America’s Cup Spin-off: Artemis baut eFoil-Arbeitsboot – Weitere Millionen-Investition

Elektrisch Foilen – die Zukunft der Schifffahrt?

Propeller direkt am Foil, dazu ein elektrischer Antriebsstrang – so sieht ex America’s Cup Skipper Iain Percy die Zukunft der motorbetriebenen Schifffahrt. Artemis Technologies expandiert auf 100 Mitarbeiter.

Das America’s Cup Spin Off Artemis Technologies ist für SegelReporter-Leser längst keine Unbekannte mehr. Das innovative Unternehmen des Olympiasiegers Iain Percy wurde 2017 gegründet und hatte sich damals zum Ziel gesetzt, Know-how aus mehr als sieben Jahren Entwicklungsarbeit für den America’s Cup auch in anderen maritimen Bereichen einzusetzen. 

Zukunftsweisendes Spitzenprodukt

Mittlerweile hat sich der Artemis-Ableger mit diversen zukunftsweisenden Öko-Projekten für die Handels- und Passagierschifffahrt einen Namen gemacht. Ein Prestige-Objekt sind dabei emissionsfreie Fähren, die in Belfast gebaut werden. 

Das Spitzenprodukt von Artemis Technologies ist der eFoiler. Er basiert auf der Integration einer elektrischen Motor-Generator-Einheit in ein autonom gesteuertes Foil. 

Durch deutliche Reduzierung der benetzten Rumpffläche und des Luftwiderstands stellen eFoiler nach Iain Percys Aussagen die „erste praktikable Lösung für die Einführung eines emissionsfreien Hochgeschwindigkeitsseeverkehrs dar“.

Nach viel Begeisterung und Akzeptanz in der Szene, wurde das junge Unternehmen (im Rahmen eines Belfaster Maritim-Konsortiums) mit einem 60 Millionen Pfund schweren Investitions-Zuschuss für diverse Projekt-Entwicklungen gefördert. Über vier Jahre hinweg sollen mehr als 100 Forschungs- und Entwicklungsarbeitsplätze geschaffen werden. Bis in zehn Jahren hofft man, weitere 1.000 Arbeitsplätze rund um die Belfaster Region zu etablieren. 

Jobs in Belfast

Derzeit ist Artemis Technologies auf der Suche nach den „hellsten Köpfen“ im Schiffsbau und Ingenieurswesen, um sie auf die o.g. Forschungs- und Entwicklungs-Arbeitsplätze und für Jobs im Bereich Administration nach Belfast zu locken (siehe Video). Das Team soll von derzeit 25 Mitarbeitern bis auf 100 im nächsten Jahr anwachsen. Chief Operation Officer Mark Gillan spricht von einer einzigartigen Möglichkeit für zukunftsorientierte, technik-affine Menschen. 

Das eFoil-System von Artemis Technologies © artemis techn.

Neben dem 60 Millionen-Investment, bei dem mehr als die Hälfte von der britischen Regierung aufgebracht wird, erhielt Artemis Technologies zusätzliche finanzielle Unterstützung durch einen „Quereinsteiger“, den man nicht unbedingt unter den Investoren für ein „Zero-Emission“-Projekt vermutet hätte.

Die Gunvor Group, ein Ölhandels-Riese mit Sitzen in Amsterdam, Genf und Singapur ist neben seinem Hauptgeschäft Ölhandel auch in den Bereichen Optimierung von Erdöl und seinen Erzeugnissen tätig. Die Investition in Artemis Technologies bezeichnet Gunvor als „weiteren Schritt in Richtung einer emissionsfreien Seefahrt“. Ein starkes Signal des viertgrößten Ölhändlers weltweit (Umsatz 87 Milliarden US-$ 2019).

Artemis Racing

Torbjörn Törnquist und Iain Percy. © Sander van der Borch – Artemis Racing

Allerdings ist diese Finanzspritze nun auch wieder kein Wunder, wenn man bedenkt, wer hinter Gunvor steckt. Der gebürtige Schwede Torbjörn Tornquist hat die beiden America’s Cup-Auftritte von Artemis mit weit mehr als 200 Millionen Dollar finanziert. Tornquist hatte 2014 während der Krim-Krise die Anteile seines russischen Partners an dem Rohstoffhandel-Konzern übernommen, nachdem dieser auf die Schwarze Liste der USA geraten war. Artemis hatte 2017 in Bermuda das Louis Vuitton-Cup-Finale 2:5 gegen Oracle USA verloren.

Artemis Tornquist

Fröhlicher Team-Chef. Torbjörn Tonquist beglückwünscht seine Männer zum Einzug ins Herausforderer Finale 217 in Bermuda. © ACEA 2017 / Photo Gilles Martin-Raget

Doch auch finanziell potente Investoren (welcher Art auch immer) wollen möglichst rasch Ergebnisse für das investierte Geld sehen. Deshalb entschloss sich Artemis Technologies zum Bau eines „Electric Foiling Workboats“, mit dem in relativ kurzer Zeit die besonderen Vorzüge des Artemis eFoil-Systems „am Objekt“ und unter „realen Bedingungen“ gezeigt werden sollen. 

11-Meter-Boot mit eFoils

Dieses erste Boot, das mit dem transformativen Artemis eFoiler ausgestattet ist, wird ein 11 m langes Mehrzweck-Arbeitsboot sein, das von der Tuco Marine Group bereitgestellt wird. Das Arbeitsboot wird eine Reisegeschwindigkeit von 25 kts, eine Höchstgeschwindigkeit von über 30 kts und eine Reichweite von 60 sm bei Reisegeschwindigkeit haben.

Auf diesem Arbeitsboot sollen bald die Vorteile der eFoils in der Praxis demonstriert werden © artemis techn.

Zu den Kerntechnologien des Artemis eFoiler gehören Foils, ein Steuerungsssystem für die „Flugphase“ und ein elektrischer Antriebsstrang. Alle Elemente wurden in relevanten Umgebungen entwickelt und getestet. Die Kombination dieser Kernkomponenten soll einen Übergang zum emissionsfreien Hochgeschwindigkeits-Seeverkehr ermöglichen.

Mark Gillan: „Der Artemis eFoiler ist eine wirklich transformative Innovation, die kommerziellen Betreibern auf der ganzen Welt helfen wird, ihre Kohlenstoffemissionen drastisch zu reduzieren. Das elektrische Antriebssystem bietet eine beträchtliche Reichweite bei hohen Geschwindigkeiten und reduziert gleichzeitig die Betriebskosten durch erhebliche Kraftstoffeinsparungen. Bis heute haben wir umfangreiche Konstruktions- und Entwicklungsarbeiten an den Foils, dem Antriebsstrang und dem Steuerungssystem durchgeführt.“ 

Noch in diesem Jahr soll die Fertigungs- und Testphase des eFoil-Arbeitsbootes beginnen. 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „America’s Cup Spin-off: Artemis baut eFoil-Arbeitsboot – Weitere Millionen-Investition“

  1. avatar ds sagt:

    Das lvc Finale war wohl nicht gegen den Herausforderer sondern etnz

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