Neuer Foiler: Alinghi-Profis entwickeln Syra18 Tragflächen-Segler – Mit Kipp-Technik

Gut gekippt ist halb gewonnen

Es scheint schwer, noch etwas Neues im Foiling-Bereich zu erfinden. Aber die Schweizer Nils Frei und Yves Detrey glauben, dass ihnen mit ihrem Syra18 genau das geglückt ist.

Nils Frei und Yves Detrey kennen sich schon seit gut 20 Jahren. 2000 feierten sie mit Jochen Schümann ihre America’s Cup-Premiere beim Fast2000-Projekt. Ein schwerer Start, völlig unterfinanziert und chancenlos auf dem Wasser, aber es war der Beginn einer Profi-Karriere im Segeln – eng verbunden mit Ernesto Bertarellis Alinghi-Team.

Zweimal gewannen beide den Cup, bis er 2010 verloren ging. Danach blieben sie an Bertarellis Rennstall gebunden und segelten die Décison 35 Katamarane oder mit den GC32 Foilern bei der Extreme Sailing Series.

Nun haben sie ihre Expertise in einer eigenen Konstruktion umgesetzt. Der Syra18 Foiler soll das Fliegen auf dem Wasser einer möglich großen Zielgruppe öffnen, die nicht besonders erfahren oder ambitioniert sein muss. Allerdings dürfte allein das Segeln im Doppeltrapez für viele Segler schon eine Herausforderung darstellen.

Aber die Schweizer versprechen eine hohe Stabilität für ihr neues Design, das über drei Punkte den Kontakt zum Wasser hält: Zwei Ruder mit T-Foils und ein Schwert mit Tragfläche. Diese seitlich schwenkbare Tragfläche ist der Clou der Konstruktion.

Der neue Foiler mit dem nach Lee gekipptem T-Foil. Ein Fühler hinter dem Schwert sorgt für den richtigen Anstellwinkel. © NTFM

Sie bietet insbesondere auf dem Amwindkurs große Vorteile in Anlehnung an die Segel-Technik der Moth und auch der Kite Foiler. Die krängen ihre Gefährte so weit nach Luv, dass das  T-Foil unter Wasser mit dem nicht nur eine aus dem Wasser hebende Kraft erzeugt, sondern sich diese auch nach Luv richtet. Es wird eine extreme Höhe zum Wind generiert.

Moth Worlds

Die Moth-Segler krängen ihre Boote an der Kreuz weit nach Luv, wie hier Moth-Pionier und Mach-2-Erfinder Andrew McDougall, und erzeugen mit dem T-Foil unter Wasser Auftrieb nach Luv. © Martina Orsini

Kite Foiler

Auch die Kite-Foiler kippen ihre Bretter auf der Kreuz nach Luv und segeln dadurch extrem hoch am Wind. © Steve McCormack

Der Syra18 kopiert diese Technik, indem er nicht das ganze Boot kippt, sondern das Foil. Bis zu 45 Grad wird es nach Lee geneigt und erreicht dadurch eine ähnliche Auftrieb-Situation wie die Motten.

Das Video vom ersten Flugversuch sieht vielversprechend aus. Frei sagt, bei Wind zwischen 12 und 13 Knoten Wind am ersten Test-Tag habe Syra18 25 Knoten Speed abgeliefert. “Unglaublich.”

Das Kipp-Prinzip des Syra18 T-Foils. © NTFM

Wie einfach oder schwer es ist, diese Trimmlage zu generieren, wird aber aus den Bildern noch nicht klar. Offenbar sorgt ein Fühler-Stab hinter dem Schwert für den richtigen Anstellwinkel des T-Foils – wie bei der Moth.

Zu eine möglichen zukünftigen Preis der Neukonstruktion machen die beiden Schweizer noch keine Angaben. Sie suchen nach einer Möglichkeit, die Produktion im größeren Stil auszuweiten. Davor liegen aber noch jede Menge Test-Meilen mit dem Prototypen.

Syra18 Website

 Syra18

Die technischen Daten des Syra18

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Neuer Foiler: Alinghi-Profis entwickeln Syra18 Tragflächen-Segler – Mit Kipp-Technik“

  1. avatar Chris Zeiser sagt:

    Allerdings ist hier ein enorm wichtiger Aspekt nicht beachtet: durch das Kippen des Mainfoils nach Lee erhöht sich der Abstand von Lateraldruckpunkt zum Zentrum des beweglichen Ballastes (die Crew) und damit auch das aufrichtende Moment. Das ist auch der Grund, warum bei uns Mothen die Wings nun steiler gebaut werden, um noch mehr Luvkrängung fahren zu können.

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