66 Tage Schiffbruch: Zweifel an der Geschichte von Louis Jordan

Schiffbrüchiger ein Lügner?

Am Wochenende ist die Story des Amerikaners Louis Jordan um die Welt gegangen, der von seinem Schiff gerettet wurde nachdem er 66 Tagen auf seinem Rumpf gesessen haben soll.

Schiffbruch

Louis Jordan auf seiner Yacht. © Frank Jordan

Die Washington Post hat inzwischen einen Beitrag veröffentlicht, der nahe legt, dass Jordan gelogen habe. Denn der 37-Jährige sehe nach seiner Bergung viel zu gesund und gut genährt aus. Auch der vermeintliche Bruch der Schulter sei nicht zu sehen gewesen.

Aber die wahre Geschichte ist wohl die, dass die Angaben von Jordan falsch verstanden und in Medien-Berichten von Laien als Fakten weitergegeben wurden. So wurde von Anfang an berichtet, dass Jordan 66 Tage auf seinem gekenterten Rumpf gesessen habe.

Teilweise wurde auch ausgeführt, der Segler habe sich am umgedrehten Rumpf festgeklammert und sich nur von mit den Händen gefangenem rohen Fisch und Regenwasser überlebt.

Langkieler richtet sich wieder auf

Die stabile Durchkenterung ist allerdings schwer möglich bei einem Langkieler wie der Alberg 35. Da bricht der Kiel nicht einfach ab wie bei modernen Rennschüsseln. Und das Schiff ist auch nicht breit genug als dass es stabil auf dem Kopf liegen bleiben würde. SR hatte das schon beim ersten Bericht angemerkt.

Schiffbruch

Jordan wird nach 66 Tagen Drift auf See an Land gebracht. Ist er zu gut bei Kräften? © AP

Die 66 Tage des “Überlebens” auf seiner manövrierunfähig ohne Rigg dahin treibenden Yacht stellen sich also entsprechend weniger spektakulär dar, als es in den Mainstream Medien den Anschein haben mag.

So erklärt sich auch die vermeintliche Lüge von der gebrochenen Schulter. Jordan hat offenbar tatsächlich nur von einem gebrochenen Schlüsselbein gesprochen. Es passierte, als er bei der Kenterung aus der Koje fiel. In den 66 Tagen kann es aber tatsächlich gut sein, dass es wieder zusammen gewachsen ist.

So ist die gute Konstitution des Mannes, der ja normalerweise immer auf seiner Yacht lebt, auch keine große Überraschung. Zuerst hatte er noch Vorräte an Bord, die er aufbrauchen konnte. Später fing er mit seiner Angelausrüstung erfolgreich Fische.

Die Rettung mag sich also weniger spektakulär darstellen, als zuvor gedacht. 66 Tage kann man auf einer ausgerüsteten Yacht ganz gut aushalten.  Es ist wohl eher ein Wunder, welche Eigendynamik diese Geschichte nach dem Stille-Post-Prinzip auf ihrem Weg um die Welt bekommen hat.

 

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Carsten Kemmling

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