Aeolos P30: Superleicht und superschnell

Das Schiff der Facebook-Community

Asso 99, L30, Farr 280. Für Silverrudder-Gewinner und Speed-Junkie Hans Genthe können Schiffe nicht schnell und sportlich genug sein. Er liebt die Herausforderung und den Wettkampf, egal ob auf Binnen- oder See-Regatten. Aus beruflichen Gründen frisch nach Dubai gezogen, begann er im Mai 2020, gelangweilt durch die Corona-Einschränkungen, einen Racer zu skizzieren. Den Entwurf stellte er auf Facebook, neugierig auf das Feedback seiner Freunde und Bekannten. Überrascht von der großen, überwiegend positiven Resonanz, machte er sich an die Feinarbeit, arbeitete das Schiff mit Unterstützung des 3D Designprogramms Rhino aus und erstellte eine Preis-Kalkulation. Aufgrund konkreter Anfragen gründete er schließlich eine Firma mit eigener Yachtmarke. Inzwischen geht das erste Schiff seiner Vollendung entgegen. Es trägt den Namen Aeolos P30.

Man braucht nur einen kurzen Blick auf die technischen Daten vergleichbarer Regattayachten zu werfen und es wird klar, dass in Dubai derzeit ein ganz heißer Racer entsteht. Die Aeolos P30 ist 9,14 Meter lang und damit genauso lang wie die Dehler 30 od und nur 11 Zentimeter kürzer als die L30, sie wiegt aber deutlich weniger als die beiden „Konkurrenten“. Statt 2,8 t wie die Dehler und 2,13 t wie die L30 bringt sie gerade einmal 1,5 Tonnen auf die Waage. Dank ihres extrem hohen Ballastanteils von 53 Prozent verträgt sie aber eine vergleichbar große Am-Wind-Segelfläche. Es handelt sich um 59 Quadratmeter, die sich auf 37 fürs Groß und 22 für die Fock verteilen. Zum Vergleich: Bei der Dehler 30 od kommen 62 Quadratmeter zum Tragen, bei der L 30 sind es 48,5. Am 1,64 Meter langen Bugspriet kann ein 111 Quadratmeter großer Gennaker gesetzt werden. Bei der Dehler 30 od sind es maximal 100, bei der L 30 sogar nur 94 Quadratmeter.

Klappbarer Gennakerpole

Damit genug der Vergleiche. Die Zahlen sollen nur belegen, wie leicht und mit welch hohem Leistungspotenzial die Aeolos P30 ausgestattet ist. Kein Wunder, ihr Erfinder Hans Genthe ist zweimaliger Gewinner des Silverrudder-Einhand-Rennens und liebt nicht nur Herausforderungen, sondern auch hohe Geschwindigkeiten. In Zusammenarbeit mit Yacht-Experten hat er die notwendigen Details seines Entwurfs ausgearbeitet und die Form optimiert. Die Besonderheit liegt hier im Unterwasserschiff, das eigentlich schmal angelegt, doch bei Krängung für Gleitfahrten wie geschaffen ist. Durch die Chines entsteht bei 22 bis 33 Grad Krängung eine jollenähnliche Rumpffläche, die die AP 30 ordentlich ins Rutschen bringt.

Das Gesamt-Konzept aber lautet: Optimierung für Ein- und Zwei-Hand-Einsatz bei ORS2-Races und für sechs Personen bei Inshore-Rennen, genau wie für Regattateilnahmen an Offshore-Rennen. Das Boot ist unter der ORC-Handicap-Regel gut optimiert. Kategorie-Ausstattung B ist Standard, für Kategorie A muss ein zusätzliches Ausrüstungspaket geordert werden. Mit 84.000 Euro ab Dubai (exkl. MwSt.) bleiben die Kosten vergleichsweise niedrig, trotz Carbon-Bauweise, die das leichte Gewicht überhaupt erst möglich macht.

111 Quadratmeter allein Gennaker

Ein durchdachtes Ausstattungs-Paket sorgt dafür, dass die AP30 leicht zu transportieren, gut zu warten und easy auf- und abzuriggen ist. Weil Kiel und Ruderblatt aufholbar sind und der passende Trailer über Führungsrollen verfügt, muss das Schiff nicht per Kran ins Wasser gesetzt werden, sondern kann ohne großen Aufwand geslippt werden. Ein schnell errichtetes Gestell hilft beim Mast legen und stellen. Hans Genthe ist es wichtig, ein Schiff auf den Markt zu bringen, das geringe Auf- und Abbauzeiten einfordert, weil dann mehr Zeit zum Segeln, sprich Trainieren, bleibt.

Wie nicht anders zu erwarten von einer reinrassigen Rennziege ist der Ausbau rudimentär. Im Bug findet man eine Dreiecks-Liegefläche, im Salon einen schwenkbaren Tisch mit Bänken zu beiden Seiten, außerdem gibt es das erforderliche WC.

Gebaut wird in Dubai bei Eaton Marine. Das erste Schiff soll schon im April schwimmen, Händler werden noch gesucht.

Konstruktion: Hans Genthe

Bauweise: Voll-Carbon-Sandwich unter Verwendung von Epoxy und Vakuuminfusions-Technik

Rumpflänge: 9,14 m

Breite: 2,95 m

Tiefgang: 0,5 bis 2,20 m

Verdrängung: 1,5 t

Ballast: 800 kg

Motor: abnehmbarer E-POD-Motor

Segelfläche am Wind: 57 m2

Gennaker: 111 m2

Preis: 99.960 Euro inkl. MwSt., ohne Segel

Ein Kommentar „Aeolos P30: Superleicht und superschnell“

  1. avatar kuehlwein@highlight-boats.de sagt:

    Kompliment, ein tolles Boot, mit artgerechtem Gewicht!
    Ich würde über den “nassen” Steven , der derzeit unsinnigerweise überall kopiert wird, nachdenken.
    In den paar Jahren kann man das nicht mehr sehen…

    Eine Dehler 30 ist einen Bleiente, mit billigen/ einfachen Materialen gebaut und in den Medien als super leicht gehypt.
    Alle rennen/rannten dem 2,3 Tonnen Teil hinterher….ohne die Augen aufzumachen, auch die Yacht.
    Der Innenausbau wurde mit 100 Kg angegeben, Super!!
    Das Boot ist zu schwer, da braucht man nicht mehr am Innenausbau rumrechnen.. der Bock wurde schon vorher geschossen

    Beste Grüsse
    Christian

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