Anders leben: Als Teenager auf Langfahrt – 15-jährige Maia erzählt von Bord

Dating ist schwierig

Weltumseglung, Familie, Teenager

Maia und ihre Eltern Evans und Diane heute…  © selkirk

Seit acht Jahren segelt die junge Kanadierin Maia Selkirk mit ihren Eltern um die Welt: Ein Leben voller Abenteuer und doch so „normal“. Auf ihrem Blog berichtet sie vom Alltag an Bord, der niemals einer war.

Sie erinnert sich noch genau. Im zarten Alter von sieben Jahren segelten Maia und ihre Eltern an einem schönen Sommertag einfach los. Vancouver, die Stadt, in der sie aufgewachsen war, verschwand langsam hinterm Horizont und vor ihr lag das wilde, freie Leben einer Weltumseglerin.

Mutter Diane und Vater Evan waren in Maias „kleiner“ Welt schon immer mit dem Segel-Virus infiziert, hatten bereits vor Maias Geburt lange Törns unternommen und redeten nun seitdem ihre Tochter denken konnte, von nichts anderem als vom Lossegeln.

„Wir hatten alle Zeit der Welt, es gab kein „von…bis“ und, hey, bald schon sollte ich mit Delphinen schwimmen, Meerjungfrauen kennenlernen, nach Seesternen tauchen und Kokosnüsse pflücken. Wenn das nichts ist!“ erinnert sich Maia heute schmunzelnd auf ihrem Blog.

Weltumseglung, Familie, Teenager

… und damals, kurz nach der Abfahrt © selkirk

40.000 Seemeilen mit den “Alten”

Logisch, wenn man sieben Jahre jung ist, sieht die Welt etwas anders aus, als wenn man sie durch die Brille einer 15-Jährigen betrachtet. Seitdem segelte Maia auf dem 40-Fuß-Holzkatamaran „Ceilydh“ mehr als 40.000 Seemeilen, schwamm unzählige Male mit Delphinen, spielte auf den schönsten Stränden unseres Planeten, beschloss, dass sie lieber doch keine Kokosnüsse mag und bedauert es nach wie vor, dass sie noch keine Meerjungfrau gesehen hat. „Aber das kann ja noch kommen,“ gibt sich der Teenager zuversichtlich.

„Das Leben an Bord ist in all’ den Jahren das gleiche geblieben – nur die Umgebung wechselt ziemlich häufig,“ beschreibt Maia weiter. „Mein „Reich“ ist eine höhlenartige Kabine mit nichts als einem Bett drin, in dem ich heute gerade mal noch aufrecht sitzen kann.

Direkt nebenan ist der Salon, in dem sich das eigentliche Leben der ganzen Familie abspielt. Er dient als Wohn-, Ess- und Klassenzimmer; mein Spielzimmer war dafür unendlich groß. Die ganze Welt da draußen lag mir zu Füßen… ein Traum, den ich aber als Kind für selbstverständlich erachtete.“

Nur einen Nachteil erkannte Maia bis heute in der Raumaufteilung von „Ceilydh“: Sie kann keine Tür laut hinter sich zuschlagen – weil es zu ihrem Zimmer keine gibt!“

Weltumseglung, Familie, Teenager

Der ganz große Törn– ein Geschenk ihrer Eltern, das sie wohl nie vergessen wird! © selkirk

Hast du Ferien?

Wenn sie irgendwo auf Nichtsegler trifft, dann lautet immer die erste Frage:“ Gehst du nicht zur Schule oder hast Du gerade Ferien?“ Gebetsmühlenartig erwidert dann Maia den immer gleichen Satz: „Nein, ich lebe auf dem Boot und ich werde von meiner Mutter – sie ist Schriftstellerin – in Englisch und Geschichte unterrichtet und mein Vater – ein Schiffbauingenieur – hilft mir bei den naturwissenschaftlichen Fächern. Obwohl, mittlerweile scheint ihm Biologie ziemlich auf den Zeiger zu gehen!“

