Behindertensegeln: Die querschnittgelähmte Hilary Lister segelt im Indischen Ozean

Be-, aber nicht verhindert

Irgendwie geht's immer weiter © Lister

Irgendwie geht’s immer weiter © Lister

Die Britin ist nach ihrem Solo-Rund-Großbritannien-Törn die wohl bekannteste, schwerbehinderte Seglerin. Gestern startete Lister zu einem Trip durch den Indischen Ozean!

Vom Hals abwärts querschnittgelähmt, zählt Hilary Lister nicht gerade zu den Menschen, denen das Schicksal wohlgesonnen scheint. Zumindest auf den ersten Blick. Doch was die 41jährige Britin aus eben diesem Leben macht und wie locker sie mit ihrem Schicksal umgeht, zeugt von einer unbändigen Lebensfreude, wie sie manch vermeintlich „gesunder“ Mensch vielleicht niemals erfahren wird.

„Der Schlüssel zu meiner Lebenslust schwimmt und hat Segel,“ beschrieb sie nach einem ihrer spektakulären Törns in der Vergangenheit einmal treffend. „Menschen mit Behinderungen müssen jeden Tag, jede Stunde über sich hinaus wachsen. Und bei mir spielen sich diese Herausforderungen meistens auf See ab!“

So segelte Lister 2005 als erste querschnittgelähmte Frau einhand über den Ärmelkanal und 2009 – beim zweiten Anlauf –  rund britische Inseln (mit Stopps). Auf einer umgebauten 27-Fuß-Yacht, die sie mit einer technisch komplizierten, vollständig über eine Druckluft- und Saug-Systematik steuern kann. Hilary Lister war bei diesen Törns tatsächlich alleine auf sich gestellt, auch wenn Begleitboote zumindest in der Nähe blieben.

Ein Bld von einem früheren Törn – Lister an ihrem Steuer"stand" © lister

Ein Bld von einem früheren Törn – Lister an ihrem Steuer”stand” © lister

In den darauf folgenden Jahren segelte die Schwerstbehinderte sogar auf Class-40-Yachten mit und sammelte reichlich Seemeilen bei diversen Törns, gemeinsam mit Freunden.

Logisch, dass sie von den Briten als Heldin gefeiert wird: Unzählige Auszeichnungen, Ehrungen, sogar Ehrendoktorenwürden verschnörkeln ihr Curiculum Vitae: Sportswoman of the Year, Britin des Jahres 2006, Superhero-Award und und und…

Von Mumbai nach Maskat

Seit gestern erfüllt sich Hilary Lister einen weiteren Segel-Traum: 800 Seemeilen im Indischen Ozean, von Mumbai/Indien nach Maskat/Oman. Sie ist auf einem (speziell für ihre Belange adaptierten) 28-Fuß-Dragonfly-Trimaran unterwegs, den sie ebenfalls mit der „Puste und Saug“-Technik steuert. Diesmal ist Hilary jedoch nicht allein unterwegs: Ihre Pflegerin (Nichtseglerin) sowie ein  Segellehrer aus Oman sind mit an Bord. Beide sollen jedoch nur im äußersten Notfall in das Geschehen eingreifen, genauso wie ein Kameramann, der als vierter Passagier mitsegelt und das Abenteuer filmt.

Die Strecke, für die ca. neun Tage angesetzt wurden, dürfte die längste Offshore-Strecke sein, die von einer Querschnittgelähmten jemals am Stück absolviert wurden. Ihre bisher längste Zeit auf See waren 72 Stunden (im Team) und 17 h (solo), als sie die Irische See durchquerte.

Anluven, abfallen… wird alles mündlich geregelt © lister

Anluven, abfallen… wird alles mündlich geregelt © lister

Der Dragonfly-Trimaran wurde vollständig für das Schwerstbehinderten-Steuerungssystem über Druckluft umgebaut. Motorwinschen, alle Trimmeinrichtungen, Steuer etc. sind von Lister per Pusten und Saugen über einen Schlauch bedienbar. Auf dem Touchscreen ihres GPS-Plotters kann sie Wegepunkte per „Mundmalen“ setzen…

Um ganz ehrlich zu sein: Auf dieser Website wurde schon über einige große Leistungen auf allen Meeren unseres Planeten berichtet. Doch was Hilary Lister gerade auf dem Indischen Ozean leistet, wird ziemlich viele dieser vermeintlichen Heldentaten in den Schatten stellen…

Hier kann ihr Törn über Tracker verfolgt werden

(Achtung: Die gelbe Linie aus Westen kommend zeigt den Zubringertörn nach Mumbai)

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Behindertensegeln: Die querschnittgelähmte Hilary Lister segelt im Indischen Ozean“

  1. avatar Bluemotion sagt:

    Hut ab vor dieser Frau mit so einem starkem Willen und ganz ganz viel Respekt!. Da erscheinen kleine altersbedingte Handicaps und Problemchen gleich viel kleiner und mit Bedacht überschrittene Grenzen eröffnen neue Horizonte

    Keep on Sailing

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  2. avatar Tim sagt:

    Ich finds auch cool dass sie sowas macht. Ohne Behinderung ist es gut, und mit erst recht.
    Aber der Indische Ozean?? Ich lasse sozusagen fahren, und wenn unsere Schiffe von Mumbai in den Persischen Golf fahren sind sie in Alarmzustand, alle Luken dicht, mit doppeltem Ausguck, mit Stacheldraht umwickelt, AIS ist aus, und sie haben im Zweifelsfall 3-4 bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord. Und die Schiffe sind so 225m lang…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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