Außenbordkameraden: Pilotwale in Neuseeland gestrandet – aus zweiter Gruppe konnten fast alle gerettet werden

Keiner weiß warum

Nachdem bereits 350 Tiere verendet waren, schwamm eine zweite Gruppe Wale auf den selben Strand. Helfer konnten 250 Wale retten. Menschenketten gegen weitere Strandungen. 

Es ist ein Bild des Jammers. Mehr als 400 Wale strandeten auf der Landzunge Farewell Spit am äußersten Nordwestzipfel der neuseeländischen Südinsel. Nahezu drei Viertel der gestrandeten Tiere sind bereits verendet.

Selbst für Neuseeland, dem Land mit der mit Abstand höchsten Wal-Strandungsrate weltweit, kommt dies einer Naturkatastrophe gleich. Die Tierschutzorganisation „Project Jonah“ forderte über Radio und TV alle körperlich fitten Personen im Umkreis des Unglücks auf, an den Strand zu kommen um die überlebenden Tiere bis zu nächsten Flut feucht und ruhig zu halten. 

Gerettete schwimmen zurück an den Strand

Dabei spielen sich berührende Szenen ab: Schulklassen mit Jugendlichen haben sich an die Unglücksstelle aufgemacht, um die überlebenden Tiere mit ständig feucht gehaltenen Decken vor der Austrocknung zu schätzen. Sie singen dabei alte Maori-Lieder, die den Walen Kraft und Überlebenswillen geben sollen.
Weiter draußen, im brusttiefen Wasser, bildeten Hunderte Helfer eine Menschenkette, die weitere, den gestrandeten Tieren folgende Pilotwale von der Unglücksbucht fernhalten sollen. 

„Project Jonah“ hofft, dass es den Helfern gelingen wird, mit Hilfe der kommenden Flut weitere Tiere zurück in tiefere Wasser zu bringen. Man ist jedoch skeptisch, ob diese Hilfsaktionen tatsächlich die Tiere retten werden, da bereits Dutzende Pilotwale nach ersten Rettungsversuchen sofort vom tieferen Wasser wieder zurück zu ihren sterbenden Artgenossen im flachen Wasser und zum Strand schwammen. 

Wissenschaftler und Naturforscher haben keine schlüssige Erklärung dafür, warum immer wieder Wale aller Arten stranden. Als gesichert gilt, dass das Ortungssystem der Führungstiere kurz vor den Strandungen aussetzt oder massiv gestört ist. Gründe hierfür können ein zu hoher Lärmpegel unter Wasser sein, der durch die Schifffahrt verursacht wird. Andere Forscher sehen die Ursache für die Strandungen in einem Naturphänomen: Strandungen kommen offenbar besonders häufig in flachen Gewässern vor, die zudem schlammig sind. Hier scheint das Ortungssystem der Wale „Falschmeldungen“ zu produzieren. 

Wale, Strandung, Neuseeland

Der Nordwestzipfel der neuseeländischen Südinsel gilt seit Jahrzehnten als Wal-Falle © google maps

Gesicherte, wissenschaftlich fundierte Gründe für die Strandungen konnten laut „Project Jonah“ noch nicht gefunden werden. „Keiner weiß warum,“ ist immer wieder in den derzeit zahlreichen Berichterstattungen über dieses Naturdrama zu vernehmen. 

Die größte jemals auf Neuseeland registrierte Wal-Strandung geschah 1918, also lange vor einer Dauerbeschallung der Wale durch exorbitanten Schiffslärm. Damals verendeten mehr als Tausend Pilotwale auf einem Strand. 1985 starben 450 Wale direkt vor Auckland.

Nachtrag: In der Nacht auf Samstag strandete eine weitere Gruppe Wale am gleichen Strand. Mehr als 250 Tiere legten sich neben mehr als 350 tote Artgenossen. Doch diesmal konnten die Helfer nahezu alle neu gestrandeten Tiere dank eines relativ hohen Flutkoeffizienten wieder in tieferes Wasser bringen.

Laut “Project Jonah” wiesen einige Tiere aus der zweiten Gruppen große Bisswunden auf, so dass nun vermutet wird, die Wale seien von Haien gejagt worden und deshalb in Panik in seichteres Wasser geflohen. 

Vor Farewell Spit werden regelmäßig Weiße Haie gesichtet. 

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Michael Kunst

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