Behörden: Spandau will Übernachtung und Stromerzeugung auf Booten verbieten

Behördenwillkür

60 Seemeilen Berlin , Kult, Regatta

Kajütboote auf Berliner Gewässern – bald ein Bild mit Seltenheitswert?  © sören hese

Gefährdet behördliche Willkür den Wassersport in Berlin? Im Spandauer Yacht-Club sollen Mitglieder nicht mehr auf Booten schlafen,  Stegbeleuchtung und Stromversorgung abgeschaltet werden.

Angefangen hat alles mit der etwas skurril anmutenden Feststellung des Berliner Verwaltungsgerichts, dass es „keine wesentlichen Unterscheidungen zwischen Sport- und Hausbooten gibt“. Vorausgegangen war ein Nachbarrechtsstreit, bei dem es um die steigende Anzahl von Hausbooten auf Berliner Gewässern ging und um deren „wildes Anlanden“. Hausboote, die mitunter eher an schwimmende Appartementhäuser erinnern, sorgen bereits seit Jahren in den Berliner Randbezirken für reichlich Diskussionsstoff.

Spandauer Yacht Club, Bezirksamt, Willkür

Kein Unterschied zwischen Haus- und Sportbooten? © spyc

Das Bezirksamt Spandau interpretierte die richterliche Entscheidung (für einen Einzelfall) dahingehend, „dass mit Auflagen wie etwa Übernachtungsverboten gegen das unkontrollierte Anlanden von Hausbooten vorgegangen werden muss“.

Als nun vor Wochen die Verlängerung der Genehmigung für eine Bootsanlage beim Spandauer Yacht-Club anstand, stellte die Behörde Anforderungen, welche die Berliner Wassersportgemeinde in Aufruhr versetzte. Demnach dürfe kein Wassersportler mehr auf seinem Boot übernachten, dort keinen Strom mehr erzeugen (etwa per Solar-Panel oder Windrad) und die Steganlage dürfe keine Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen mehr haben. Zudem müsse der Steg in Zukunft unbeleuchtet sein.

Verbot von Kajütbooten?

Liest sich ein bisschen wie Behördenwillkür? Genau das meinten auch die betroffenen Wassersportvereine, deren Mitglieder ihre Kajütboote auch in Zukunft voll und ganz nutzen wollen. „Solche Auflagen kommen einem Verbot von Kajütbooten gleich,“ sagt  Sebastian Kalabis, der beim Spandauer Yacht-Club für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, auf der Club-Website. „Wenn dieser Unsinn Schule macht, würde das alle Bemühungen und Ausgaben des Senats für die Entwicklung des Wassersports konterkarieren!“

Spandauer Yacht Club, Bezirksamt, Willkür

Anlegen – ok. Segelsetzen – ok. Auf dem Boot schlafen? Verboten! © spyc/ David Heerde

Der SpYC schaltete den DSV und den Berliner Segler-Verband ein, der die Berliner Segelvereine um schriftliche Eingaben an das Bezirksamt Spandau bat. Die Frist für die Einreichung lief gestern aus, nun müssen die Betrofffenen der Dinge harren, die da kommen mögen. Unter anderem ist seitens des Bezirksamtes eine Anhörung angeboten worden.

Bisher war der Bau- und Umweltstadtrat Carsten Michael Röding (CDU) für den Fall zuständig, sein Nachfolger Andreas Otti (AfD) müsse sich „in das Thema aber erst noch einarbeiten,“ wie das Bezirksamt zuletzt meldete.

“Lächerlich!”

Mittlerweile haben sich Rechtsanwälte, die selbst Wassersportler sind, in diesem Fall zu Wort gemeldet. Sie halten die angekündigten Auflagen für den Spandauer Yacht-Club für irrelevant. So wird im Berliner Tagesspiegel der Rechtsanwalt und Segler Axel Paul zitiert, der vor allem darauf hinweist, wie viele Mittel der Berliner Senat in den vergangenen Jahren zur Verfügung stellte, um Steganlagen für Wassersportler in einen modernen und sicheren Zustand zu bringen. Ein Zustand, der jetzt wieder rückgängig gemacht werden soll.

