Segel-Bundesliga: Crash im Vorstart – Leck im Schiff – Mann über Bord

Aufregendes Schauspiel

Ein Laser Bahia wird im Bundesliga Vorstart von einer Dyas überfahren. Lennart Briesenik Pudenz rettet sich mit einem beherzten Sprung über Bord.

Ein spitzer Schrei, eine hektischer Sprung ins Wasser, die silberne Bugspitze bohrt sich mit einem dumpfen Knirschen in den Rumpf des Laser Bahia. Das Wasser schlägt über Lennart Briesenik Pudenz zusammen. Der Reflex rettet ihn vor einer möglichen schweren Verletzung. Er krault seinem Schiff hinterher. Der geschockte Vorschoter versucht es, mit ohrenbetäubend flatternden Segeln im Wind zu stoppen.

Was war das? Was ist da über ihn gekommen? Er kann aus seiner Perspektive das Heck der blauen Dyas kaum noch erkennen. Deren grauhaariger Skipper segelt seelenruhig weiter. Als wäre nichts passiert. Als wäre er nicht gerade mitten durch die Startlinie der acht Match Race Boote gestochen, die am dritten Spieltag der Segelbundesliga um den Sieg kämpfen. Als hätte er nicht gerade ein Schiff nahezu versenkt und einen Segler ins Wasser befördert. Er sieht sich nicht einmal um.

Überforderung bei dem starken Wind? Ignoranz? Der Dyas Skipper gehört zur Regatta nebenan und hält den Weg durch die Match Race Startlinie für den schnellsten nach Luv.

Wunde in der Bordwand

Gut dass er nicht an an ein Weichei geraten ist. Pudenz hat als Weltklasse 49er Segler schon den einen oder anderen Meter kraulend hinter seinem Boot zurückgelegt. Er jammert nicht, hievt sich auf die Jolle mit der er sich gerade in der Vorstart Sequenz befindet, ignoriert die klaffende Wunde in der Bordwand gewinnt trotzdem den Start gegen die verwirrte Gegnerin und souverän das Rennen.

Chiemsee Yacht Club

Das Team vom Chiemsee Yacht Club rast ohne viel Match Race Erfahrung auf Rang zwei in Hamburg. © Segel-Bundesliga / Lars Wehrmann

Die Segler, die so dicht gedrängt auf einem Motorboot neben der Linie auf ihren Einsatz warten als ginge es gen Lampedusa, applaudieren dem aufregenden Schauspiel. Pudenz, der für den Flensburger Segel Club antritt, liefert mit seinem beherzten Manöver die vielleicht beste Leistung der Regatta ab, der Wertung er nach dem ersten Tag sogar anführte.

Der Dyas Segler wird später bei einer Regatta übergreifenden Protestverhandlung mit einer nicht streichbaren Disqualifikation (DNE) bestraft. Am Ende ist der Vorfall aber nur eine Randnotiz einer ereignisreichen Bundesliga Regatta, die ausnahmsweise im für viele ungewohnten Match Race Format ausgetragen wird.

Schiff ist Schrott

Dabei sind Boote im Einsatz, die verschiedener kaum sein könnten. Eigentlich sollte auf den gewohnten sechs J70 gesegelt werden und zusätzlich auf zwei J22 um mit acht Booten das Programm zu absolvieren. Jeder gegen jeden bei 18 Teilnehmern, unglaubliche 153 Matches. Aber bei der Anreise von Schleswig zur Alster fährt auf der Autobahn ein LKW in den J70 Anhänger. Das Schiff ist Schrott. Als Ausweichboote können nur noch zwei Boote der NRV Ausbildungsflotte besorgt werden.

Aber  auf den Laser Bahia können einige Crews fehlende Match Race Erfahrung mit starkem Jollen Handling ausgleichen. Besonders bei Starkwind sind die Plastik-Schüsseln eine echte Herausforderung. Unter großem Gejohle taucht die eine oder andere Mastspitze in den Schlamm der Alster.

Doofheit

Für unser NRV Team verreiße ich am Lenker sofort das erste Match gegen den Lübecker Yacht Club mit Steuerfrau Svenja Puls. Etwas hektisch aus führender Position weggehalst und Zack rutscht sie drüber. Dann kommt etwas Ruhe in die Sache. Wir haben das Glück, dass uns die Paarungsliste einige Rennen hintereinander auf der J70 beschert. Das hilft, um in den Rhythmus zu kommen.

Allerdings haben wir auch wieder eine starke Crew beisammen. Match Racer und Platu-Meister Florian Weser segelte schon in Travemünde für den NRV mit Jojo Polgar sehr stark auf Platz zwei und Felix Oehme, der zurzeit beste Deutsche Match Race Steuermann in der Weltrangliste, bringt Übersicht ins Team. Er steuert die J22 Duelle souverän bei denen ich an die Spischot wechsele.

