Alternative Energien: Phil Sharp will mit Wasserstoff um die Welt – Test mit Class 40 OceansLab

"Dringend benötigter Erstanwender"

Will wirklich emissionsfrei über den Teich © Phil sharp

Natürlich ist der Brite mit seinem Wasserstoff-Brennstoffzellen-Prototyp nicht der Erste, der sich mit dieser alternativen Antriebsform beschäftigt. Aber er gilt als Vorreiter, der damit einhand über den Atlantik rocken will.

Phil Sharp ist in der internationalen Hochseeregattaszene längst als „sichere Bank“ etabliert. Seit 2003 mischt der heute 38-jährige Brite auch (oder im Besonderen) die französische Hochseeszene auf – er zählt seit Jahren zu den wenigen Nicht-Franzosen, die in den Hochsee-Trainingszentren Lorient und Port la Foret aufmerksam beobachtet werden. Im Mini-Zirkus (Rang 4 Mini Transat 2005 inkl. 24-Stunden-Rekord) zeigte er erstmals Flagge, im Figaro verdiente er sich Respekt und in der Class 40 stieg er gleich fulminant mit einem Sieg bei der Route du Rhum 2006 ein. 

Phil Sharp will emissionsfrei über den Teich © Phil sharp

Überhaupt scheint ihm die Class 40 sozusagen auf den Leib geschnitten zu sein. 2012 stieg er mit einer eigenen Kampagne voll ein und blieb der robusten, aber auch innovativen Klasse bis heute treu. Er triumphierte etwa beim Normandy Channel Race und beim Round Britain, wurde Zweiter beim Fastnet Race (Class40-Wertung), schaffte Rang 3 beim Transat Bakerly 2016  und bei der letzten Route du Rhum (2018). 

Techniker und Regattasegler

Doch nicht nur mit sportlichen Leistungen macht der Brite von sich reden. Er fiel auch durch seine Vorlieben für technische Innovationen im Bereich Umwelt- und Meeresschutz auf. Mit seinem neuen Sponsor Ocean’sLab zielt Phil Sharp nun – ganz aktuell – auf das Thema „Zero Emissions“: Regattasegeln und Rekordfahrten ohne jeglichen Ausstoß von Emissionen. 

Phil Sharp, nachdem er den Round Isle of Wight”-Einhand-Speedrekord gebrochen hat © oceanslab

In Zeiten, da schon die simple, weitgehend emissionsfreie Überführung einer Greta Thunberg auf Boris Herrmanns IMOCA „Malizia“ weltweite, durchaus kontrovers geführte Diskussionen auslöste, ist ein „Zero Emission“-Thema besonders attraktiv. Doch Phil Sharp beteuert, dass ihm dieser Themenbereich seit Jahren am Herzen liegt. Nun kann er ihn dank Ocean’sLab zu einem persönlichen Höhepunkt bringen.

Sharp und Ocean’sLab wollen nichts Geringeres, als der Wasserstoff-Brennstoffzelle zu ihrem endgültigen Durchbruch als Energieerzeuger auf Regattabooten und – ganz unbescheiden – in der Berufsschifffahrt verhelfen. 

Phil Sharp führt aus: „Über 90.000 Schiffe transportieren derzeit über 90 % der global gehandelten Güter über die Weltmeere.  Diese verursachen 3 % der weltweiten CO2- und Treibhausgasemissionen, 13 % der globalen Schwefeloxidemissionen und 15 % der globalen Stickoxidemissionen. 

Das Global Maritime Forum hat nun durch Forschungsstudien von Lloyd’s Register und UMAS die Bedeutung von Wasserstoff als Weg zur emissionsfreien Schifffahrt und den Bedarf an skalierbaren Demonstrationsprojekten ermittelt.  

Meine Class 40 OceansLab ist einer dieser dringend benötigten Erstanwender für die Einführung von Wasserstoff auf See, um Entwicklungen durch technische Analysen bei Weltumseglungen wie etwa dem Ocean Race im Jahr 2021-22 und den Solo-Klassikern Vendée Globe im Jahr 2024-25 zu beschleunigen.“  

Tatsächlich wird noch in diesem Jahr ein IMOCA für Sharp und eine OceansLab-Crew gebaut, mit dem der Brite als Steuermann beim Ocean Race und später als Solist beim Vendée Globe um die Welt rasen will. Emissionsfrei, bitteschön. 

Tests für die Berufsschifffahrt

Dass Sharp seine Regattafahrten mit Wasserstoff-Prototypen als Animation und Test für die Berufsschifffahrt  sieht, wird von einigen Kritikern als etwas vermessen bezeichnet. Schließlich gibt es bereits seit Längerem mit Wasserstoff – und Brennzellen-Technologie betriebene Schiffe (etwa bei der Marine) und auch erste Motoryachten mit Wasserstoffantrieb werden bereits angeboten.

