Transat Jacques Vabre: Kielschaden bei neuem 11th Hour IMOCA – Ultim kurz vor dem Ziel

Ins Ziel humpeln

Die Ultim beenden die Transat Jacques Vabre in der Nacht. Bei den IMOCA setzt sich LinkedOut weiter ab, 11th Hour bleibt die Pechsträhne treu. Das US-Boot segelt nur noch mit 70 Prozent.

Unnatürliche Fluglage für den neuen 11th Hour IMOCA ohne Flügel am Ruder und nach dem Schaden längst nicht mehr möglich. © 11th Hour

Eigentlich schlug sich der neueste IMOCA Malama von 11th Hour nicht so schlecht bei seinem ersten wichtigen Renneinsatz. Mehrfach lag er an zweiter Position, etablierte sich schließlich als ärgster Verfolger des Führungstrios und schien in der Lage, mit einem Endspurt das Podium angreifen zu können.

Der im Vergleich zur Konkurrenz relativ ungetestete Neubau, der eigentlich für The Ocean Race im Crewbetrieb optimiert ist, segelte gegen die hochgezüchteten Gegner alles andere als enttäuschend. Aber nun wird es den großen Triumpf nicht geben. Nachdem schon die Team-Kollegen mit einem Mastbruch aufgeben mussten, werden nun auch Charly Enright und Pascal Bidégorry  von einem Schaden ausgebremst.

Noch knapp 1000 Meilen für die IMOCAs bis zum Ziel. LinkedOut hat fast 100 Meilen Vorsprung zu Apivia herausgesegelt.

In den vergangenen Tagen hat der bunte IMOCA deutlich an Tempo verloren. Die direkten Gegner Sam Davies (Initiatives-Coeur) und Seb Simon (Arkea-Paprec) segeln nun schon 80 Meilen voraus. Und auch Nicolas Troussel (Corum), der die Vendée Globe noch mit einem Mastschaden aufgegeben hatte und bei dieser TJV auf Abwege geriet, ist vorbeigezogen.

Nicolas Troussel wollte das Verkehrstrennungsgebiet bei Frankreich im Norden umsegeln…

…musste aber kleinbeigeben und umdrehen. Seitdem hat er den Anschluss nach vorne verloren.

Der Grund ist ein Schaden an der Verkleidung der Kielflosse. Der Amerikaner Enright erklärt: “Wir hatten im Laufe dieses Rennens oft mit Schäden zu kämpfen. Das liegt in der Natur eines neuen Bootes, wenn es auf solch einer wettbewerbsintensiven Strecke zum Einsatz kommt.

Aber keiner dieser ‘kleineren Zwischenfälle’ ist mit dem vergleichbar, was den wir gestern erlebt haben. Während wir mit dem J2 Vorsegel in einer typischen Squall-Böenwalze segelten und unter vollem Groß 28 Knoten erreichten, riss die Strömung ab und wir waren plötzlich nicht mehr in der Lage, die bisherige Geschwindigkeit zu erreichen.”

Irgendetwas musste am Kiel hängen und sie versuchten es durch Rückwärtsfahren zu lösen. Im Endoskop, mit dem man unter den Rumpf sehen kann, tauchte etwas auf, das Enright für eine Leine hielt. Aber es ließ sich nicht lösen. Schließlich kippten sie die Yacht mit dem Neigekiel maximal auf die Seite und erkannten das Problem.

Ein Ansaugrohr, das normalerweise in der hinteren Verkleidung am Kielkasten sitzt, schliff durchs Wasser. Die Kielverkleidung selbst war weg. Wenn sie seitdem zu schnell segeln, fängt der gesamte Kiel an zu vibrieren. Und das Team befürchtet Folgeschäden. So haben Enright und Bidégorry beschlossen, bis zum Ziel nur noch mit 70 Prozent zu segeln. Damit schalten sie vom Renn- in den Überführungsmodus und sind schon auf den 7. Platz zurückgefallen.

An der Spitze der IMOCA-Flotte ist derweil der Dreikampf um den Sieg in vollem Gange. Überraschend konnte aber Apivia nicht seine zuletzt gezeigte vermeintliche Überlegenheit ausspielen. Thomas Ruyant und Morgan Lagravière konnten mit LinkedOut ihren Vorsprung nach der Rundung der kleinen Atlantik-Insel Fernando de Noronha auf 95 ausbauen. Reicht das schon aus, um auf direktem Kurs zum Ziel Charlie Dalin und den gleichauf liegenden Jérémy Beyou auf Distanz zu halten?

Bei den Ultim Trimaranen geht es schneller. Der Rothschild-Maxi hat zwar seinen schon fast 600 Meilen reichenden Vorsprung auf die Konkurrenz auf 200 Meilen schwinden lassen. Aber das sollte locker ausreichen um in der Nacht als überlegener Sieger ins Ziel zu gehen.

Charles Caudrelier und Franck Cammas genießen sichtlich die Situation:

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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