Astrolabium: Bronzescheibe von Vasco da Gama – ältestes nautisches Instrument seiner Art

Unscheinbarer Sensationsfund

Navigation, ältestes Instrument

Zunächst ahnte keiner, um was es sich handelt © Livro das Armadas/Academia de Ciencias de Lisboa

Eine unscheinbare Bronzescheibe aus einem Schiffswrack aus der Flotte des portugiesischen Entdeckers Vasco da Gama entpuppte sich als mehr als 500 Jahre altes Astrolabium – und damit ältestes nautisches Gerät dieser Art. Als solches bekommt es nun sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.

Sie hat einen Durchmesser von 17,5 Zentimetern und trägt das Wappen Portugals und des portugiesischen Königs. Ihre feinen Linien, die ihre Funktion verraten, aber sind auf den ersten Blick nicht zu sehen. Die unscheinbar wirkende Bronzescheibe, die schon bald ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen wird, wurde bereits 2014 bei einer archäologischen Exkursion vor dem Sultanat Oman in einem Schiffswrack entdeckt. Um welchen Sensationsfund es sich eigentlich handelt, wusste man damals aber noch nicht.

Identifizierung durch 3-D-Lasertechnik

Das Schiff mit dem Namen „Esmeralda“, aus dem die Bronzescheibe stammt, gehörte zur Flotte Vasco da Gamas, der 1498 durch die Umseglung des Kaps der Guten Hoffnung den Seeweg nach Indien entdeckt hatte. Im Jahr 1502 brach er zu einer zweiten Reise nach Indien auf – in einer Flotte von 21 Schiffen. Eines von ihnen war die „Esmeralda“, die 1503 vor der Küste Omans sank.

Vasco da Gama, Porträt von Gregorio Lopes © wikipedia

In einer umfangreichen Untersuchung fanden Experten der britischen Universität von Warwick mittels 3-D-Lasertechnik schließlich feine Linien am Rand der geborgenen Scheibe. Eine genaue digitale Messung ergab, dass diese in Richtung Mitte gesehen jeweils etwa fünf Grad auseinanderliegen. Damit war die Sache für die Experten klar: Bei der unscheinbaren Scheibe handelt es sich um ein sogenanntes Astrolabium, also eine Art drehbare Sternenkarte, mit dessen Hilfe Seefahrer unter anderem Uhrzeiten und Himmelsrichtungen bestimmen konnten. Das Gerät ist allerdings unvollständig und wäre so natürlich nicht mehr als Navigationsinstrument einsetzbar. Eine Abbildung der Sterne fehlt zum Beispiel.

Extreme Seltenheit

See-Astrolabien dienten ab dem späten 15. Jahrhundert als primäres Navigationsinstrument zur Bestimmung des Breitengrades. Funde sind allerdings extrem selten. Gerade einmal 104 bekannte Exemplare gebe es heute, berichteten die Experten Mitte März im „International Journal of Nautical Archeology“.

Vasco da Gama war einer der größten Entdecker seiner Zeit. Er fand mit seiner Flotte u.a. den Seeweg nach Indien © Livro das Armadas/Academia de Ciencias de Lisboa

Aber nicht nur die Seltenheit von Astrolabien macht die Bronzescheibe zu einer kleinen Sensation. Die britischen Forscher konnten ihre Entstehung zudem auf den Zeitraum zwischen 1496 und 1501 eingrenzen. Damit ist das Astrolabium aus Vasco da Gamas Indien-Flotte das älteste nautische Gerät dieser Art – und erhält deshalb einen Platz im Guinness-Buch der Rekorde. Übrigens gemeinsam mit der ältesten Schiffsglocke der Welt, die sich ebenfalls im Inneren der „Esmeralda“ verbarg.

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