Bente am Bodensee: Sonja Meichle im Interview

"Das Fahrwasser nicht verlassen"

Ultramarin hat – vorbehaltlich der Zustimmung der Gläubigerversammlung im Juni – sowohl die Markenrechte als auch die Formen der Bente 24 und Bente 39 gekauft. Vor allem die Bente 24, ein 7,55 Meter langer Performancecruiser, hatte seit einigen Jahren für Aufsehen gesorgt und tatsächlich dreistellige Verkaufszahlen erreicht, was sonst in dieser Größenordnung nur dem Bundesliga-Regattaboot J70 gelungen ist. Volker Göbner sprach mit Sonja Meichle von der Geschäftsleitung bei Ultramarin.

Sonja Meichle © V. Göbner

Frau Meichle, wie viele Bente 24 wurden seit Herbst 2016 bei Ultramarin verkauft?

Sonja Meichle: Wir haben fast 30 Bentes verkauft. Ausgangspunkt war natürlich unser Hafen. Aber einige Boote gingen auch in andere Häfen hier am Bodensee, eine an den Chiemsee und eine auch in die Schweiz, als es dort noch keinen Händler gab.

Was macht die doch etwas eigenwillige Yacht für die Käufer attraktiv?

Sonja Meichle: Wie Sie schon sagen, dass sie eben etwas eigenwillig ist und einfach ungewöhnlich aus der Reihe tanzt. Es sind vor allem die Segeleigenschaften und der Komfort, die das Boot auszeichnen. Unter der festen Sprayhood mit Stehhöhe kann witterungsgeschützt gesegelt werden. Zudem bietet es ein unvergleichliches Raumvolumen unter Deck sowie im Cockpit. Bei Booten dieser Größe ist das Platzangebot und somit der Komfort an Bord sonst wesentlich kleiner und beengter. Die Bente 24 kommt mühelos auch ins Gleiten – besonders interessant für alle, die unter Gennaker sportlich segeln möchten. Dabei bleibt sie aber sehr stabil und sicher zu segeln. Ferner ist das Boot ohne Umbauten ab Werft direkt einhandtauglich. Das Gesamtpaket ist einfach einzigartig.

Kann man für die Bente-Yachten ein typische Zielgruppe definieren?

Sonja Meichle: Bis jetzt ist es querbeet. Wir haben Neueinsteiger, die sich für eine Bente interessieren, wir haben ehemalige Regattasegler, die sich für die Familie eine Bente angeschafft haben. Wir haben aber auch Umsteiger, die von einer Bavaria-Cruiser kommen und downsizen wollten. Unsere Kunden, die sich eine Bente gekauft haben, können wir bisher nicht über einen Kamm scheren, und darüber sind wir sehr froh.

Wie kamen Sie auf die Idee, die insolvente Firma zu kaufen?

Sonja Meichle: Wir glauben fest an die Marke und haben von Anfang an als Händler den Vertrieb mit aufgebaut und Bente begleitet. Wir haben die Boote sehr gut verkauft und sehen hier auch weiteres Potenzial, gerade für Binnengewässer, schon aufgrund der Größe – was andere Marken gar nicht mehr so darstellen. Wir hatten ja auch Bestellungen vorliegen. So hatten wir schon einmal grundlegendes Interesse und konnten uns vorstellen, das auch selbst weiter zu führen.

Hatten Sie schon einmal etwas Vergleichbares unternommen?

Sonja Meichle: Nein, wir waren bisher reiner Bootshändler. Wichtig für uns ist, dass es eine eigenständige Werft für Bente gibt. Wir haben weder die Werft gekauft noch sind wir jetzt Werftbesitzer oder haben vor, dies zu werden. Wir haben ja nur die Marke übernommen. Wir lassen die Boote durch eine Werft bauen und sind dadurch ganz normaler Auftraggeber.

Der Geschäftssitz ist nun am Bodensee – was bedeutet das?

