Aquapower: Profisurfer kämpft auf Kat gegen Schmutz im Meer – Felix Oehme an Bord

Transat gegen Plastikmüll

Trailer zur Expedition

Profi Florian Jung surft an den schönsten Spots der Welt… und findet überall Plastik. Also kümmert er sich – mit einer einzigartigen Transatlantik-Expedition auf einem Fahrtenkatamaran. Teil 1: sein Bericht, Videos, Fotos.

Wie kommt man auf die Idee ohne Segelvorkenntnisse eine Atlantiküberquerung durchzuführen? Während eines Surftrips in Bali Ende letzten Jahres, surfte ich an einem Spot, der statt sauberen Wellen eher an eine Art Mülldeponie erinnerte. Plastiktüten und Abwässer der nächsten Großstadt mischten sich zu einer bräunlich stinkenden Flüssigkeit, die auch die schönsten Wellen zunichte machte. Danach war mein Entschluss gefasst. Ich wollte etwas bewegen und meinen Teil dazu beitragen, um auch in Zukunft dieses einzigartige Ökosystem namens Meer zu erhalten.

Aquapower, Expedition, Florian Jung

Sunnyboy mit Mee(h)rblick: Florian Jung © aquapower

Eine lange Segelreise, bei der man täglich mit dem Naturelementen verbunden ist, schien die perfekte Möglichkeit, um Menschen das Meer und dessen Bedrohungen in allen Facetten näher zu bringen. Ich wollte mit Hilfe von ansprechenden Bildern und Hintergrundwissen durch Experten ein größeres Bewusstsein für das Meer erzielen, um so einen Wandel im täglichen Leben vor allem auch bei jungen Menschen hervorzurufen.

Millionen Tiere verrecken am Plastik – jährlich!

Ein Team von Umwelt Experten und Wassersportlern war schnell zusammengestellt, die meine Philosophie teilen und diesem Projekt mit mir zusammen realisieren wollten.

Die finale Route führt an unterschiedlichen Surfspots und wissenschaftlich bedeutenden Gebieten wie dem “Atlantischen Müllteppich” entlang. Dieser Müllstrudel liegt zwischen den Bermudas und den Azoren und erstreckt sich über Hunderte von Kilometern. Abfälle, vor allem Plastik, die wir ins Meer werfen, landen früher oder später vermehrt in diesem Bereich. Jedoch zersetzen sich diese Plastikteile nur sehr langsam (bis zu 400 Jahren) in kleinste Mikropartikel, die dann von den dort lebenden Meeresbewohnern als vermeintliche Nahrung aufgenommen werden. Die Folgen sind verheerend.

Jährlich verenden so mehrere Millionen Tiere, die für das natürliche Gleichgewicht der Meere verantwortlich sind. Kurz gesagt: ” Stirbt der Ozean, sterben auch wir”.

Nachdem ich einige Sponsoren für das Projekt ausfindig gemacht hatte und das Konzept langsam Form annahm, stand ich vor der Entscheidung ein geeignetes Boot für diese Mission zu finden.

Um ehrlich zu sein hatte ich nie länger als zwei Tage auf einem Segelboot verbracht und meine Erfahrungen auf hoher See waren dementsprechend spärlich. Nach einiger Recherche hatte ich eine 50ft Regatta Yacht, einen 42ft Cruiser, der zur Überführung von der Karibik nach Europa bereit stand und einen 50ft Katamaran als mögliche Basis für das Projekt ausfindig gemacht.

Letztlich entschied ich mich wegen des Platzangebots für den Katamaran, da wir bei einer Crew von Surfern und Meeresbiologen ausreichend Platz für unsere Boards und wissenschaftliche Ausrüstung brauchten. Auch der Eigner, ein norwegischer Kapitän namens Arne Osteby, der seinen Ruhestand in der Karibik genoss, fand nach einigen Gläsern Rum Gefallen an der Idee und ließ sich auf das Abenteuer mit uns ein.

Aquapower, Expedition, Florian Jung

Auf dem Weg in die Dominikanische Republik © jung

Surfprofis, Wissenschaftler, Weltumsegler

Nach drei intensiven Monaten der Vorbereitung startet die Aquapower Expedition Anfang April auf der Karibikinsel Guadeloupe. Mit an Bord ist eine wechselnde 8-köpfige Crew bestehend aus drei der weltbesten Windsurfer, einem Medienteam, dem Umweltschützer Adrian Midwood mit Spezialisierung auf Plastikmüll, dem Weltumsegler und Skipper Felix Oehme, der Meeresbiologin Dr. Frauke Bagusche und dem norwegischen Eigner Arne Østeby.

Neben der Suche nach neuen Surfspots in den verschiedenen Destinationen, organisierten wir während der gesamten Reise Umweltaktionen wie Beach-Clean-Ups, Interviews mit lokalen Wissenschaftlern und weiteren Awareness Kampagnen, um durch wöchentliche Videoepisoden und tägliche Bilder auf die Meeresverschmutzung aufmerksam zu machen.

Trotz intensiver Vorbereitung blieb noch Zeit für ein paar Windsurfsessions in perfekten Bedingungen auf der Insel Guadeloupe. Bepackt mit 8 Windsurfboards, Tauch- Equipment, Wellenreitern und anderen Spielzeugen legten wir am 8. April zu einem 3 tägigen Törn von der Karibikinsel Guadeloupe zu den Jungferninseln ab. Dort angekommen kämpfen wir uns durch die harten Bestimmungen des lokalen Zolls und bereiten das Boot auf die kommenden Wochen vor.

