Alternativen: Skysails auf „Race for Water“-Katamaran – Expedition gegen Meeresverschmutzung

Sonne, Wind und Wasser(stoff)

Die ausschließlich mit Solarenergie, Wasserstoff und Kite-Segeln angetriebene „Race For Water“ startet in Madeira zur Atlantiküberquerung. Skysails verbessert Energieausschöpfung deutlich.

Trommeln gehört zum Business: Die Verabschiedung des ausschließlich mit nicht-fossilen Energien angetriebenen, optisch und technisch futuristisch wirkenden Katamarans „Race For Water“ zu seiner „Odyssee-Weltreise“ war, wie in Lorient üblich, mal wieder eine mittelgroße Show. Champagner-Korken knallten, auf dem Steg für die ganz besonderen Yachten drängten sich die Schaulustigen und Familien der Reisenden, von Sponsoren gecharterte Fähren, Motoryachten, Segelboote und eine kleine  Armada von Schlauchbooten begleiteten das Schiff ein paar Meilen hinaus auf den Atlantik.  

In den Wochen und Monaten zuvor hatten die französischen Medien bereits reichlich über das neue „Race For Water“-Projekt gesprochen und geschrieben. 

Denn der „Hybrid-Katamaran“ ist in Frankreich längst zu einem Aushängeschild und Botschafter für den Meeres- und Umweltschutz geworden – auch wenn das Forschungs- und Expeditionsschiff unter Schweizer Flagge fährt. 

Odyssee Race for Water, Skysails, Kite, keine Verbrennungsmotoren

Sieht so die Zukunft auf Yachten aus?  © race for water

Als das Boot schließlich Tage später auf Madeira anlegte, war das jedoch – Wahlkampf hin oder her – vielen französischen Medien schon wieder eine Meldung wert. Denn die segelverrückten Franzosen sollte erfahren, wie sich der neu hinzugenommene Antrieb durch die Skysails-Kites in der Biskaya bewährt hatte. Schließlich hatten die Medien diese zwar schon länger bekannte, in Frankreich aber noch nicht sonderlich „registrierte“ Antriebsform als äußerst zukunftsfähig angepriesen.

Antrieb auf 150 Meter Höhe

Unter guten, aber nicht immer „solar-fähigen“ Wetterbedingungen und tagelang andauerndem, achterlichem Wind gelang es tatsächlich gleich während der Biskaya-Durchquerung mehrere Tage lang, den Drachen als hauptsächlichen Antriebsfaktor zu nutzen. Zwar war das System bereits mehrfach vor Lorient getestet worden, doch Erfahrungswerte über längere Streckenabschnitte und das Verhalten in höherem Seegang fehlten offenbar bislang. 

An einem Tag war der Kite mehr als 14 Stunden auf 150  bis 300 Metern Höhe in der Luft und der Crew gelang auf Anhieb sogar ein (automatischer) Kite-Start während der Nachtstunden. Die Ingenieure und Techniker an Bord waren vor allem gespannt, wie gut ein Skysails-Kite den mehr als 100 Tonnen verdrängenden Katamaran auf Touren bringen kann: Ohne Einsatz eines Motors schaffte nur allein die Zugkraft des Skysails eine durchschnittliche Geschwindigkeit von fünf Knoten.  In diesem Zeitraum luden sich die Lithium-Energiespeicher über die Solar-Panels wieder vollständig auf.

Odyssee Race for Water, Skysails, Kite, keine Verbrennungsmotoren

Das umweltfreundliche “Monster” auf hoher See © race for water

Der in eher windreichen Höhen segelnde Kite vollzieht permanent antriebs- bzw. zugdynamische Schleifen in Achter-Form, die eine Effizienz des Kites deutlich erhöhen. So gewonnene Daten und Erkenntnisse fließen direkt in eine Art Daten-Archiv ein, das während der nächsten Monate und Jahre permanent aktualisiert werden soll. So ist die „Odyssee“-Weltreise der „Race for Water“ nicht nur für die Belange des Projektes wichtig, sondern auch zu einem wichtigen Test-Event für Skysails Yacht-Kites unter allen nur möglichen Wetter- und Windbedingungen geworden. Denn Skysails will, nach einem noch nicht durchweg überzeugenden Einstieg in die Handelsschifffahrt, nun auch Motoryachtbesitzer für das Kite-Konzept erwärmen. Mit Skysail-Kite-Systemen an Bord wären Motoryachten, die aufgrund eines beschränkten, antriebsbedingten Radius große Strecken wie etwa eine Ozeanquerung noch nicht in Angriff nehmen konnten, nun zu einem großen Grad autonom. 

