Ostsee-Abenteuer: 24 Stunden Nacra20 Foiler – Die ganze Story von Wiebel und Koster

"Verrückter Trip"

Das war mal wirklich ein verrückter Trip. Am Samstag Spätnachmittag gestartet, gut vorbereitet zwar, aber alles ist erst in ‚letzter Minute‘ fertiggeworden…

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morgens um 4 Uhr…

Der Start ab Scharbeutz war phänomenal, flaches Wasser und ausreichend Wind haben uns sofort auf die Foils gehoben, und wir sind ständig zwischen 18kn und 28kn geflogen… hinter Fehmarn hatten wir noch einen Schnitt von über 20kn…genial dachten wir, dann können wir´s in der Nacht entspannter angehen lassen.

Doch dann war der Wind östlich von Gedser so flau, dass es auch nicht so entspannt war. Wir mussten jedes bischen Druck suchen und das Boot gut trimmen, um überhaupt auf den Foils zu bleiben und unseren Schnitt nicht zu versägen. Zwischenzeitlich sah es gar nicht gut aus mit dem Speed.

Aber die Nacht war herrlich, zum Sonnenuntergang war bereits der Vollmond da. Wir hatten zum Glück immer Sicht auf die Wellen und mussten nie ‘extra’ vom Gas gehen…der Wind war zwar schwach, aber es hat gerade ausgereicht, den Schnitt von 15,2kn zu halten. So konnten wir unsere Kräfte sparen

Das war auch gut so, denn zwischen 4:00 und ca. 10:00 waren wir beide im Tief und mussten uns mit viel Gels, Cola etc. wach halten um uns auf das Foilen zu konzentrieren. Am Vormittag lief es dann wieder super, wir waren selbst überrascht wie gut wir trotz der Wellen auf der offenen Ostsee foilen konnten. Hier hatten wir fest mit Semi-foiling gerechnet, also mit dem Luvrumpf immer knapp auf dem Wasser. Aber so schafften wir es langsam aber sicher wieder, unseren Schnitt auf 15,4kn zu erhöhen.

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echtes offshore-foiling: fliegen zwischen Schweden und Polen

So ging es gut dahin bis Richtung Polen. Wir haben fest damit gerechnet bis nach Wladislowowo zu kommen und in den 24 Stunden 371 Seemeilen zu schaffen. Aber oft kommt es anders als man denkt:

Nachdem wir die 344sm voll und den Rekord im Sack hatten, wollten wir nicht mehr pushen, sondern ‘gemütlich’ mit 12-14kn noch die restlichen Meilen absegeln. Aber daraus wurde nichts.

Wieder verabschiedete sich ein Ruder. Und daraus folgte ein Stecker, bei dem das BB-Foil aus dem Kasten rutschte und sich im Schwertkasten verkantete. Dabei riss es ein riesiges Loch in den Schwertkasten, und der Rumpf begann vollzulaufen.

Flicken / Abdichten war unmöglich, da sich die Stelle unzugänglich im Schwertkasten befand. Also den Foilanstellwinkel auf Maximum und so schnell weitersegeln, wie jetzt noch möglich, damit der Lift das Absinken verzögert.

Dann haben wir den Kurs Richtung Strand abgesetzt und unseren Freund Filip Walczak angerufen. Der hat dann auf polnisch die Seerettung informiert und erklärt wie sie uns mit dem Tracker am schnellsten finden. Ein riesen Dank an Filip, er hat das super organisiert, als wir an Land kamen war auch schon ein Freund zum Dolmetschen da 🙂

Die Seerettung kam nach 20 Minuten, hat uns die vorbereitete Schleppleine übernommen und uns mit 6kn nach Leba geschleppt. Durch die Fahrt erzeugte das Foil ständig Lift und hielt den BB Rumpf über Wasser.

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Am Haken der polnischen Seeretter / BB Rumpf schon fast versunken

Angekommen im Hafen sinkt der Rumpf an der Sliprampe…just in Time. Wir waren glücklich, angekommen zu sein, aber jetzt musste noch das Wasser aus dem Boot, um es an Land bringen zu können. Dabei halfen uns viele Polen vor Ort, die uns alle sehr freundlich und tatkräftig unterstützt haben.

Uffa, das Segeln war eh schon anstrengend, aber dann noch über 1h am Schlepphaken auf einem Boot sitzen, das mehr unter als über Wasser schwamm. Wir wurden ständig geduscht und es war echt hart. Letztlich waren wir aber sehr froh, mit nur kleinen Blessuren an Land zu sein und auch noch im Besitz des Bootes zu sein.

Nach dem Schaden am Boot und völlig ohne Energie war uns gar nicht so recht danach zumute, den Rekord zu feiern. Erst am nächsten Morgen nach etwas Schlaf konnten wir uns beim Auslesen des GPS-Tracks dann erst so richtig freuen!

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Erst am nächsten Morgen haben wir realisiert wie weit wir tatsächlich gesegelt sind…

Jetzt heißt es, den Rücktransport und die Reparatur des Bootes zu organisieren. Gerade befinden wir uns auf dem Roadtripp von Polen nach Holland um den Nacra in Reparatur zu bringen!

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Ein Kommentar „Ostsee-Abenteuer: 24 Stunden Nacra20 Foiler – Die ganze Story von Wiebel und Koster“

  1. avatar jorgo sagt:

    Moin Yo und Simon,

    meinen herzlichen Glückwunsch und Hut ab vor Eurem Kampfesgeist!

    Grüsse aus Arnis
    Jörg

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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