Die Virgin Islands sind eines der schönsten Segelreviere der Welt. Die Atolle liegen in direkter Nähe und hinter jede Ecke erschließen sich traumhafte Buchten mit Palmenstränden und klischeehaften Lagunen- nur Wellen suchen wir vergeblich. Nach einer Woche Schnorcheln, einigen informativen Interviews zum Thema “Korallenriffe” geht es weiter mit Kurs auf die Dominikanische Republik.

Mafiaboss mit gezückter Knarre

Kurz nach unserer Abfahrt werden wir von einem schrillen Alarm aufgeschreckt. Aus der Pantry kommt dichter Rauch und der Ofen steht in Flammen. Nach ein paar nervenzerreißenden Momenten ist die Situation unter Kontrolle und das Hähnchen, das fast unseren Segeltörn beendet hätte, kurz darauf in unseren Mägen.

In der Dominikanischen Republik finden wir neben reichlich Müll und einigen Beach-Clean-Ups die ersehnten Wellen und toben uns ein paar Tage aus, bis eines Abends ein wütender Mafiaboss mit erhobener Waffe vor uns steht und uns beschuldigt seinen Strand unerlaubt betreten zu haben.

Aquapower, Expedition, Florian Jung

Mikroplastik-“Ausbeute” nach ein Mal Netz schleppen © jung/aquapower

Wir entschließen uns daraufhin spontan, neue Horizonte zu entdecken und setzen schneller als jede durchtrainierte Regattacrew die Segel um diesem Verrückten zu entfliehen.

Auf der 800 Seemeilen langen Route zu den Bermudas erleben wir Gegensätze, wie sie stärker nicht seien könnten– extreme Flaute und Squalls mit bis zu 45 Knoten und Gewitter wechseln sich stündlich ab. Die Wellen mit bis zu vier Metern Höhe machen die Entnahme von Wasserproben mit dem Planktonnetz zeitweise unmöglich.

Dieses verwendet unsere Meeresbiologin auf jeden Streckenabschnitt über den Atlantik, um im Rahmen eines Forschungsprojekts die Wasserqualität und die Verschmutzung durch winzige Plastikteile auszuwerten. Vor allem in diesem Gebiet ist das Netz voll von den Mikro Plastikpartikeln, die dementsprechend auch von allen Meeresbewohnern in diesem Gebiet aufgenommen werden.

Nach sechs nervenaufreibenden Tagen entkommen wir dem Bermudadreieck und legen im Hafen von St. George auf den Bermudas an.

Kaum von Bord, begrüßt uns der Hafenmeister mit ein paar Runden Rum und auch in den darauffolgenden Tagen werden wir mit offenen Armen und zuvorkommender Gastfreundlichkeit empfangen.

Doch es bleibt nicht viel Zeit, die “to-do-Liste” ist ellenlang. Das Großsegel muss zum Segelmacher, Bilder und Videos müssen hochgeladen werden und Proviant für zwei Wochen auf hoher See sollte an Bord verstaut werden. Irgendwie finden wir dazwischen auch noch Zeit mit ein paar Buckelwalen schwimmen zu gehen und diese für eines unserer nächsten Webvideos vor die Kamera zu locken.

Aquapower, Expedition, Florian Jung

Hochseesegeln ist schon was anders als so’ n bisschen am Strand entlang surfen, oder? © jung/aquapower

Crashkurs im Sturmsegeln

Auch gibt es einen Crewwechsel. Meine Windsurf Kumpels Boujma Guilloul und Camille Juban fliegen für ein wichtiges Event nach Hawaii und auch unsere segelerfahrene Kameracrew musste aus zeitlichen Gründen zurück nach Europa. Spontan wird diese durch Doro Götz, einer Dokumentarfilmerin aus München, ersetzt, die unsere Expedition auf dem Weg bis nach Frankreich filmtechnisch begleiten wollte.

Ohne jegliche Segelerfahrung befindet sie sich zwei Stunden nach ihrer Ankunft auf dem Weg in Richtung Azoren. In den darauf folgenden drei Tagen gewöhnt sie sich zwischen Toilette und Reling auf die harte Tour an die Segelbedingungen des ruppigen Atlantischen Ozeans. In drei Stunden Schichten arbeiten wir uns Meter für Meter Richtung Osten vor.

Auf halber Strecke war es endlich soweit. Ich bekam innerhalb von 24h Stunden einen Crashkurs im Sturmsegeln und konnte die gesammelten Segelerfahrungen der letzten Wochen gut anwenden. Bei Windgeschwindigkeiten von 30 Knoten legte ich gleich zwei Patenthalsen hintereinander hin. Nach einen Wellenritt mit der 22 Tonnen „leichten“ Lagoon 50 fiel ich zu weit ab und bekam den Wind von achtern. Dabei zerfetzte es uns das 1. Reff und einige Klemmen konnten dem Druck nicht standhalten.

Nachdem ich das Prinzip des Halsens nach dem zweiten unkontrollierten Halsenmanöver schließlich gelernt habe, rollte sich dummerweise unser Code Zero im oberen Teil aus und war nur noch ein Fetzen zu bergen. Zur Krönung quittierte einer der beiden Motoren seinen Dienst. So ging es mit weniger Aufregung und nur unter Genua etwas langsamer in Richtung Azoren, wo wir nach 15 Tagen endlich festen Boden unter unseren Füßen zu fassen bekommen.

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Teil 2 von Florians Reportage folgt morgen, Mittwoch

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Zwischendurch mal wieder richtig austoben – Pflichtprogramm © aquapower/jung

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