Anders leben: Vier bayerische Greenhorns auf Weltumseglung – kultverdächtige “Segeljungs”

Einfach machen!

Sie sind erfrischend anders, weil ziemlich unbeleckt in Sachen „Segeln“: Michi, Vincent, Tim und Tom (18-20 Jahre jung) sind zum Rundum-Törn gestartet. Ein Lehrstück für alle Zauderer und Zaghaften.

Mal ehrlich: haben wir nicht alle schon mal davon geträumt? Einfach so los und richtig lange wegbleiben. Mit den besten Kumpeln und dann bitteschön gleich die große Runde! Hand aufs Herz: wie oft sind wir nicht schon in Büchern um die Welt gesegelt, haben in Tagträumen Stürmen auf Hoher See getrotzt oder gingen in traumhaften Buchten irgendwo auf der anderen Seite der Erdkugel vor Anker? 

Mal ehrlich, wer träumt nicht von genau sowas? © segeljungs

Und, woran ist eine Realisierung gescheitert? An der Arbeit, der Familie, am Studium, am Geld, an diesem und jenem und überhaupt?

Reichlich Abenteuer-Erfahrung

Genau das wollten sich vier beste Freunde aus Bayern, die gerade mal ihr Abitur geschafft hatten, später nicht vorwerfen. Dieses bedauernde „hätte ich doch“ sollte für alle Zukunft aus ihrem Wortschatz getilgt werden. Also machen, und zwar sofort! 

Ihr Start ins Leben außerhalb des Elternhauses sollte für Michi, Vincent, Tim und Tom ein ungewöhnlicher werden. „Ein halbes Jahr in Australien rumlümmeln und dann ein sinnloses Studium anfangen? Kein Interesse!“ ließen sie verlauten. 

Also sehen sich die vier Freunde nach einem (für sie) eher exotischen Abenteuer um. Zuvor, also in noch jüngeren Jahren, hatten sie während der Schulferien schon oft das Außergewöhnliche geprobt. Sie fuhren mit dem Rennrad durch Deutschland, erlebten einen „One Night Stand in den Alpen“ (der nichts mit Sex zu tun hat), sie glänzten nicht nur schulisch im Wahlfach „Gleitschirmfliegen“, fuhren mit dem MTB quer durch Norwegen und paddelten auf Kajaks durch Spanien. Immer dabei: Kameras und Laptop – damit die armen Daheimgebliebenen und die Couchpotatoes in der Welt da draußen zumindest ein wenig mitträumen können (siehe oben). 

„Ein Segelboot ist doch eigentlich ein cooles Fortbewegungsmittel,“ soll so oder ähnlich einer der vier bei einem Treffen gesagt haben. Und alle stimmten ahnungslos schulterzuckend zu. Denn Erfahrung mit Segeln hatte lediglich einer, wenn auch nur aus „zweiter Hand“. 

Ein wenig Glück kann nicht schaden

Tims älterer, kitesurfender Bruder besitzt eine etwas betagte, 14-Meter-Stahlketsch (Bj. 1991). Und als dieser Bruder dann ziemlich selbstverständlich Tim und seinen Freunden das Boot überließ, war allen Beteiligten schnell klar, womit sich „die Vier“ in den nächsten Jahren fortbewegen würden. Ach ja, sprachen wir schon von der Reiseroute? Natürlich soll es eine Weltumseglung werden, was sonst? 

Liest sich das alles etwas blauäugig? Ist hier nicht ein bisschen zuviel jugendlicher Leichtsinn im Spiel? Vier bayerische Jungs ohne jegliche Segelerfahrung wollen auf einem alten Kahn um die Welt segeln – wo bleibt da der Respekt vor den Elementen, vor der See?

Auch manche Eltern der Vier zeigten sich besorgt, wandten sich an Trans Ocean e.V., der sie wiederum zu einem ihrer Mitglieder in München weiterleitete. War es gewollt, Zufall oder Fügung, dass sich ausgerechnet Wolfgang Quix als Berater für die Segel-Greenhorns zur Verfügung stellte?

