Tragflächen-Projekt: Conger-Meister Frank Schönfeldt will “seine” Klasse auf Foils setzen

Flieg, Regnoc, flieg!

Für verrückte Ideen ist Frank Schönfeldt immer zu haben, doch in diesem Fall versteht der Segler, Sänger, Segelmacher keinen Spaß. Mit dem Projekt „Regnoc“ will er die Segelwelt auf den Kopf stellen, den Conger zum Fliegen bringen – und Schuld ist eine Deutsche Meisterschaft am Ammersee.

Noch gibt sich Frank Schönfeldt geheimnisvoll, im kommenden Frühjahr soll der foilende Conger auf die Bahn geschickt werden.

Doch von Anfang an: Im Oktober heuerte Schönfeldt auf dem Berliner H-Boot „Playmate“ an. Der Grund: Die Crew Felix Krabbe/Sven Taube brauchte zur Deutschen Meisterschaft einen Mann an der Pinne, da der etatmäßige Steuermann und viermalige H-Boot-Meister Lars Bähr verhindert war.

Der Hamburger reiste mit der Empfehlung von unzähligen DM-Titeln im Pirat, der Varianta und dem Conger zum Ammersee an – und erntete doch ein spöttisches Lächeln, als die Konkurrenz auf die Meldeliste sah. „Habt ihr gesehen: Der Conger-Meister will sich mit uns messen. Der Conger-Meister!“, musste Schönfeldt mitanhören und wunderte sich: „Bisher dachte ich, es geht beim Segeln immer um das Gleiche: Boot trimmen, Segel einstellen, Kreuz, Raumschots Vormwind – fertig!“

Das Konzept der Flügel besteht bereits.

Der Ehrgeiz war entfacht, nach kurzem Einsegeln stand die Crew-Abstimmung („Erst haben wir uns ratlos angesehen, aber dann passte es mit den Manövern!“), und nach acht Wettfahrten war der Konkurrenz das Mitleidslächeln vergangen. Schönfeldt/Krabbe/Taube holten sich den Titel. Für den Hamburger war die Sache damit aber nicht erledigt: „Der Conger-Meister!“ echote noch in seinem Kopf – wie ein Aufruf, seine Klasse von ihrem scheinbaren Mitläufer-Image zu befreien.

“Unglaubliche Ideen”

Also drehte Schönfeldt das Conger-Konzept auf links, erspann das Foiling-Projekt „Regnoc“ (Conger rückwärts gelesen), gründete eine Facebook-Gruppe und wurde fortan von Freunden, Fans und Unterstützern überrannt. „Die Facebook-Gruppe ist fast explodiert, es kommen unglaublich kreative Ideen und jede Menge Unterstützung“, so Schönfeldt.

Anfang Dezember waren bereits 1200 Mitglieder registriert. Mit Stickern, Shirts und Saunaschlappen ist die Marketing-Maschinerie angelaufen, das Brauen eines eigenen „Regnoc“-Bieres wurde angeregt und der künftige Foiling-Pilot Frank Schönfeldt bereits mit professioneller Schutzausrüstung ausgestattet.

So sieht ein Conger mit Flügeln aus. © Regnoc

Auch konstruktiv hebt das Projekt ab. Über Andreas Borrink und Manfred Schreiber kontaktete Frank Schönfeldt per Email den deutschen Foiling-Papst Martin Fischer. Der Design-Chef des Italo-Profi-Teams „Luna Rossa“ meldete sich sofort zurück, aber der Conger-Meister blieb skeptisch: „Es hörte sich an wie im Musik-Business: Ich habe von Euch gehört; wir sollten was zusammen machen; ich melde mich.“

Das Equipment für den Piloten ist bereits eingetroffen.

Von wegen: Zur Hamburg Boat Show kreuzte Fischer am Clownsails-Stand von Schönfeldt auf, hörte kurz zu, kramte Zettel und Stift hervor, skizzierte dem Conger einen Satz Flügel und verlieh dem Vorhaben damit noch mehr Dynamik: Inzwischen ist ein Boot gekauft, der Rumpf gescannt, 3D-Modelle der Flügel werden gebaut.

