Bootsbau: America’s Cup-Konstrukteur baut elektrisches Foiling-Motorboot

Vom Cupper zum Mobo

Das Start-up „Navier“ aus dem Silicon Valley arbeitet an einem vollelektrischen Sportboot auf Hydrofoils, das ganz nebenbei das Elektroboot mit der bisher größten Reichweite werden soll. Mit an Bord ist dabei auch ein altbekannter Foiling-Experte aus dem America’s Cup-Kosmos.

Die Navier 27 © Navier

Paul Bieker arbeitete von 2003 bis 2017 im Design-Team für das Oracle Team USA und war Design-Chef beim 35. America’s Cup. Zuletzt sorgte er für Aufsehen, weil die von ihm entworfene Moth die ersten sechs Plätze bei der Weltmeisterschaft am Gardasee gewann. Mittlerweile bringt er sein Wissen zur Tragflächen-Technik und seine Erfahrung in der Entwicklung schneller Racer unter anderem auch im Freizeit-Motorboot-Bereich ein.

Die beiden MIT-Ingenieure und Mitgründer des US-Start-ups „Navier“ Sampriti Bhattacharyya and Reo Baird holten den Foiling-Experten und sein Unternehmen Bieker Boats ins Team, um mit ihm ein leises, umweltfreundliches und technologisch innovatives „Boot der Zukunft“ zu konstruieren. Bieker hat den Bereich technisches Design übernommen und soll das Projekt vor allem in Sachen Leistung zum Erfolg bringen.

Paul Bieker © Meredith Andrews

Der bereits Anfang des Jahres angekündigte 27-Fuß-Flitzer Navier 27 soll 2022 auf der Fort Lauderdale Boat Show vorgestellt werden und laut Navier zu diesem Zeitpunkt das Elektroboot mit der weltweit größten Reichweite und außerdem 90 Prozent effizienter sein als herkömmliche Boote derselben Größe. Mehr als 75 Seemeilen Reichweite werden anvisiert. Auch rauere Bedingungen und Wellen von bis zu 1,2 Metern sollen dem Mobo-Foiler nichts ausmachen.

„Unser Ziel ist es, mit dem bestmöglichen Team zu arbeiten, und wir glauben, dass Paul der beste Experte für Foil-Technologie ist“, erklärte Sampriti Bhattacharyya. „Durch Pauls jahrzehntelange Erfahrung und unser eigenes Fachwissen stellen wir sicher, dass die Navier 27 das leistungsstärkste Elektroboot wird, das je gebaut wurde.“

Der Unterschied zur Arbeit für den America’s Cup sei gar nicht so groß und bestehe vor allem darin, dass das Navier-Projekt weniger Spielraum für Versuche und Fehler biete als der America’s Cup, kommentierte Bieker seine Aufgabe.

In Elektro-Foilern sieht der AC-Konstrukteur durchaus das Potenzial, die Mobilität auf dem Wasser grundlegend zu verändern. „Der Schiffsverkehr in der westlichen Welt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der billigen Energie aus fossilen Brennstoffen abhängig. Leistungsstarke Motoren und billiger Kraftstoff in Kombination mit ineffizienten, aber leistungsfähigen, schweren Motorbootrümpfen wurden zur Standardform für die schnelle Fortbewegung auf dem Wasser“, so Paul Bieker. „Dagegen bietet Hydrofoiling die Möglichkeit, sich schnell übers Wasser zu bewegen und dabei einen Bruchteil der Energie eines herkömmlichen Schnellbootes zu verbrauchen.“

 

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