Bootsbau: SailCargo baut Frachtsegler in Costa Rica – 100 Prozent emissionsfrei!

Lastensegler aus dem Dschungel

Das Konzept ist nicht neu, jedoch erstmals konsequent zu Ende gedacht: Derzeit entsteht im Dschungel ein Lastensegler aus Holz, der auch mit E-Motor angetrieben werden soll. 

Das Projekt ist per se richtig klasse. Da baut eine internationale Crew aus Bootsbauern, Schreinern und anderen Handwerkern mehr oder weniger mitten im Dschungel von Costa Rica ein neues Frachtschiff. Vorwiegend aus Holz, versteht sich. 

Holz, das sie sich sozusagen nebenan im Wald schlagen – Wald, den sie gleich entsprechend wieder aufforsten. 

Doch damit nicht genug der Abenteuer und Exotik. Die „Ceiba“, wie das Schiff später heißen wird, soll als Frachtsegler eingesetzt werden, der mit einem E-Motor als Flautenschieber und Einparkhilfe 100 Prozent emissionsfrei hauptsächlich Pazifik-Routen befahren wird. Neben dem Wind werden als weitere Energiequellen Solar-Panels, Windräder und Hydrogeneratoren auf dem Frachter zum Einsatz kommen. 

Finanzierung durch Investoren

45 Meter lang soll die „Ceiba“ werden (32,3 m Wasserlinie),  33 Meter hoch ragen dann die drei Masten auf, und mehr als 600 qm Segelfläche am Wind können das Schiff relativ flott voran bringen. Auf dem über 300 Tonnen verdrängenden Frachtsegler sollen zwischen 200 und 250 Tonnen Stückgut geladen werden (etwa zehn Standard-Container) – eine Menge, die den eher kleineren bis mittelgroßen Pazifik- und Atlantik-Frachtseglern des vorletzten Jahrhunderts entspricht. 

In Auftrag gegeben wurde das Schiff von der kanadischen Reederei SailCargo, die mittlerweile auch in Costa Rica eine Dependance eröffnete. Sail argo hat sich nichts Geringeres auf die Fahnen geschrieben, als mit der Ceiba die „globale Seeschifffahrtsindustrie auf die Klimaneutralität einzustimmen“, was nun mit einem Mix aus „alten Schiffsbautechniken und avantgardistischen Energie- und Antriebssystemen“ gelingen soll. Man wolle mit der Ceiba zeigen, dass Frachtsegler einen gewichtigen Anteil an einem klimaneutralen Warentransport auf dem Wasser haben können. 

Eine hehre Aufgabe, die offenbar – weil immer besser vermarktet – nun  auch auf dem kanadischen und US-amerikanischen Markt ankommt. Denn die Kiellegung der Ceiba fand mit zwei Jahren Verzögerung statt, weil die Finanzierung des Projektes nur schleppend in die Gänge kam.

Über „Kickstarter“ schaffte es die Reederei zuletzt, ca. 30.000 US Dollar für die erste Bauphase des Schiffes zu sammeln – ein Tropfen auf dem heißen Stein, wenn man bedenkt, dass die Gesamtkosten für den Schiffsbau in der Dschungelwerft mit 3,6 Millionen Dollar veranschlagt wurden. 

So soll der Dreimast-Schoner später aussehen © sailcargo

Die weitere Finanzierung der Ceiba soll über Klein- und Groß-Investoren funktionieren. Für zukünftige Anteilseigner an dem Schiff gilt eine Mindest-Investitionssumme von 1.000 Dollar. 

Medien als Kommunikator

Hierfür ist SailCargo derzeit medienwirksam aktiv. Mit einer sehr ansprechenden Website, regelmäßigen Facebook-Posts und professionell gedrehten Videos will die Reederei vor allem bei internationalen Medien für Aufmerksamkeit sorgen. Ganz im Stil der meisten modernen Wassersport-Projekte, werden Enthusiasmus für das Projekt und tiefe Überzeugung in Sachen „emissionsfreie Schifffahrt“ vermittelt.

Ein Weg, der funktionieren könnte: So hat etwa in Deutschland schon Spiegel Online „angebissen“ und ein kleines Video, in dem auch ein an der Ceiba mitarbeitender junger deutscher Bootsbauer zu Wort kommt, online veröffentlicht. 

https://www.youtube.com/watch?v=MOQSEY0nB3M

Über 20 Zedern sollen für den Bau der Ceiba im Dschungel nebenan gefällt werden – entsprechend forstet Sailcargo auf © sailcargo

In Europa haben vergleichbare Projekt fast schon wieder Tradition. So zitieren die SailCargo-Protagonisten in ihrem Projekt-Vorstellungsvideo denn auch als Vorbild die „Tres Hombres“, ein Schoner, der schon seit über 10 Jahren zu 99 Prozent emissionsfreie Waren unter Segeln über den Atlantik transportiert.

Ähnliches gilt auch für die „Avontuur“ von Timbercoast , die ebenfalls erfolgreich Produkte auf die herkömmliche, und nahezu emissionsfreie Weise über die Meere von A nach B befördert (SR-Bericht). Ganz zu schweigen von den Chocolatiers bei „Grain de Sail“, die einen Lastensegler-Neubau initiiert und nach telefonischen Angaben gegenüber SR bereits finanziert haben (SR-Bericht).

Lobenswerte Idee, aber nicht neu!

In Frankreich sind Start-Ups erfolgreich, die als Schiffsmakler ausschließlich Waren unter Segeln über die Ozeane schippern lassen. Das zieht zum Beispiel nach sich, dass in französischen Supermärkten (zumindest in der Nähe der Küsten) ganze Regale mit Produkten feilgeboten werden, die das Label „unter Segeln transportiert“ tragen.

Schokolade und Rum aus der Karibik, Wein aus Spanien, Aquavit aus Skandinavien, Kaffee aus Südamerika und vieles mehr – qualitativ hochwertige Waren, die zwar teurer als ihre direkten Konkurrenten sind, aber keineswegs überteuert erscheinen. 

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Für den Kiel wurde Edelholz aus einem vom Sturm gefällten Dschungelriesen genutzt © sailcargo

Eines muss man den SailCargo-Machern mit ihrer Ceiba als Alleinstellungsmerkmal jedoch zugestehen: Wenn alles so klappt wie von den enthusiastisch auftretenden „Machern“ vorgesehen, wäre das in Costa Rica derzeit wachsende Boot das erste mit einer konsequent ausgerichteten Maschine.

Denn während alle derzeit aktiven Lastensegler noch den Verbrennungsmotor starten, wenn die Segel in der Flaute flappen oder der Hafen angesteuert wird, soll die Ceiba mit einem E-Motor bestückt werden. Und das ist nun wirklich ein konsequent zu Ende gedachtes Novum in der Frachtschifffahrt unter Segeln! 

Für willige Investoren: Website Sailcargo 

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Michael Kunst

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