Viel autonomer dank Kites

Als die „Race For Water“ kürzlich für ihre Atlantik-Überquerung auf Madeira ablegte, waren die verantwortlichen Techniker an Bord bester Stimmung. „Die im ersten Streckenabschnitt gewonnenen Daten und Erfahrungen unter Skysail-Kite wirkten sich entspannend und beruhigend auf unsere Routenplanung aus,“ sagte Skipper Edouard Kessi bevor die „Race for Water“ in See stach. „Wir wissen nun, dass über uns nicht immer die Sonne scheinen muss, um es mal salopp auszudrücken. Das ist gerade bei einer Atlantiküberquerung sehr wichtig. Laien stellen sich den Sprung über den großen Teich immer als eine sonnenüberflutete Barfuß-Tour vor – doch der Atlantik kann auch anders, und zwar bewölkt!“ Dass man in solchen Fällen jetzt auf ein anderes System vertrauen kann, sei enorm wichtig für das Gelingen der Mission, erklärt Kessi weiter. „Auch wenn es durchaus stark bewölkte Tage mit Gegenwind geben wird!“ 

Odyssee Race for Water, Skysails, Kite, keine Verbrennungsmotoren

Schnappschuss während der Biskaya-Durchquerung © race for water/skysails

Mit eher sprichwörtlichem „Gegenwind“ rechnet man auf der „Race for Water“ sowieso während der gerade begonnenen, auf fünf Jahre ausgelegten Weltreise. Denn die Mission des Projektes wird sie auch oder gerade in sehr entlegene Ecken unseres Blauen Planeten führen, wo Begriffe wie „Umwelt- oder Meeresverschmutzung“ oft noch Fremdwörter sind.

Odyssee Race for Water, Skysails, Kite, keine Verbrennungsmotoren

Man braucht kaum “Hand anlegen”, Start und Landung des Drachens erfolgen automatisch © race for water/skysails

Mit dem futuristischen Aussehen des Katamarans und dem weithin sichtbaren Kite hofft man jedoch auf höchste Aufmerksamkeitswerten und gesteigertes Interesse für die Belange des Umweltschutzes. „Der lässt sich am besten verdeutlichen, indem man mit gutem Beispiel voran geht,“ ist sich Kessi sicher. Es sei wenig überzeugend, wenn man die Leute auf den Müll, der in den Meeren treibt oder vor Inseln und Küsten einfach versenkt wird aufmerksam macht und gleichzeitig die Luft mit Abgasen, Feinstaub und Stickoxyden verpestet!“ Wie Recht er doch hat… 

Die unterschiedlichen Antriebsformen auf der Race for Water:

Solar:

500 Quadratmeter Solar Panels (Marke Sunpower) mit 38.000 Zellen auf dem weit ausladenden Dach/Deck des Katamarans.Die liefern 93 kWh Energie, die den Katamaran auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fünf Knoten bringen. 

Wasserstoff:

25 Flaschen mit Wasserstoff (350 bar) ermöglichen es, 200 kg Wasserstoff zu speichern, der wiederum 2600 kWh Kilowatt Elektrizität liefert. Das entspricht der vierfachen Menge, die in den Lithiumbatterien gespeichert werden können (745 kWh). Damit können sechs Tage Autonomie auf dem Wasser garantiert werden, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fünf Knoten Fahrt.

Kite: 

Skysails setzt 40 Quadratmeter-Kites auf einer durchschnittlichen Flughöhe von 150 Metern ein. Das entspricht rechnerisch einer Segelfläche von 500 Quadratmetern auf Meereshöhe oder 200 kW Antrieb. Somit können unter jeweils guten Bedingungen die beiden anderen Vortriebsarten unterstützt bzw. in ihrer Leistung verbessert werden. Im Video wird von einer Geschwindigkeit von 10 Knoten gesprochen bei gleichzeitigem Solar- und Kite-Antrieb.  

Mehr Info:

PDF-Broschüre Skysails

Website Race for Water

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Michael Kunst

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