Container über Bord: Erneut großer Frachtverlust – Problem der Beladung?

„Bis zum Anschlag beladen“

Das Großcontainerschiff Maersk Essen hat im Pazifik mehrere Hundert Container verloren. Der Vorfall reiht sich in eine länger werdende Liste von jüngsten Containerverlusten ein.

Ungefähr 6.000 Containerschiffe transportieren jährlich 226 Millionen Container (Symbolbild) © Ian Taylor, Unsplash

Der unter dänischer Flagge fahrende 366 Meter lange und gut 48 Meter breite Frachter Maersk Essen befand sich auf dem Weg vom chinesischen Hafen Xiamen nach Kalifornien, als er etwa auf halber Strecke in einen schweren Sturm geriet. Schätzungsweise 750 Container gingen dabei im Pazifischen Ozean über Bord, teilte die dänische Unternehmensgruppe A. P. Møller-Mærsk mit und ergänzte: „Alle Besatzungsmitglieder sind wohlauf und eine genaue Überprüfung der Ladung ist im Gange, während das Schiff seine Reise fortsetzt.“ Die Küstenwache sowie zuständige Behörden seien benachrichtigt worden. „Wir betrachten dies als eine sehr ernste Situation, die umgehend und gründlich untersucht werden wird.“ In wenigen Tagen solle Maersk Essen die APM Terminals Lazaro Cardenas in Mexiko anlaufen, damit die Ladung begutachtet und erste Reparaturen durchgeführt werden könnten.

Der Unfall der Maersk Essen ist der jüngste einer Reihe von Vorfällen, bei denen in den vergangenen Monaten Container über Bord gingen, die im Wasser zur treibenden Gefahr zu werden drohen. Zwar sind Containerverluste laut offizieller Zahlen des World Shipping Council (WSC) in den letzten Jahren zurückgegangen, in diesem Winter hätten sich die Vorfälle allerdings gehäuft, besonders im Pazifik, vermeldete unter anderem das Wall Street Journal.

Kein Einzelfall: One Apus verlor fast 2000 Stahlboxen

Ganz besonders für Schlagzeilen sorgte Ende November der dramatische Unfall der One Apus. Auch sie geriet auf dem Pazifik in schwere See und verlor fast 2000 Container. Anfang des Monats fielen zudem 76 Container von einem Schiff auf dem Weg von Südkorea nach Nordamerika. Und am 31. Dezember verlor ein Containerschiff vor der Küste Japans rund 40 Boxen.

Das Schlachfeld auf dem 364 Meter langen Frachter One Apus © ONE Apus

Einige Fachleute stellen sich deshalb bereits die Frage, ob ein aktuell wiederkehrendes Problem in der Stauung mitverantwortlich für die jüngste Häufung sein könnte. „Je höher man die Boxen an Deck stapelt, desto größer sind die Kräfte, denen sie ausgesetzt sind, wenn sich das Schiff in den Wellen bewegt, und das könnte ein Faktor sein, zumal der jüngste Nachfrageboom dazu geführt hat, dass alle Schiffe bis zum Anschlag beladen sind“, kommentierte etwa Lars Jensen, von der in Dänemark ansässigen SeaIntelligence Consulting, im Wall Street Journal. Und auch andere Medien berichteten bereits von einem deutlichen Anstieg der Verschiffungen in der zweiten Jahreshälfte 2020, die eine maximale Beladung vieler Schiffe zur Folge habe.

Dass Containerschiffe bei schwerer See Ladung verlieren, passiert immer wieder. Vielen von ihnen wird das Phänomen des parametrischen Rollens zum Verhängnis, bei dem es zu einem unkontrollierbaren Aufschaukeln des Schiffes kommt. Tools wie das „Marine Advisory System – OCTOPUS“ sollen Abhilfe schaffen und den Transport von Fracht auf See sicherer machen, indem sie zum Beispiel Gefahren erkennen, die für das jeweilige Schiff durch besondere Wellenbewegungen entstehen, und vor auffälligen Gebieten warnen.

 

2 Kommentare zu „Container über Bord: Erneut großer Frachtverlust – Problem der Beladung?“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Wahrscheinlich muss man die Reedereien deutlich mehr in die Verantwortung nehmen, um solche Verluste deutlich zu senken. Zur Zeit wird eine Frachtversicherung für den Ladungsverlust aufkommen und der Schaden der Versicherung hält sich in Grenzen.
    Wir reden über die Meeresverschmutzung und deren Reduzierung, nehmen aber billigend in Kauf, dass wir hier unseren “Müll” gleich Kistenweise ins Wasser kippen.

  2. avatar herr zettpunkt sagt:

    Ein Reeder bekommt für den Transport der Ladung (Cargo) eine Fracht (Freight). Je nachdem wann die Fracht zahlbar ist, hat der Reeder nach einem Ladungsverlust vielleicht auch einen Frachtverlust zu beklagen. Normalerweise ist aber die Fracht verdient mit dem an Bord nehmen der Ladung. Wenn es sich bei dem Ladungsverlust um ein zufälliges Ereignis handelt, wird wohl am Ende die P&I Versicherung des Reeders zahlen. Handelt es sich womöglich um eine bewusste Handlung zur Rettung von Schiff und Ladung so wird der Verlust von der Gefahrengemeinschaft der Seeunternehmung ihrem Werte nach bezahlt. Sprich jeder muss seinen Anteil n den über Bord geworfenen Containern bezahlen. Nennt sich Havarie Grosse.

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