Erstes Regnoc-Rendering. © Regnoc

Die Uni Hamburg hat sich angeboten, Schleppversuche zu unternehmen, Ausrüster-Firmen stellen Equipment. Und Martin Fischer hat noch mal genau gerechnet: Bei 240 kg Boots- und 160 kg Crewgewicht könnte der Conger mit einer Foilfläche von 0,4 m² abheben – bei einer Geschwindigkeit von acht Knoten (gegebenenfalls müsste angeschleppt werden). Laut dem Initiator ist Fischer sicher: „Wir schaffen das!“

Im April soll es soweit sein. Schönfeldt hat für die große Flugshow beim Hamburger SC an der Alster jedenfalls schon mal einen Song im Kopf. Er nennt es Epos, ein wenig klingt es aber auch nach einem Stoßgebet: „Flieg Regnoc, bitte flieg!“

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.

7 Kommentare zu „Tragflächen-Projekt: Conger-Meister Frank Schönfeldt will “seine” Klasse auf Foils setzen“

  1. avatar Christian sagt:

    ist heute schon der 1.April? Wie auch immer, der Unterhaltungswert stimmt bei Frank Schönfeldt fast immer.

    Foilen wird das Ding in jedem Fall; mittels Anschleppen bekäme man auch ein KüMo zum Abheben.

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  2. avatar Christof sagt:

    Sollte klappen. Die ersten Optis fliegen auch schon : https://youtu.be/UokOO60dsMU
    Ansonsten: kann man machen – muss man aber nicht…

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  3. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Das Ding wird fliegen. Und wie ich Frank kenne, kommt da bestimmt auch ein modernes Rigg mit mehr Vortrieb zum Einsatz. Mit buntem Vorsegel. Und auf 8-10 kn bekommt man die Wanne schon geprügelt, wenn es richtig pustet.

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  4. avatar Schotti schott sagt:

    Sehr interessant! Weiß endlich mal im Ablauf, was zum Foliant benötigt wird ! Danke!
    Frank schafft das bestimmt – Regnoc wird was – bin gespannt, wie evtl das Anschleppen auf 8kn abläuft !
    Sagt mal wieso es 8kn sein müssen & wie sich das errechnet! Dh für mich – auch ein Pirar könnte zum foilimg gebracht werden!
    Fair Winds

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    • avatar regnoc sagt:

      wir bekommen alles zum foilen – auch ohne blaue pillen !

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      • avatar Jörn Pietsch sagt:

        Hallo Frank, ich habe mal eine Zeit lang unsere Optigrupe von einem Conger aus trainieren müssen auf dem Schaalsee, wo Motorboote verboten sind. Zur Not durfte ich einen Aussenborder benutzen (8 PS Viertakt mit 45 kg am Heck. Hat eine mörderische Welle geschmissen und stand ziemlich senkrecht in der Luft. Viel mehr als 8 kn werden es aber kaum gewesen sein.

        Ich stelle mir vor, dass es doch sehr viel Segelvortrieb braucht um wirklich mit 8 kn zu segeln.

        Auf jeden Fall ist es eine Herausforderung, und ich denke am Ende wird es auch Bilder geben, die einen Regnoc in der Luft zeigen.

        Ich habe hier noch eine Conger Rumpf herumliegen, den ein Vorbesitzer schon gestrippt hat – der Schaum ist raus. Ich würde Euch die Schale kostenlos zur Verfügung stellen (Am Kajütluk fehlt oben eine Ecke, Boot steht in derr Nähe von Zarrentin
        Toi Toi toi von Jörn

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        • avatar ostwald sagt:

          Hallo Jörn Pietsch – Danke für das Angebot – Wir kommen gerne darauf zurück … Trailer ist sicher mitzubringen ; )

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