Betrug-Skandal: 270.0000 Dollar für Segel-Coach – Uni-Platz für vermeintlichen Top-Segler

Als "Fake Segler" zur Elite-Uni

Der größte Bestechungsskandal in der USA-Universität-Geschichte hat sich am Segel-Trainer John Vandemoer (41) entzündet. Er bescheinigte Segel-Anfängern außergewöhnliche Fähigkeiten, um an der Elite-Uni Stanford aufgenommen zu werden.

John Vandemoer, der elf Jahre lang als Chef-Trainer des Segel-Teams der amerikanischen Stanford-Universität große Erfolge feierte, steht im Zentrum des Bestechungsskandals, der zurzeit die USA erschüttert. Die Praxis, mit der Vandemoer Bewerbungschancen für die Aufnahme an der Elite-Universität gegen Geld-Zahlungen verbesserte, ist offenbar eine Blaupause für Vorgänge an vielen weiteren begehrten Bildungseinrichtungen in den USA.

John Vandemoer war 11 Jahre Head-Coach des Stanford-Segelteams. © Stanford University

Inzwischen sind fast 50 Eltern angeklagt, die ihre Kinder per illegaler Finanzspritze zu angesehenen Universitäten gelotst haben sollen, darunter gut verdienende Schauspieler wie “Desperate Housewives” Darstellerin Felicity Huffman. Sie soll 15.000 Dollar gezahlt haben, um ihre Tochter an einer Elite-Uni unterzubringen und wurde verhaftet. Die Gesamtsumme aller bisher bekannten Fälle summiert sich auf 25 Millionen Dollar.

Vandemoer hat inzwischen zugegeben  270.000 Dollar für das Segelprogramm der Stanford-Uni angenommen zu haben. Er war Teil eines Systems, das sich offenbar der Hauptbeschuldigte William Singer ausgedacht hat. Der ehemalige Basketballcoach einer High School hat bei Los Angeles ein Beratungsunternehmen gründete, das Schüler sowohl auf Examen vorbereitete als auch auf das Aufnahmeverfahren einer Uni.

Türöffner zu den Elite-Unis

Singer soll bei den Universitäten enge Kontakte zu Schlüsselpersonen wie Vandemoer geknüpft haben, um Teenager aus betuchten Verhältnissen die Türen der Eliteschmieden öffnen zu lassen.

Im Fall der Stanford Universtität geht es um zwei Aufnahmeprozeduren. So gab Vandemoer, der mit Match Race Weltmeisterin Molly O’Bryan Vandemoer (2011 mit Olympiasiegerin Anna Tunnicliffe am Steuer) verheiratet ist, an, im Mai 2018 für einen von Singers Klienten 110.000 Dollar für das Stanford Segelprogramm erhalten zu haben. Der Segel-Coach bestätigte dem Bewerber fälschlicherweise, ein guter Segler zu sein und speiste ihn in den Aufnahme-Zyklus ein.

Stanford-Segler in Aktion für ihre Uni. © Stanford University

Als der Schüler den vorgesehenen Platz nicht in Anspruch nahm, wurde der Spot im Sommer 2018 für einen weiteren Antragsteller aus Singers Kunden-Kartei behalten. Dafür soll eine Zahlung von 500.000 Dollar vorgesehen gewesen sein. Auch ihm wurde mit gefälschten Zertifikaten bescheinigt, ein guter Wettkampf-Segler zu sein, obwohl er tatsächlich kaum Segelerfahrung aufwies.

Acht Elite-Unis betroffen

Die Uni ließ den Studenten zu, er soll eingeschrieben sein, aber der Deal kam ebenfalls nicht zustande, weil sich der Bewerber schließlich für eine andere Option entschied. Dennoch überwies Singer 160.000 Dollar an Vandemoers Segelprogramm. Die Summe wurde laut Gerichtsakten von beiden Parteien als eine Art Deposit für zukünftige Vermittlungen gesehen. Die Stanford Universität hat Vandemoer inzwischen entlassen und sich von seinen Aktivitäten distanziert.

Damit ist das Thema aber längst nicht vom Tisch. Das Betrug-Prinzip, mit vermeintlichen sportliche Fähigkeiten die Uni-Aufnahme-Hürden zu verkleinern und Karriere-Chancen zu vergrößern scheint im US-System weit verbreitet. Landesweit sind acht Elite-Unis von dem Skandal betroffen: Yale, Georgetown und Wake Forest. University of Texas, Stanford, die University of Southern California (USC), die University of San Diego und die UCLA.

Gut betuchte Eltern können ihren Kindern offenbar per Schmiergeld Seitentüren zur Karriere öffnen, die sonst verschlossen blieben. Diese Erkenntnis hat im Land den Glauben an das System der Elite-Bildungsinstitutionen schwer erschüttert.

Im Zusammenhang mit dem Skandal wird inzwischen auch der Name Jared Kushner genannt, der Schwiegersohn von Donald Trump. High-School-Lehrer haben bestätigt, dass er nie die Aufnahme in Harvard geschafft hätte, wenn sein Vater der Uni nicht 2,5 Millionen Dollar gespendet hätte. Dabei hätte es möglicherweise ausgereicht, in eine vernünftige Segelausbildung zu investieren.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Betrug-Skandal: 270.0000 Dollar für Segel-Coach – Uni-Platz für vermeintlichen Top-Segler“

  1. avatar Björn sagt:

    Da wäre man wohl eher erschrocken sollten die Aufnahmeverfahren Geld unabhängig betrieben werden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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