Bei längeren Aufenthalten an Land besucht Maia schon mal eine adäquate Schulklasse, nur um festzustellen, ob sie „auf der Höhe“ mit ihrem erlernten Wissen ist. „Wir hatten nie das Gefühl, dass Maia mit irgendwas im Rückstand ist,“ erklärt dann auch Mutter Diane auf ihrem akribisch geführten, höchst lesenswerten Blog. „Sie war immer ein ganz normales Kind, mit seinen Allüren, ziemlich speziellen Charakterzügen und reichlich Freunden in jedem Hafen.“

Auch dies ist ein Thema, mit dem Teenager Maia während ihrer langen Reise immer wieder konfrontiert wurde. Als sie noch jünger war, fragten hauptsächlich besorgte Touristen, die vom Blauwassersegeln keine Ahnung hatten, ob es dem armen Kinde denn nicht langweilig so ganz alleine sei. „Von wegen alleine,“ schmunzelt Maia sogar heute noch darüber.

In welchem Hafen die „Ceilydh“ auch anlegte, egal in welcher Bucht sie ankerte… in nullkommanix hatten sich die Kinder der Umgebung – auf Schiffen oder an Land – zusammengefunden und spielten.

„Es war immer das gleiche Szenario: bei uns auf dem Katamaran trafen sich die wildesten Gangs und wir ließen es meistens so richtig krachen!“

Weltumseglung, Familie, Teenager

Die “Gang” auf dem 40-Fuß-Katamaran © selkirk

Frau Soundso von Yacht Soundso

Heute sieht der Teenager das Thema altersbedingt etwas kritischer. Maia: „So schön das auch immer ist mit den Gruppen, letztendlich ist die Blauwasserszene aber ziemlich klein. Jeder kennt also jeden, und das kann schnell nerven. Neulich habe ich mich, sagen wir mal, mit einem der Jungs etwas besser verstanden. Und prompt wurden wir von einer Frau Soundso von der Yacht soundso beim Bummeln am Strand gesehen. Als ich zurück auf „Ceilydh“ kam, grinsten mich beide Eltern schon erwartungsvoll an. Ob er nett sei – meine Güte, was für eine Frage! – und ob ich ihn wiedersehen würde und all so ein Zeugs. Oberpeinlich!“

Je älter Maia wurde, umso mehr spannten ihre Eltern sie auch in die Segelei ein. Als Nesthäkchen verbrachte sie die meiste Zeit während der Überfahrten unter Deck, heute schiebt sie genauso Wache wie ihre Eltern und segelt die „Ceilydh“ über die Weltmeere.

Vor allem im Pazifik lernte die junge Frau während stürmischer Überfahrten „vollständigen Respekt vor der See“. „Mittlerweile müssen mir meine Eltern nur noch selten zur Hand gehen, wenn ich Wache habe und Ruder gehe,“ sagt Maia. „Ein wichtiger Schritt zum Erwachsenwerden.

Weltumseglung, Familie, Teenager

Dating klappt irgendwie nur suboptimal © selkirk

15. Geburtstag auf Hoher See

Ob sie sich ein Leben an Land überhaupt noch vorstellen kann, wird Maia immer wieder gefragt. Logisch, antwortet sie dann. Und zwar ziemlich bald schon. Denn mittlerweile wird der Lernstoff für die 15-Jährige zu intensiv für den Bordunterricht, eine Schule – wahrscheinlich in Vancouver – steht bald schon auf dem Plan.

Doch noch wird das Leben an Bord in vollen Zügen genossen. Ihren 15. Geburtstag feierte Maia Anfang September auf Hoher See auf dem Weg Richtung Curacao in der Karibik. Ein Wetterfenster hatte sich nicht rechtzeitig geöffnet für eine dicke Party an Land… auch egal. Schließlich waren die Eltern schon vorsorglich ein Geschenk mit ihr einkaufen gewesen: Die lang ersehnten High Heels. Und von einer Erkrankung durch den Zika-Virus hat sich die junge „karibische Schönheit“ sichtlich auch längst erholt.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass unsere Weltumseglung das Beste war, was wir für unsere Tochter tun konnten,“ schrieb Mutter Diane einmal auf ihrem Blog. Und dass sie jetzt langsam aber sicher flügge wird, sei eben der Lauf eines jeden jungen Lebens – egal ob an Land oder auf See.

Blogspot Ceilydh

Blog Maia (nur bis April 2016 aktualisiert)

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *