Big Picture: Ende auf der Straße – Das unwürdige Schicksal eines Schiffes mit Seele

Fisch auf dem Trockenen

So sollte das Aus für eine verdiente Yacht nicht aussehen. Der 38 Jahre alte siebenmalige Bol d’Or-Gewinner liegt in einem schweizer Verteilerkreis auf der Straße.

“Poopy Express” auf dem Asphalt.

Wenn “Poopy Express” wirklich einmal ihr Leben aushauchen sollte, dann würde man der außergewöhnlichen Yacht ein echtes Seemannsgrab wünschen. Denn falls man daran glaubt, dass in Schiffen Seelen hausen – und davon sind erstaunlich viele Skipper überzeugt – dann dürfte in diesem tatsächlich ein solch körperloser, unsterblicher Teil verbaut sein. Schließlich ist die Wahrscheinlichkeit der Existenz einer Schiffsseele umso größer, je mehr Herzblut in dem Boot verbaut ist.

“Poopy Express” zu besseren Zeiten bei der Bl d’Or auf dem Genfer See. © Loris von Siebenthal/Bol d’Or

Ohne Zweifel ist das bei Eigner Richard Milliquet (60) der Fall. Vor 38 Jahren erdachte er die Linien des leichten, schnellen See-Renners, obwohl er bis dahin überhaupt keine Ahnung vom Schiffbau hatte. Milliquet segelte mit seinem Vater auf einem der damals üblichen schweren Kielyachten und dachte sich, dass es auch anders, moderner gehen müsste.

Immer weiter entwickelt

Mit dem  Freund William Moody baute er Modelle, testete sie im Wasser des Lac de Neuchâtel und im Schlepptank. Schließlich entstand “Poopy Express” benannt nach dem Spitznamen von Milliquets damals dreijähriger Tochter. Seitdem führte ihn das Schiff mit jeweils fünfköpfiger Crew zu sieben Siegen auf dem Genfer See bei der größten Binnen-Langstreckenregatta der Welt Bol d’Or in der Klasse TCF3.

Das Ende einer Legende?

Denn Milliquet entwickelte “Poopy” immer weiter entsprechend der neuesten Erkenntnisse. Die Rumpfgeschwindigkeit des Schiffes habe sich über die Jahre von 5,3  auf 6,4 Knoten verbessert, sagt der Eigner der Zeitung 24 heures.

Umso schwerer wiegt das Schicksal des Renners. “Poopy Express” ist beim Trailer-Transport vom Hänger gefallen. Es nicht ganz klar, ob Spanngurte oder Teile vom Trailer gebrochen sind. Jedenfalls kippte das Boot seitlich auf die Straße und erlitt einen schweren Schaden am Rumpf. Wie ein Fisch liegt es auf dem Trockenen.

Hat es auf diesem Verteilerkreis in Lausanne sein Leben ausgehaucht? Gutachter untersuchen noch den Schaden und aus ihrem Urteil ergibt sich, ob eine Reparatur sinnvoll ist. Die Eigner haben aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihr Schiff weiter lebt.

Die Eigner begutachten den schweren Schaden an der Bordwand.

Das Schiff kippte seitlich vom Trailer.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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