Die großen Reedereien machen sich gezwungenermaßen ebenfalls ihre Gedanken über die Verwendung von Wasserstoff als Energieträger. So will Aida Cruises als erste Kreuzfahrt-Reederei der Welt ab 2021 Brennstoff-Zellen an Bord eines Luxusliners testen. 

So sieht’s aus! © oceanslab

Doch Sharp kontert in solchen Fällen, dass es im Prinzip nicht genügend Praxistests geben kann und seine Erfahrungen sozusagen im vergrößerten Maßstab exakt auf die Technologie von großen Schiffen umgelegt werden kann.

Die Vorteile des Wasserstoffs – ob zur Stromerzeugung auf Regattabooten oder eben in der Berufsschifffahrt – liegen auf der Hand. Die Energie wird an Bord erzeugt und hat im Prinzip als einzige „Nebenwirkung“ den Ausstoß von Wasserdampf. Allerdings ist Wasserstoff ein relativ leicht entzündliches Gas, das die sowieso schon allgegenwärtige Angst vieler Skipper vor einem Feuer an Bord noch schüren dürfte. Auf Phil Sharps Class 40 wird mit dem durch Wasserstoff erzeugten Strom ein E-Motor angetrieben und damit die gesamte Elektrik an Bord versorgt. 

10 kW für 40 Fuß

Das Stromerzeugungssystem auf dem OceansLab verfügt über eine 10-Kilowatt-Wasserstoff-Brennstoffzelle (für die IMOCA ist eine 15kW-Zelle vorgesehen), die durch die positive Reaktion von Wasserstoff mit dem Sauerstoff der Luft Strom erzeugt und die Class 40 (der Strom wird direkt von der Brennstoffzelle in den antrieb eingespeist) auf 6-7 Knoten Fahrtgeschwindigkeit bringen kann.

Sharp testet den Prototypen erstmals offshore und einhand beim 3.000-Seemeilen-Solorennen „The Transat“ von Brest in Frankreich nach Charleston in South Carolina in den USA, das im kommenden Mai gestartet wird. 

Bei „The Transat“ wird OceansLab die Brennstoffzelle und die Solarpanels zum Laden der bordeigenen Lithium-Batteriebank verwenden, die die Navigations- und Kommunikationssysteme an Bord versorgen. Die Wasserstoff-Brennstoffzelle wird zudem außerhalb des Rennens für den elektrischen Antrieb beim Manövrieren in und aus dem Hafen eingesetzt. Sharp will Wasserstoff in Kanistern mitführen und das Boot wird mit Sensoren und einem automatischen Abschaltsystem bei Wasserstofflecks ausgestattet sein.

Schnell segeln – mit Strom aus der Wasserstoff-Brennstoffzelle © oceanslab

„Damit es sich hier tatsächlich um emissionsfrei erzeugte Energie handelt, muss der verwendete Wasserstoff ebenfalls „grün“ sein,“ erklärt Sharp. „Der Wasserstoff, den wir verwenden, wird als grüner Wasserstoff bezeichnet, da er durch die Elektrolyse von Wasser aus regenerativem Strom hergestellt wird. Er wird dann komprimiert und auf das Boot gebracht, wo er in Verbundflaschen gespeichert wird.“

Als wahrscheinlich wichtigstes Feature bezeichnet Sharp ein neuartiges Warnsystem, das an Bord seiner Class 40 vor Lecks und somit austretendem Wasserstoff warnen soll. „Wasserstoff ist extrem leicht und entzündet sich entsprechend schnell,“ erklärt der Segler. „Und Feuer kann bekanntlich keiner an Bord gebrauchen!“. 

Und was ist bei einer Kenterung, wie sie kürzlich Louis Duc mit einer Class 40 passierte? Sharp: „Der Aufbau der Brennstoffzelle ist an Systeme aus der Automobilbranche angelehnt. Dort wurden mit vergleichbaren Systemen bereits reichlich Crashtests durchgeführt – und bestanden!“ 

Die Zukunft?

Phil Sharp weiter: “Brennstoffzellen werden das ‘große Ding’ in der Schifffahrt werden, weil sie mehr als doppelt so effizient wie herkömmliche Verbrennungsmotoren sind und bei Verwendung von grünem Wasserstoff null Emissionen produzieren, was für die Gesundheit unseres Planeten entscheidend ist”, erklärt Sharp. “Schiffe werden in der Lage sein, Wasserstoff-Brennstoffzellen in großem Maßstab einzusetzen, die nach genau dem gleichen Prinzip wie die im OceansLab arbeiten.“

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Michael Kunst

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