“Ich mag mir gar nicht vorstellen“, sagt Paul gegenüber dem Berliner Tagesspiegel, „welchen Imageschaden bis zur Lächerlichkeit eine derartige Maßnahme für Berlin hervorrufen würde! Es ist so, als wenn man ein weltweit absolut einzigartiges Beschränkungsprogramm für den Wassersport auflegen würde – nur, um in einem Einzelfall ein Hausboot zu verhindern.“

Vom Bezirksamt Berlin äußerte sich in den letzten Tagen keiner mehr zu dem Vorfall – man darf gespannt sein, was die schriftlichen Eingaben bewirken werden.

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Michael Kunst

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15 Kommentare zu „Behörden: Spandau will Übernachtung und Stromerzeugung auf Booten verbieten“

  1. avatar Sebastian K. sagt:

    Es kommt noch dicker: Im Frühjahr 2017 wird vor Gericht über die erste Abrissverfügung verhandelt, die einem Stegbetreiber in Berlin-Köpenick zugegangen war. Der “Amtsschimmel” ist also nicht nur in Spandau unterwegs.

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  2. avatar Friedrich sagt:

    Hypertropher Regelungswahnsinn in einem Land, das in der Zeit des “Postfaktischen” den Blick fürs Wesentliche vollends zu verlieren scheint (wen wundert’s, wenn so ein absurder Begriff es zum Wort des Jahres schafft).

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  3. avatar Stephan Bode sagt:

    Was erwartet Ihr von einer Stadt, wo die Regierung aus SPD, Grünen und den Kommunisten besteht ?
    Sie werden alle enteignen, die mehr als 1 Euro in der Tasche haben, das Geld anschließend verjubeln und dann die Kapitalisten für Ihren eigen Untergang verantwortlich machen.
    Berliner: Ihr habt diese Chaoten gewählt und jetzt beschwert Ihr Euch auch noch – lustig!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 8

    • avatar Daniel Lewin sagt:

      Anfangs las sich der Kommentar ja noch ganz nett, leider hat er mit dem letzten Satz stark nacgelassen. Soweit ich weiss, gab es kein “SED-Wahlergebnis” mit 98 %. Also bitte nicht alle Berliner über einen “Kamm scheren”! Im Übrigen ist dieser Schwachsinn (zum Glück) nicht aufgrund des Wahlergebnisses entstanden, sondern durch Nachbarschaftsstreit, Beziehungen und Geklüngel. Der arme Sachbearbeiter hatte gar keine andere Chance, als so zu reagieren, sonst hätte er wahrscheinlich noch von Herrn ex – Staatssekretär persönlich was zu hören bekommen. So hat er hoffentlich einfach alle Schreiben, die er zu diesem Thema erhalten hat, einfach weitergeleitet.
      Demokratie ist übrigens, wenn auch dafür kämpft! Weglaufen ist nicht!!

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    • avatar Fabian sagt:

      Zitat: “Bisher war der Bau- und Umweltstadtrat Carsten Michael Röding (CDU) für den Fall zuständig, sein Nachfolger Andreas Otti (AfD) müsse sich „in das Thema aber erst noch einarbeiten,“ wie das Bezirksamt zuletzt meldete.”

      Stimmt, die Kommunisten waren es…

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      • avatar Lutz G. sagt:

        Man Chartert eine Motoryacht und fährt von Hotel zu Hotel?

        Da freuen sich die Charterverbände und Berlin wird noch mehr sexy.

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  4. avatar Stephan Bode sagt:

    Ich empfehle: Verlasst diese Stadt !