Der Mann ist schließlich eine Legende, vor allem wenn es um eher unkonventionelle Langfahrten geht (z.B. Teilnahme an der ersten Mini Transat überhaupt, 1977, auf der 5,70 m kurzen Waarwolf). Quix fand wiederum Gefallen an den vier Segelrookies, gab Tipps zum Umbau der Yacht, empfahl die klassische „Barfußroute“  und beruhigte so die Eltern, ermunterte die angehenden Weltumsegler. 

Wenden üben auf bayerischen Seen

In relativ kurzer Zeit wurde die „Eira“ aus- und umgebaut, eben langfahrttauglich gemacht. Zwei der Jungs arbeiteten auf dem Boot, die anderen beiden verdienten in Bayern Geld. Es wurde für Segelscheine gebüffelt und auf dem Wörthersee (auf Jollen) „wenden“ geübt. Und so lapidar sich das jetzt hier lesen mag: Im September ging es los. Mit minimalem Aufwand, viel Glück und “privaten Sponsoren” machten sie sich auf den Weg. 

Heutzutage selbstverständlich: Die Segeljungs (wie sie sich fortan nennen) dokumentieren alles minutiös und mit viel Film- und Schnitttalent auf ihrer Website, auf ihrem Youtube-Channel, mit Podcasts und Instagram. 

So können eben alle an diesem außergewöhnlichen Abenteuer teilhaben. Und es sei jetzt schon, nach ein paar Wochen auf Törn gesagt: Es lohnt sich, den „Segeljungs“ zu folgen, an ihren Erlebnissen zumindest virtuell teilzuhaben und sowieso um sich mit ihnen auf und davon zu träumen. 

Segeljungs, Weltumseglung,

Echte Greenhorns und schon kultverdächtig © segeljungs

Dieses Strahlen im Gesicht der Jugendlichen, als erste Anlegemanöver mehr oder weniger bruchfrei funktionierten. Als sie erste mechanische Probleme auf See alleine lösen konnten, als sie mit selbständiger Navigation trotzdem im nächsten Zielhafen ankamen. 

Während der ersten Tage auf See hatten sie noch einen erfahrenen Segler dabei, der ihnen „auf die Finger schaute“. Und als sie dann wirklich alleine unterwegs waren und irgendwie aus Versehen – sie hatten die Tide unterschätzt –  in England landeten, obwohl sie dort gar nicht hinwollten… geschenkt! 

Nie wieder „hätte ich doch!“ 

Immerhin sind sie jetzt schon im portugiesischen Figueira da Foz. Zuvor wurden sie im Nord-Ostsee-Kanal von der Waschpo angehalten, trotzten ihrem ersten Sturm (und kotzten zünftig), segelten zwischendurch auch mal in paar Hundert Seemeilen ohne Probleme, meisterten die Biskaya und ankerten vor einsamen Inseln. 

Segeljungs, Weltumseglung,

Mal ehrlich, wer träumt nicht von genau sowas? © segeljungs

Alles läuft offenbar locker-flockig ab, die Reise steht unter einem guten Stern. Nur einer macht sich derzeit ein wenig Sorgen, schreibt der Trans Ocean Verein auf seiner Website. Wolfgang Quix meint, dass die Segeljungs zu lange rumbummeln und schon viel weiter südlich sein müssten. Der nächste nordatlantische Winter komme bestimmt. 

Aber was soll’s – das Bisschen Segelei Richtung Kanaren werden die Segeljungs auch noch schaukeln. Eines ist jetzt schon sicher: Für jüngere Generationen ist dieser Törn jetzt schon kultverdächtig. Und für die Alten ein Lehrstück in Sachen „hätte ich doch“. 

Website mit Blog

Youtube-Kanal Segeljungs

Vesselfinder „Eira“ 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Anders leben: Vier bayerische Greenhorns auf Weltumseglung – kultverdächtige “Segeljungs”“

  1. avatar Fred sagt:

    Lieber Michael,
    ich kann dir nur zustimmen. Ich folge dem Youtube – Kanal seit dem Start der Reise. Hier muss man noch hinzufügen, dass die Videos wunderbar gemacht sind. Mit Witz und Würtze alles rüberbringen. Allen Lesern und Zuhausegebliebenen wünsche ich viel Spaß beim Zuschauern.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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