Anders leben: Die Johnsons flüchten vor dem American Dream und segeln um die Welt

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Weltumseglungen, Aussteiger, Jessica und Matt Johnson

Weg vom American Dream und mit den richtigen Träumen beginnen © johnson

Sie wollten raus aus dem „Hamsterrad“ und setzten Segel für den großen Rundum-Törn. Seit 2008 sind sie unterwegs – derzeit restaurieren sie eine Aluminium-Yacht: „Es gibt noch viel zu entdecken!“

Wenn nicht jetzt, wann dann? Der alte Sponti-Spruch hat in der Segelszene längst Kult-Charakter. Weil er die einzig logische und richtige Antwort auf die immer wieder von Seglern gestellte Frage nach dem „soll ich jetzt oder erst in 10 Jahren los?“ oder „warte ich bis die Kinder groß sind, mehr Geld auf dem Konto schimmelt und endlich, endlich das einzig richtige Boot für den großen Törn gefunden wurde?“

Den Traum vom großen Trip träumen, aber niemals ablegen… das ist normal. Und doch: Viele junge Segler wagen mittlerweile den Törn ins Ungewisse, lassen alles hinter sich, um wahre Freiheit beim Segeln auf langen Schlägen in ferne Länder zu erleben.

Raus aus dem Hamsterrad

Wie etwa die beiden Amerikaner Jessica und Matt Johnson. Sie lebten das, was gemeinhin der „American Dream“ genannt wird. Früh im erfolgreichen Berufsleben, verdiente Matt gutes Geld als Sales Manager und Jessica als Buchhalterin bei einer Versicherungsgesellschaft.

„Wir verbrachten unzählige Abende auf dem Sofa vor der Glotze und machten irgendwie nichts wirklich Spannendes. Wir waren sowas von durchschnittlich,“ erinnert sich Jessica heute. „Es fehlten nur noch die durchschnittlichen 2,5 Kinder in unserem Haushalt!“ Doch bevor es so weit kommen konnte, beschlossen sie den Ausstieg. „Irgendwann stand fest: Wir müssen hier raus aus dem Hamsterrad,“ erzählt Jessica weiter.

Die Lösung ihrer Probleme und der Beginn ihres neuen Lebens war eine 34 Fuß lange Sabre Targa, der sie den bezeichnenden Namen “Serendipity”  gaben (= “mehr Glück als Verstand”, aber auch “Entdeckung”). 2008 kauften sie das Boot, sozusagen als Versicherung, dass sie tatsächlich ablegen würden. Drei Jahre sparten sie sich jeden Penny vom Mund ab, um genügend Geld für den großen Törn beiseite zu legen. 2011 ließen sie ihr bisheriges Leben vollständig hinter sich und setzten Segel – für nichts geringeres als eine Weltumseglung.

Seitdem sind sie unterwegs. Nicht im Rekord-Modus, auf möglichst langen und spektakulären Schlägen über die Ozeane der Welt, sondern eher als entspannte Reisende, die sich in der „Kunst des Müßiggangs“ weiterbilden.

Weltumseglungen, Aussteiger, Jessica und Matt Johnson

Ziemlich beandert in der Kunst des Müßiggangs © johnson

Und tschüss

An den Küsten von 16 Ländern haben sie bisher angelegt und dabei ausgiebige Landgänge unternommen.

„Jeder Tag ist ein neues Abenteuer – das mag abgedroschen klingen, ist aber tatsächlich so,“ schreibt Jessica auf ihrem minutiös gepflegten Facebook-Blog. Das Leben fernab der Couch sei das einzig wahrr.

Sie leben dabei so zurückhaltend wie möglich, um ihre Ersparnisse zu schonen. Zwar werden Gelegenheitsjobs mitunter wahrgenommen, doch hauptsächlich wird das Bankkonto strapaziert. „Wir essen nur selten in Restaurants, speisen lieber auf der Yacht,“ schreiben die beiden belustigt. Das meiste Geld gehe sowieso für Diesel und Schiffsunterhalt drauf.

Auf ihrer Website „mjsailing“ listen sie minutiös die Kosten ihrer Reisen auf und geben so einen interessanten Einblick in ihre Finanzen – ein Thema, über das bei vielen anderen Yachties ja gerne geschwiegen wird.

„Eine der wichtigsten Erfahrungen während der bisherigen Reise sind die Kamerad- und Freundschaften zu anderen Weltenbummlern,“ schreibt Jessica. „Wir hätten nie gedacht, dass da draußen so viele Sympathen anzutreffen sind!“

Weltumseglungen, Aussteiger, Jessica und Matt Johnson

Hinterm Couch-Rand geht’s weiter © johnson

Wie „klein“ die Welt respektive die Seglerszene doch ist, zeigte sich kürzlich in Indiantown, Florida, wo Jessica und Matt gerade ihre Sabre 34 zum Verkauf aufmöbeln und gleichzeitig eine 37-Fuß-Aluminium-Custom-Yacht, die bereits seit 10 Jahren an Land buchstäblich vor sich hinvegetiert, restaurieren.

Kleine Welt

Plötzlich tauchten auf mj sailing zwei Gesichter auf, die allen SR-Lesern seit Jahren bekannt sind: Die Sailing Conductors starteten dort Anfang Juni zu ihrem Atlantiktörn. Und wurden von den beiden amerikanischen Weltenbummlern mit „bittersüßer Wehmut“ verabschiedet, nachdem sie zuvor reichlich Zeit miteinander verbracht hatten.

Weltumseglungen, Aussteiger, Jessica und Matt Johnson

Die Dirigenten werden zum Atlantik-Törn verabschiedet © johnson

Mit dem „neuen“ Boot wollen Jessica und Matt übrigens so schnell wie möglich weiter. „Es warten zwar noch ein paar Monate harte Arbeit auf uns. Aber mit dem Aluminium-Schiff werden wir sicherer auf den großen Meeren unterwegs sein!“ Schließlich gibt es noch viel zu entdecken und fürs Hamsterrad und den American Dream sind die beiden sowieso nicht mehr zu gebrauchen…

mj facebook – sehr lesenswerter Blog

mj sailing Website

Spenden

Ein Kommentar „Anders leben: Die Johnsons flüchten vor dem American Dream und segeln um die Welt“

  1. avatar Addi sagt:

    Ein bisschen boring ist diese Kostenaufstellung ja schon…
    Kamera mit zwei Objektiven, einen Monat später
    Kameratasche aus Leder. Tststs

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 4

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *