Anders leben: Der Kreis schließt sich – Steuerhuhn Monique und Skip Guirec in der Karibik

Vive la vie!

Neuestes Video von der brasilianischen Insel Fernando de Noronha:

Was haben der junge Bretone und sein Huhn nicht alles ersegelt: drei Transat, arktischer Winter im Packeis, Nordwestpassage, Pazifik, Antarktis, Kap Hoorn und Kap der Guten Hoffnung.

Sie sind DAS Paar in der Blauwasserszene: Sie ist schön, wohlgeformt und keinem Abenteuer abgeneigt. Er ist jung, neugierig und will wissen, wie’s hinterm Horizont weitergeht. 

Blauwasser, Huhn

Monique und ihr Skip Guirec sind wieder zurück in der Karibik © voyages d’Yvenic

Beide zusammen haben es immerhin zum Status „schrägste Paradiesvögel der Blauwasserszene“ geschafft. Darf ich vorstellen: Monique und Guirec – Crew und Skip auf der „Yvenic“, ein 11,80m-Stahlschiff aus dem Jahre 1985. 

Die beiden haben sich auf den Kanaren kennengelernt, Freundschaft geschlossen und sind dann gemeinsam losgeschippert. Der Plan: Immer weiter segeln, bis man irgendwann wieder seine Route kreuzt.

Das wäre nun für die Langfahrtszene kein ungewöhnliches Ereignis. Denn junge Skipper lernen bekanntlich öfters Damen in den Häfen kennen.  Der Clou dieser Freundschaft: Monique ist ein Huhn. 

Ja, richtig gelesen: Guirec Soudée freundete sich mit einem Legehenne an, brachte sie an Bord seiner „Yvinec“, führte das erfreut gackernden Tier ein bisschen herum, lockte wohl auch mit einem schmackhaften Dinner aus Körnern und Fischstückchen und erhielt schließlich von Monique das Ja-Gackern für eine gemeinsame Weiterreise.

Der Deal: Monique legt dem Skip möglichst jeden Tag ein frisches Ei, damit dessen Proteinhaushalt in den Wasserwüsten keine Mangelerscheinungen aufweist. Und dafür bringt Guirec seiner Monique coole Sachen bei wie Rudersitzen auf der Yacht, Surfen, Skateboarden und, ja tatsächlich auch Schlittenfahren.

Ausguckhuhn und Steuerhenne

Die meisten SR-Leser kennen die beiden bereits. Seit 2014 begleiten wir das Steuerhuhn Monique und ihren Skipper Guirec (SR-Berichte). Und dabei wurde es uns (und denen sowieso) niemals langweilig. Nicht nur, weil sie seglerisch wirklich Großes vollbracht haben. Sondern auch, weil sie zu einem Team zusammengewachsen sind, das seinesgleichen sucht.

Frühes Video von der ersten Transat

Ja, Team: Denn Monique zeigte als Steuerhuhn auf der Pinne reichlich Talent, machte sich als Ausguckhuhn auf der zweiten Saling in schwierigen navigatorischen Situationen nützlich und schrieb nebenbei sogar ein Buch für Kinder (oder war es der Ghostwriter?). Guirec revanchierte sich als Aufpasser, wenn Monique in haiverseuchten Gebieten sicher vom Ankerliegeplatz zum lockenden Strand wollte oder auf Eisschollen sich mal die Krallen vertreten wollte, obwohl Eisbären hinter dem nächsten Eisberg lauerten. 

Tausend Eier später…

Nun meldet Guirec auf Facebook, dass sie erneut in der Karibik angekommen sind und sich der Kreis schließt.  Und was für ein Kreis! Drei Jahre segelten die beiden über die großen Ozeane unseres Planeten. Mehr als 40.000 Seemeilen legten sie dabei zurück, über Tausend Eier wurden gelegt (und verzehrt). 

Sturm vor Grönland

Sie segelten über den Atlantik erstmals in die Karibik, nahmen dann Kurs Nord, überwinterten 130 Tage lang im Packeis vor Grönland. Sie kreuzten durch die (kurzzeitig) eisfreie Nordwestpassage, und schipperten durch den Pazifik von Nord nach Süd, weitab vom amerikanischen Kontinent. Monique und Guirec meisterten das Kap Hoorn, segelten in den 40-, 50- und 60iger Breitengraden und legten schließlich am Antarktischen Kontinent an.

Danach eine zweite Transat durch den südlichen Atlantischen Ozean bis zum Kap der Guten Hoffnung, dem südlichsten Punkt Afrikas. Kurz darauf die dritte Atlantikquerung nach Guyana und Brasilien. Um dann erneut in den verträumten karibischen Buchten vor Anker zu gehen. 

Womit sie ihre erste Route kreuzten und sich der Kreis nicht nur im übertragenen Sinne schließt. Monique und Gueric haben auf „Yvenic“ eine seglerische Leistung vollbracht, die alles andere als alltäglich ist. Vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, dass Guirec heute erst 26 Jahre jung ist. Und Monique für die meisten seemännischen Aufgaben erst angelernt werden musste. 

Gehungert, gekämpft und durchgekentert 

Guirec schreibt mit Blick zurück auf seiner Facebook-Site (Auszüge): 

Wir sind größer, älter, erwachsener geworden und haben uns auch ein wenig verändert. Wir haben Abenteuer erlebt, wie wir sie niemals für möglich gehalten hätten. 

Als wir das erste Mal in der Karibik waren, in diesem kristallklaren Wasser mit seinen bunten Fischen schwammen, unter den Palmen auf den Stränden lagen, hatte ich noch keinerlei Ahnung von dem, was uns in den darauf folgenden Jahren erwarten sollte. 

Ein Jahr in der Arktis

Es war nicht immer einfach. Wir haben in unendlich langen Polarnächten ausgeharrt, wir haben gegen Tonnen von Eis gekämpft, die „Yvenic“ zu zermalmen drohten. Wir haben tage- und nächtelang bei eisiger Kälte an der Pinne gegen Hunger und Müdigkeit angekämpft. Wir haben Stürme überstanden, von denen ich dachte, sie würden nur in Büchern existieren. Wir sind mit 20 Knoten Geschwindigkeit die Wellen hinab gesurft, haben das Boot mehrfach „aufs Ohr gelegt“ und sind sogar ein Mal durchgekentert. 

Aber wir haben unseren Traum gelebt, und zwar zu 100 Prozent. Glücklich, uneingeschränkt, ohne Verpflichtung, mit nur einem Horizont: das Unerwartete, die Freiheit, die unendlichen Möglichkeiten.

Aber es ist noch nicht vorbei! Der Kreis wird sich erst in wenigen Monaten zu Hause in der Bretagne wirklich schließen.

Bis die Hurrikansaison uns ein Fenster bietet, um nach Hause zu segeln,  genießen wir erstmal die Milde der Tropen.

Vive la vie!“ 

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Michael Kunst

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