von den Stärken und Schwächen ihres Gegners. Spannend!

Tracker Sodebo

Tracker Gitana

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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