Sonja Meichle: Das bedeutet erst einmal, dass wir eine große räumliche Distanz zur Werft haben. Die Werft ist in Stettin, der Geschäftssitz war bisher in Bremerhaven. Wir haben Christian Daum als Mitarbeiter übernommen. Er agiert von Berlin aus, was die Strecke zur Werft deutlich verkürzt und vieles leichter macht. Jetzt gilt es gemeinsam, das Vertriebsnetz wiederzubeleben und auszubauen.

Die Rümpfe werden in Polen gebaut. Ist es eine Option, den Ausbau auch am Bodensee vorzunehmen, früher oder später? Bei Ultramarin und drumherum gibt es ja genügend Kompetenz.

Sonja Meichle: Dazu haben wir uns bisher noch gar keine Gedanken gemacht. Die Gläubigerversammlung ist ja auch erst Ende Juni. Die Verträge sind gemacht, das Angebot ist abgegeben, aber wir können erst nach der Versammlung final durchstarten. Davor bauen wir zwar jetzt wieder – aber alles, was danach kommt, die neue Bente, können wir erst ab dem 1. Juli in Angriff nehmen. Bei aller Euphorie werden wir sehr stark darauf achten, dass die Boote bezahlbar bleiben.

Das Unternehmen war offenbar nicht profitabel genug. Wie wollen Sie Bente wirtschaftlich für die Zukunft fit machen?

Sonja Meichle: Das Problem war ja, dass sich verkalkuliert wurde. Da war wenig Anfangskapital da, und die Anzahlungen wurden in neue Boote investiert. Wenn es da einen Ausfall gibt, kann das schnell zu Schwierigkeiten führen. Das hing sicher vor allem mit der Bente 39 zusammen. Natürlich machen wir uns Gedanken. Welche Stellschrauben kann man drehen, und was muss man überdenken? Unser Ziel ist es, Dinge zu optimieren. Bei der Bente 24 werden wir im Wesentlichen das Fahrwasser nicht verlassen. Wir nehmen aus der alten Welt alles Gute mit in die neue Welt und lassen das Schlechte zurück.

Welche Meilensteine peilen Sie an?

Sonja Meichle: Der erste Meilenstein wird sein, allen Kunden für die Bente 24, die bestellt hatten (und nicht zurückgetreten sind), diese auch verlustfrei aus Sicht des Kunden fertig zu stellen und zu übergeben. Das ist der erste Schritt, wo sicher auch die Kunden froh sein werden, denn alle werden das Boot noch in diesem Sommer nutzen können. Ein großer Meilenstein wird ferner sein, die Bente 28 nicht nur aufs Papier zu bringen – da ist sie ja schon –, sondern das auch zu realisieren. Aufgrund der Vielzahl der Interessenten ist jetzt schon zu erkennen, dass hier ebenfalls sehr viel Potenzial da ist. Wir werden somit die Angebotspalette weiter ausbauen. Der Schritt zur Bente 39 war vielleicht einfach viel zu groß. Da fehlt der Boden zwischendrin.

Was passiert mit der 39er?

Sonja Meichle: Aktuell halten wir uns hier erst einmal bedeckt. Bei konkretem Kaufinteresse werden wir das Boot sauber kalkulieren und den Bau umsetzen können. Somit werden wir auftragsbasierend in enger Rücksprache mit der Werft selbstverständlich das Modell weiterführen.

Ultramarin

Ultramarin ist in erster Linie Betreiber eines Hafens – „Ultramarin, die Meichle&Mohr-Marina“ – mit über 1500 Liegeplätzen am Bodensee zwischen Kressbronn und Langenargen. Angeschlossen sind ein großer Zubehör-Shop und eigenständige Unternehmen für den Service rund ums Boot, vom Motor bis zu den Segeln, Restaurants und Segelschule. Daneben ist Ultramarin Händler für mehrere Segel- und Motorboot-Marken, darunter seit dem Herbst 2016 auch für Bente.

Ein Kommentar „Bente am Bodensee: Sonja Meichle im Interview“

  1. avatar Dr. Mario Kiggen sagt:

    Klingt doch alles sehr vernünftig und zuversichtlich. Ich wünsche viel Erfolg! Das Konzept hat es allemal verdient.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

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