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    • avatar Daniel Lewin sagt:

      Wie schon oben gesagt:
      Demokratie ist übrigens, wenn man auch dafür kämpft. Weglaufen ist nicht! Wo kommen wir denn da hin, wenn wir immer nur ducken und alles akzeptieren?
      Ich bin stolz auf ALLE, die ihrem Unmut Luft gemacht haben und nicht, wie so viele, sich einfach ducken und hoffen, dass der Kelch an ihnen vorbei geht!

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  5. avatar pl_johaa sagt:

    So ist es. Es muß einfach ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Sportbooten und den schwimmenden Gartenlauben geben und (!) es muß Plätze für die Nutzer dieser Gefährte geben. Muß ja nicht vor dem Reichstag sein.

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  6. avatar Hubert K sagt:

    Das ist erste der Anfang! Grün, Rot, Rot-Front lassen grüßen.
    Bootbesitzer sind reich und müssen reglementiert werden. Egal warum, weshalb und wofür, Hauptsache es wird reglementiert. Das kommt bei der eigenen Wählerschaft immer gut an. Motto: “Seit bereit, immer bereit” zum Reglementieren.
    Da dürfte sich die nächste Instanz schon recht schwer tun diesen Klotz zu entschärfen, denn Boot ist Boot und wo fängt ein Sportboot an und wo endet es. Was ist denn ein Hausboot, auch die 40-Fuss Bav, Bene Jan die nie die Marina verlässt? Auch es gibt bestimmt Hausbootbesitzer die der Ansicht sind sportlich unterwegs zu sein.
    In NL sind Hausboot ohne eigenen Antrieb und liegen auf ausgewiesenen Liegeplätzen. Alles andere sind Sportboote.

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    • avatar Daniel Lewin sagt:

      Die Definition ist in Deutschland, wie in den Niederlanden die selbe! In Deutschland darf man mit dem amtlichen Sportbootführerschein Binnen Sportboote bis 15m fahren. Die Breite ist dabei nicht reglementiert (da ist noch Nachholbedarf…). Auch die Höhe ist egal. Die wird allerdings durch Brücken auf “natürliche” Weise reglementiert (übrigens, wer seinen Schein vor dem 31.12.1978 gemacht hat, darf sogar Sportboote bis 15 Kubikmetern Verdrängung fahren, d.h., da dürfen es sogar mal 20m sein!).
      Ich bin zwar Segler, finde es jedoch überhaupt nicht gut, wie hier versucht wird, andere Wassersportler auszugrenzen. Wer nimmt sich das Recht heraus, urteilen zu wollen, welche Art Boote auf dem Wasser genehm sind und welche nicht?
      Kommen wir wieder zu der Diskussion, dass Segler die besseren Wassersportler sind, Motorboote gerade mal geduldet und alles übrige, weil häßlich, verdammt werden sollte? Ich persönlich finde z.B. ein mit 6-9 km/h dahingleitendes “häßliches Hausboot” viel angenehmer, als eine eine 15m Yacht, die 20t verdrängt und mit erlaubten 25 km/h mit entsprechender Hecksee über die Havel rauscht…

      Es ist jedenfalls mehr als traurig, womit sich unsere sogenannten Staatsdiener beschäftigen, um ihre Daseinsberechtigung zu beweisen!

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    • avatar Fabian sagt:

      Wie oben schon:

      Zitat: “Bisher war der Bau- und Umweltstadtrat Carsten Michael Röding (CDU) für den Fall zuständig, sein Nachfolger Andreas Otti (AfD) müsse sich „in das Thema aber erst noch einarbeiten,“ wie das Bezirksamt zuletzt meldete.”

      Stimmt, die Kommunisten waren es…

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  7. avatar Clemens sagt:

    und nach der “Welle” verlautbart niemand mehr etwas Neues … oder wisst ihr was?

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    • avatar Daniel Lewin sagt:

      Das liegt daran, dass der Amtsschimmel im WInter noch langsamer ist… – Es gibt in der Tat noch keine Neuigkeiten!

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