Boat-Office: Wir arbeiten an Bord – Teil 1: Maren und Matthias Wagener

„Immer erreichbar, aber nicht immer verfügbar“

Seit der Pandemie ist mobiles Arbeiten angesagt. Warum nicht an Bord? Wir haben uns mit Seglerinnen und Seglern über ihre Erfahrungen unterhalten. In Teil 1 unserer Boat-Office-Serie berichten Maren und Matthias Wagener: 

Maren und Matthias Wagener führen ihre Firma von Bord aus © Privat

Wir sind Unternehmer und Manager und leiten gemeinsam unsere Firma. Vast Forward ist ein digitaler Produktionsdienstleister. Wir programmieren Banner, Webseiten, Landing Pages, Newsletter, Apps – alles, was man für Kampagnen im Internet so gebrauchen kann.

Unser Team besteht aus acht Projektmanagerinnen in Deutschland, die fest angestellt sind, und einem Entwicklernetzwerk, das in ganz Europa verteilt ist. Wir haben ein Büro in Hamburg und sind dort auch angemeldet. In der Wahl des Arbeitsplatzes sind alle frei – genau wie wir. Alle genießen die gleiche Freiheit.

Im letzten Jahr haben wir fast alles digital gemacht. Das ging vom Jahresgespräch über Workshops bis hin zu Neueinstellungen. Wir haben eine neue Projektmanagerin eingestellt, die das Team bis heute nicht live gesehen hat. Nur wir beide haben sie im Jahr davor kennengelernt. Das funktioniert.

Wir arbeiten mobil, seit wir 2015 an Bord gezogen sind. Bis März 2020 sind wir noch regelmäßig nach Deutschland gereist, um Mitarbeiter zu treffen, die Familie zu besuchen und Kunden zu sehen. In der alltäglichen Zusammenarbeit verzichten wir bewusst schon lange auf persönliche Meetings.

Vor der Pandemie kam das Team zu Workshops oder zur Arbeit an Bord © Privat

Unser Team ist vor März 2020 regelmäßig zu uns an Bord gekommen, um von hier aus zu arbeiten oder Workshops an Bord zu machen. Aber mit der Pandemie ist erstmal eine totale Unsicherheit eingezogen. Unsere Auftraggeber sind größtenteils Agenturen. Die sind von Unternehmen abhängig. Und da wurden erstmal die Budgets festgehalten.

Wir haben dann die Kommunikation intensiviert. Man könnte sagen, dass wir virtuell näher zusammengerückt sind. Wir haben uns entschieden, jeden Morgen ein Check-in zu machen. Zum einen um mitzukriegen, wie es den Einzelnen geht, zum anderen um zu kommunizieren, was mit der Firma ist. Das hat allen Sicherheit gegeben und geholfen.

Zum Arbeiten brauchen wir nur Telefone und Rechner. Bis jetzt auch Festplatten, aber wir packen gerade alles in die Cloud. Das ist ausfallsicher und reduziert den Verbrauch. Wir sind auf einer Aluminiumyacht gestartet, auf der wir noch keinen Solarstrom hatten, sondern einen Hydrogenerator und einen Dieselgenerator.

Seit 2018 leben wir auf einem 51-Fuß-Katamaran mit 1.000 Watt Solarkapazität. Wir machen unser eigenes Wasser und brauchen keinen Landstrom. Wir kochen mit Gas, ansonsten findet unser gesamtes Leben mit Sonnenenergie statt. Obwohl unser Energieverbrauch relativ hoch ist mit Gefrierschrank, Kühlschrank, zwei Laptops und Router.

Küstennähe ist eine Voraussetzung für gutes Internet © Privat

Die Netzabdeckung spielt auf jeden Fall eine große Rolle. Wir versuchen, von Montag bis Freitag ganz normal zu arbeiten. Unter der Woche segeln wir nicht viel. In Küstennähe auf dem Mittelmeer ist der Empfang besser als an vielen Orten in Deutschland. Und wenn wir wissen, dass wir mal außer Reichweite sind, kommunizieren wir das mit dem Team.

Natürlich ist die Abgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit ein Thema für uns. Wir haben gerade einen Workshop zu dem Thema gemacht. Das Stichwort, das in der Soziologie gerade die Runde macht, heißt Work-Life-Blending. Es bedeutet, dass man zunehmend Arbeit in den privaten Bereich mitnimmt, aber auch Privates während der Arbeitszeit macht.

Im Grunde bedeutet das, dass Arbeit und Privates nicht trennbar sind. Trotzdem schaffen wir es abzuschalten. Dafür haben wir Rituale entwickelt. Bei uns ist das vor allem Sport. Wir laufen, machen Yoga und wandern gerne. Dieses Leben erfordert auch Flexibilität. Man muss die Zeit nutzen, wenn sich ein Meeting verschiebt, oder beim Radfahren ans Telefon gehen.

Eine Mitarbeiterin hat den Satz geprägt: Wir sind immer erreichbar, aber nicht immer verfügbar. Für uns funktioniert das sehr gut. Aber wir haben auch lange geübt. Wir hatten zuerst eine Waarschip auf der Ostsee. Damit sind wir immer ein Stück gesegelt, dann mit der Bahn nach Deutschland und wieder zurück an Bord. Das wiederholen wir nun im Warmen.

In Teil 2 unserer Boat-Office-Serie berichtet Jan Christoph Athenstädt.
In Teil 3 unserer Boat-Office-Serie berichtet Jessica Stiefken.
In Teil 4 unserer Boat-Office-Serie berichtet Jasmin Conrad.

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