Auch unser Küken an Bord, Leon Passlack (18), bringt als einer der besten deutschen Laser Radial Segler mächtig Bums in die Mannschaft. Besonders bei den Laser Bahia Rennen mag unsere beider Laser-Erfahrung helfen. Die schützt allerdings auch vor Doofheit nicht. Ein Rennen geht verloren, weil mir bei aller Ausreitarbeit wohl schon so schwarz vor Augen wird, dass ich die richtige Tonne nicht mehr finde. Schön, dass es am Ende doch noch reicht.

Gesamtergebnis 3. Spieltag in Hamburg

Die Besetzung der Teams in Hamburg

Tabelle nach drei Regatten

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Crash im Vorstart – Leck im Schiff – Mann über Bord“

  1. avatar Klaus sagt:

    Typisch, Dyas-Segler!

    (Ich darf das: War selbst viele Jahre Dyas-Regattasegler)

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 6

  2. avatar Lum sagt:

    NoGo: Regattasegeln ohne Schwimmwesten? Die Bilder zeigen den schockierenden Mangel an Verantwortung bei Veranstalter und (einigen) Seglern.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 8

    • avatar SR-Fan sagt:

      Man, wenn Du das nicht dazuschreibst erkennt doch wieder keiner die feine Ironie 😉

      VG

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  3. Naja, ist doch ganz interessant, dass sowohl Jolle, wie auch Kiel-Boot (zu 3. und zu 4.) beherrscht werden muss…

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  4. avatar Thomas Schaefer sagt:

    An
    SEGELREPORTER.com

    Bezug: AUFREGENDES SCHAUSPIEL, vom 4.9.2013

    Zuerst einmal entschuldige ich mich in ganzer Form bei beiden Bahia-Teams und vor allem bei dem Segler Lennart Briesenik Pudenz für die gefährliche Situation an der Startlinie der Bundesliga-Wettfahrt. Ich hätte vorher wenden sollen, um ein Risiko auszuschließen. Hätte, hätte. Hinterher ist man immer schlauer. Es tut mir leid.

    Über Steuerbord-Bug segelnd war ich auf die beiden Bahia 7 und 8 zugesegelt, die beinahe ohne Fahrt im Startgebiet auf Backbord-Bug standen. Wären sie stehen geblieben, wäre ich mit sicherem Abstand an ihnen vorbeigekommen. Allerdings fiel genau im Augenblick des „No-Return“ die Bahia ab, nahm Fahrt auf und luvte an. Als Notreaktion fiel ich vehement ab, um die Bahia achtern zu umrunden, doch da stand – verdeckt von der Bahia 8 – noch immer Bahia 7. Trotz energischem Anluven gelang es mir nicht mehr auszuweichen und rammte das Boot mittschiffs. Dann sah ich einen Segler im Wasser. Er schwamm auf sein Boot zu und lachte mir zu – so sah es aus. Wir waren umringt von Schlauchbooten und Race-Officern. Mir kam deshalb nicht in den Sinn anzuhalten und zu helfen, wie es seemännisches Verhalten eigentlich verlangt. Das wurde mir auch in der Protestverhandlung, von der ich erst sehr viel später erfuhr, vorgehalten. Nach der Wettfahrt sind wir sofort zum NRV-Clubhaus gesegelt, um dort unsere Namen zu hinterlegen, den Schaden zu begutachten und um uns mit der Mannschaft zu verständigen.

    Thomas Schaefer
    Dyas 1468
    NRV

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 44 Daumen runter 2

  5. avatar Tom sagt:

    Bin selbst Dyas Segler kenne die Klasse seit nun mehr über 8 Jahren und mir gefällt eigentlich das Großfamilien-Verhalten und die immer wieder sportliche, sowie fairen Regatten.
    Ich denke Schwarze (blaue) Schafe gibt es in jeder Klasse und überall. Ich denke nur an Vorregatta zur IDM Boote größer als eine Dyas und mit 3 Mann besetzt. Da wurde mir zu gebrüllt in einer sehr schroffen ungehaltenen Art und Weise : ” Ich habe Vorfahrt da ich erster in meiner Klasse bin!!!!!!”
    “OK”dachte ich, wusste bis dahin noch nicht das es eine eingebaute Vorfahrt für erste in einer Anlässe gibt?
    Nun ja da ich mein Schiff noch behalten will und als Schiffsführer meinem Schotten gegenüber eine Sorgfallsplicht habe, wendete ich an und verlor somit 3-4 Bootslängen um Schaden zu vermeiden.

    Ich denke Sportlich und Fair ist das wichtigste und ohne Personen und Schiffsschaden.

    Den Rest trägt man an Land mit einer Ründe Getränke aus und verträgt sich.

    Gruß

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