Abenteuer: Pole Kuczynski segelt mit der 22 Fuß Mini-Serienyacht alleine nonstop um die Welt

"Ich will mehr davon"

Der Pole Szymon Kuczynski hat seine 6.36m kurze Maxus 22 in 270 Tagen erfolgreich um die Welt gesegelt. Aber er scheiterte knapp an seinem zweiten Ziel.

Szymon Kuczynski mit seiner Maxus 22. © C. Rock

Am Ende hat Szymon Kuczynski noch mal richtig Gas gegeben. Trotz aller Probleme bei seiner Einhand-Nonstop-Weltumseglung bestand doch noch die Chance, den Rekord von Alessandro Benedetto zu brechen. Der Italiener segelte vor acht Jahren mit seiner umgebauten Mini 6.50 in 268 Tagen und 19 Stunden um die Welt. Und nun war der Pole viel näher dran an der Zeit, als er zu hoffen gewagt hatte.

Lieber ohne Motor unterwegs: Szymon Kuczynsk © Mandler

Denn Kuczynski stand nach der Rundung von Kap Hoorn kurz vor dem Aus. 128 Tage quälte er sich durch den Southern Ocean. Es fiel Schnee und die Temperatur sank dauerhaft unter 5 Grad. Vieles ging kaputt. Schäden an der Windanlage und dem Haupt-Solar-Panel ließen den Autopiloten ausfallen. Und trotz Dreifach-Ersatz bekam er Probleme.

Mit einem inReach Satelliten-Kommunikator tauschte er Nachrichten mit seinem Team an Land, konnte einige Schwierigkeiten bewältigen und passierte sich schließlich am 5. Dezember 2017 Kap Hoorn fast einen Monat vor der kalkulierten Zeit.

Rigg ins Wasser geknallt

Aber dann brach ein gewaltiges Tiefdruckgebiet über in herein, das gut drei Tage lang neun Windstärken und sechs bis sieben Meter hohe Wellen bescherte. In der Kajüte war es nicht wärmer als zwei Grad. Mehrfach knallte sein Schiffchen mit dem Rigg ins Wasser, und dabei wurde der Mast so schwer beschädigt, dass er den Verlust befürchten musste.

Szymon Kuczynsk

Die Ankunft in Plymouth. © Szymon Kuczynsk

Schlimmeres konnte er nur mit einer abenteuerlichen MacGyver-Konstruktion verhindern. Erst baute er eine Schiene und sicherte sie mit Dyneema Tauwerk, dann nahm er den Großbaum zu Hilfe, um das Hauptrohr zu stabilisieren. Kuczynski barg das Großsegel und stellte sich darauf ein, die letzten 7000 Meilen nach Plympouth nur unter Fock zu bewältigen. Den Rekord hatte er abgehakt.

Baum verstärkt Mast © Kuczynski

Immerhin verließ er auf diese Weise die Gefahrenzone, aber der Speed sank dramatisch. Als sich das Wetter beruhigte, gelang dem 38-Jährigen eine weitere Verstärkung des Mastes, indem er um das Profil herum laminierte. Danach konnte er wieder Vollzeug setzen und auch den Äquator überqueren.

Seegras und Bewuchs

Benedettos Rekord war auch wieder in Reichweite geraten. Doch Kuczynski verlor viel Zeit, als er in wärmeren Gefilden die Seegras-Felder durchqueren musste, die auch gerade den Volvo Ocean Racern große Probleme bereitet haben. Und der sich in der Flaute verstärkende Rumpf-Bewuch verlangsamte das Fortkommen zusätzlich.

Szymon Kuczynsk

Verdienter Schluck aus der Pulle. © Mayflower Marina

Dennoch ließ sich der Einhand-Skipper vom Ehrgeiz packen, saß viel Stunden selber an der Pinne und wollte in Plymouth die Zeit des Italieners unterbieten. Es klappte aber schließlich doch nicht. Gut zwei Tage fehlten. Aber was bedeutet das schon bei einer Zeit von 270 Tagen?

Der Abenteurer wurde enthusiastisch von Freunden und Familie in England empfangen. Ein polnisches Fernseh-Team fing den Moment der Ankunft ein. Kuczynskis erste Worte: “Ich fühle mich großartig, und es ist toll, hier so viele bekannte Gesichter zu sehen. Ich habe so viel gelernt, besonders durch die härtesten Momente bei extremen Wetterbedingungen.

Es haben nicht mehr als 300 Menschen, den Planeten einhand umsegelt, und nur 80 haben es nonstop und ohne Hilfe geschafft. Ich bin stolz, einer von ihnen zu sein. Es war ein großer Spaß und ein fantastisches Abenteuer. Ich will mehr davon!”

Schon einmal um die Welt

Für Kuczynski ist das keineswegs die erste Weltumsegelung auf seiner Maxus 22. In den Jahren 2015 und 2016 segelte er damit bereits rund um den Globus, legte aber mehrere Zwischenstopps ein.

Szymon Kuczynsk

© Mayflower Marina

In einem SR-Interview erklärt er, was ihn mit dem kleinen Schiff auf die hohe See treibt:

“Ich habe mit 11 Jahren auf einem Binnensee bei Grimbergen segeln gelernt und meine Leidenschaft für diesen fantastischen Sport war geweckt. Seitdem hat mich das Segeln nicht mehr losgelassen. Auf die Idee, um die Welt zu segeln, kam ich schon als Kind, da habe ich die Bücher von solchen Segelikonen wie Tabarly, Moitessier und Hiscock gelesen. Nach der Segelschule bin ich dann Regatten gesegelt, überwiegend auf kleinen Segelschiffen, auf der Ostsee….

Szymon mit seiner Maxus 22 am Wind. © Kuczynski

Da mein finanzielles Budget nicht so groß ist, habe ich mich für ein kleines Schiff entschieden. Kleines Schiff – kleine Probleme, wenig Elektrik, überschaubarer Unterhalt, beherrschbare Segelgröße, näher zur Natur und näher zum Wasser…

Ich genieße es wirklich sehr, jeden Tag auf dem Boot zu sein, das allein macht mich schon sehr glücklich…

Also ich denke, dass jeder, der an sich glaubt und über ein bisschen Geld verfügt, mit einem seetüchtigen kleinen Schiff große Reisen unternehmen kann. Es muss ja nicht immer um die Welt sein. Wichtig ist auch mal, auf Komfort und Luxus verzichten zu können.”

Szymon Kuczynsk

Die Route um die Welt mit Start und Ziel in Plymouth.

 
 
 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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