Blauwassersegeln in Corona-Zeiten: Ungeplant drei Monate auf See – Rettung vor Fidschi

5000-Meilen-Odyssee

Drei Jahre lang wollte Wong Tetchoong (59) um die Welt segeln – aber nicht unbedingt nonstop. Doch niemand ließ den Skipper an Land. Nach rund 5000 Meilen musste er gerettet werden.

In Zeiten der Corona-Restriktionen ist das Blauwassersegeln besonders schwierig geworden. Das zeigt der extreme Fall von Won Tetchoong aus Singapur. Der 59-Jährige war am 2. Februar zum Törn seines Lebens aufgebrochen. Drei Jahre lang wollte er um die Welt segeln. Corona spielte noch keine Rolle.

Wong Tetchoong wird von der Fidschi-Marine gerettet. © FMSRCC

Aber als er versuchte, in den Häfen verschiedener Länder anzulegen, wurde er abgewiesen. Die erste Etappe führte ihn mit dem Leopard 50 Katamaran “XIMULA III” nach Indonesien, wo er nach knapp einem Monat zwei Mitsegler absetzte. Sie hatten einen indonesischen Pass, und das Land schloss seine Grenzen. Tetchoong selbst durfte schon nicht mehr an Land.

Die Odyssee des Skippers aus Singapur bis nach Fidschi

Die gut 5000 Seemeilen ohne Landgang von Singapur bis nach Fidschi. © Google Maps

Ungeplant wurde er zum Einhandsegler- rund 2.500 Seemeilen nach Papua-Neuguinea. “Das Wetter ließ diesen Törn zu”, bekundete er gegenüber der Zeitung Fiji Sun. “Aber als ich die Grenze erreichte, war sie geschlossen.” Tetchoong setzte den Törn fort, etwa 800 Meilen weiter zu den Salomon-Inseln. Aber auch dort war ihm die Einreise verboten.

Dann eben zum nächsten Hafen – 1200 Meilen

Der Skipper entschloss sich, den pazifischen Inselstaat Tuvalu anzusteuern. Ein weiterer langer Törn von etwa 1200 Meilen. Doch dort hatte man ebenfalls Angst davor, dass ein Ausländer das Virus einschleppen könnte. Der Hafen war gesperrt.

Tetchoong konnte auf seinem 50 Fuß Katamaran zwar lange durchhalten, hatte jede Menge Platz und viele Vorräte gebunkert. Aber auch die gingen nun zur Neige. Einwohner von Tuvalu versorgten ihn immerhin mit Lebensmitteln.

Der Skipper aus Singapur wartet mit seinem 15 Meter langen Leopard-Katamaran auf Hilfe von der Fiji-Marine. © FMSRCC

So schaffte er auch noch die rund 550 Meilen nach Fidschi. Er benötigte auf dem Weg nach Süden weitere sechs Tage und kam Ende April dort an. Aber auch Fidschi wies ihn ab. Das Land hatte strenge Corona-Einreisebeschränkungen erlassen. Die dauerhafte, ungeplante Selbstisolation der vergangenen Wochen war erstmal kein Argument für nicht vorhandene Ansteckungsgefahr.

Notlage nach technischen Probleme

Nun erreichte der Einhand-Skipper aber doch die Grenzen seiner physischen Belastbarkeit. Und auch sein Schiff machte Probleme. Nach einigen Tagen Starkwind berichtete Tetchoong von Problemen mit einem der Ruder, dem Motor und Autopilot seines Katamarans.

Zwei Tage kreuzte er vor Fidschi, dann schaffte es seine Tochter, aus Singapur per Telefon, den Behörden die Situation zu erklären und sie von dem Notfall zu überzeugen. Die Marine schickte ein Patrouillenboot, das den Katamaran in die Marina Vuda schleppte. “XIMULA III” konnte im engen Hafen nicht mehr aus eigener Kraft maövrieren. Der Skipper wurde in einem Krankenhaus untersucht, dann durfte er offiziell im Hafen festmachen.

Der Segler aus Singapur bedankte sich höflich. “Ich bin zum ersten Mal auf den Fidschi-Inseln, mir gefällt es hier sehr gut. Ein großes Dankeschön an die Marine und die  Regierung, dass sie mich gerettet haben.”

Die Geschichte von Tetchoong zog so weite Kreise, dass auch der Außenminister von Singapur offiziell seinen Dank an Fidschi übermittelte.  “Die Unterstützung unserer fidschianischen Freunde für einen Singapurer in Not ist in diesen schwierigen Zeiten besonders ermutigend”.

Auf den Fidschi-Inseln gab es 18 bestätigte Coronavirus-Fälle – aber seit mehr als zwei Wochen wurden keine neuen Fälle registriert. Es gab keine Todesfälle durch das Virus. Der Segler wartet nun auf die allgemeine Grenzöffnung auch in Fidschi. Er wolle dann zu seiner Frau und den beiden Kindern nach Singapur zurückkehren.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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